
Terrorverdacht in Frankreich: Polizist druckte Waffen im 3D-Drucker?

Ein 35-jähriger französischer Polizeibeamter sitzt in Untersuchungshaft – wegen des Verdachts, einen Terroranschlag vorbereitet zu haben. Französischen Medienberichten zufolge nahmen Ermittler der Antiterror-Einheit SDAT den Mann am 23. August nach Dienstschluss fest. Seitdem laufen die Ermittlungen unter Leitung eines Antiterror-Untersuchungsrichters.
96 Stunden Gewahrsam, dann Untersuchungshaft
Der Beamte war im Département Yvelines westlich von Paris eingesetzt. Nach Angaben aus Justizkreisen soll er 96 Stunden im Polizeigewahrsam verbracht haben, ehe ihn die nationale Antiterror-Staatsanwaltschaft formell beschuldigte.
Die Vorwürfe sind massiv: individuelle Vorbereitung einer terroristischen Tat, unerlaubte Herstellung und Besitz von Kriegsmaterial und Waffen im Zusammenhang mit einem terroristischen Unternehmen sowie Aufruf zu einer terroristischen Tat über einen Online-Dienst. Bewiesen ist davon bislang nichts – es gilt die Unschuldsvermutung.
Berichten zufolge soll der Mann in Internetforen Beiträge veröffentlicht haben, in denen er sich gegen den Staat und dessen Institutionen gerichtet habe. Zudem soll er angeboten haben, Waffen mit einem 3D-Drucker herzustellen.
Zehn Jahre im Dienst – Sohn eines Polizeikommandanten
Was den Fall für Frankreich so unangenehm macht: Der Verdächtige war kein Außenseiter, sondern seit rund einem Jahrzehnt im Polizeidienst. Zunächst als Schutzpolizist im Département Hauts-de-Seine, später in der Nachtbereitschaft in Versailles, danach ein Jahr bei der dortigen Kriminalbrigade. Seit Herbst 2024 arbeitete er in den Yvelines. Er ist Medienberichten zufolge der Sohn eines früheren Polizeikommandanten.
Ehemalige Bekannte beschreiben ihn gegenüber französischen Sendern höchst widersprüchlich. Ein früherer Vertrauter schilderte ihn als wirr und verschwörungsgläubig:
„Er hatte einen zusammenhanglosen Diskurs und war Verschwörungstheoretiker. Er dachte, sein Telefon werde ausgespäht. Sein Verhalten war wirklich seltsam.“
Ein anderer Bekannter nannte ihn hingegen „effizient, respektvoll und sehr diskret“. Seine beiden Anwälte äußerten sich laut den Berichten nicht.
Warnungen, die jahrelang im Raum standen
Neu ist die Debatte in Frankreich nicht. Bereits 2023 hatte der damalige Chef des Inlandsgeheimdienstes DGSI in einem Interview auf ein „besorgniserregendes Phänomen“ hingewiesen: die Präsenz von aktiven oder früheren Angehörigen der Sicherheitskräfte und des Militärs im rechtsextremen Milieu. Seit 2017 seien in Frankreich mehrere geplante Taten aus diesem Spektrum verhindert worden.
Parallel treibt die Sicherheitsbehörden europaweit ein zweites Problem um: Waffen aus dem 3D-Drucker. Sie tragen keine Seriennummer, durchlaufen keine Registrierung – und sind für Ermittler kaum nachverfolgbar. In Frankreich wurde eine solche Waffe erstmals 2023 nach einer Schießerei in Marseille sichergestellt, in Portugal hoben Behörden 2025 erstmals funktionsfähige gedruckte Schusswaffen aus. Die Technik ist längst kein Nischenthema mehr.
Wahlkampf im Hintergrund
Der Fall fällt in eine politisch aufgeladene Phase. Die französische Präsidentschaftswahl ist für den 18. April und 2. Mai 2027 angesetzt, Amtsinhaber Emmanuel Macron darf nach zwei Amtszeiten nicht erneut direkt kandidieren. Erst kürzlich hatte das Rassemblement National Berichten zufolge einen Polizisten aus der Partei ausgeschlossen, nachdem Bodycam-Aufnahmen rassistische Äußerungen dokumentiert haben sollen.
Aus Sicht unserer Redaktion sollte daraus keine Pauschalverurteilung einer ganzen Behörde werden. Wer den Rechtsstaat verteidigen will, muss Verdachtsfälle in den eigenen Reihen konsequent aufklären – nüchtern, rechtsstaatlich und ohne parteipolitische Verwertung. Genau daran wird sich Frankreichs Justiz messen lassen müssen.
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