
Titan-Coup fürs Falt-iPhone: Apple rüstet gegen Chinas Rohstoffmacht

Apple holt das Metall für sein erstes faltbares iPhone aus Amerika. Wie der Konzern am Dienstag, dem 20. Oktober, mitteilte, sollen in den kommenden drei Jahren bis zu 100 Millionen Dollar an die Perryman Company aus Pennsylvania fließen. Der Familienbetrieb liefert das Titan für das Gehäuse des neuen iPhone Duo.
Das klingt nach einer gewöhnlichen Lieferantenmeldung. Tatsächlich geht es um viel mehr, nämlich um die Frage, wer im 21. Jahrhundert über die Rohstoffe der Hightech-Welt bestimmt.
Recyceltes Titan aus dem Rust Belt
Im Werk in Houston, Pennsylvania, wird das Metall nach Angaben von Apple geschmolzen, geschmiedet und gewalzt. Mindestens 80 Prozent davon seien recyceltes Material. Verbaut wird sogenanntes Grade-5-Titan, eine besonders feste Legierung, die das Scharnier-Gerät im Alltag robust machen soll.
Ein zweiter Partner ist Qnity Electronics aus Delaware. Das Unternehmen soll in den USA spezielle Folien für die neue variable Blende der iPhone-18-Pro-Kamera fertigen. Apples Betriebschef Sabih Khan erklärte, man sei begeistert, die Zusammenarbeit mit Herstellern fortschrittlicher Materialien „direkt hier in Amerika“ auszubauen. Amerikanischer Erfindergeist sei für alle Produkte des Konzerns unverzichtbar.
Laut Apple stammen inzwischen fast 100 Komponenten der neuen Modelle von US-Firmen aus mehr als einem Dutzend Bundesstaaten. Auch die bekannten Partner werden genannt:
- Corning soll bis Ende 2026 sämtliches Deckglas für iPhone und Apple Watch weltweit in Kentucky herstellen.
- TSMC produziere in Arizona in diesem Jahr mehr als 100 Millionen Chips für Apple.
- Broadcom baue sein Werk in Colorado mit 1,5 Milliarden Dollar aus.
Trumps Zollpeitsche wirkt
Freiwillig ist dieser Umbau kaum entstanden. Im August 2025 stand Tim Cook im Weißen Haus neben Donald Trump und erhöhte Apples US-Investitionszusage auf 600 Milliarden Dollar über vier Jahre. Kurz zuvor hatte Trump den Konzern noch dafür kritisiert, dass er die iPhone-Fertigung nach Indien verlagern wollte. Schon im Juli 2025 hatte Apple 500 Millionen Dollar für Magnete aus Seltenen Erden des US-Produzenten MP Materials zugesagt.
Dahinter steckt eine klare Strategie Washingtons. Peking soll Lieferketten nicht länger als Druckmittel in Handelskonflikten einsetzen können. Bei kritischen Metallen und Seltenen Erden hat China eine nahezu monopolartige Stellung. Daran dürfte sich nach Einschätzung von Marktbeobachtern mindestens bis zum Ende des Jahrzehnts wenig ändern.
Und Europa? Schaut zu
Während Amerika Industriepolitik mit Zöllen und Konzernzusagen durchsetzt, beschäftigt sich Brüssel vor allem mit Berichtspflichten und Lieferkettengesetzen. Deutsche Mittelständler, die jeden Tag auf Spezialmetalle angewiesen sind, kämpfen dagegen mit Energiepreisen, Bürokratie und der Abhängigkeit von Asien. Die Frage ist berechtigt: Wo bleibt eine deutsche Rohstoffstrategie, die über Sonntagsreden hinausgeht?
Rohstoffpreise und Minenaktien laufen auseinander
Bemerkenswert ist die Lage an den Märkten. Einem US-Finanzportal zufolge sind die Preise für Seltene Erden zuletzt um 23 Prozent gestiegen, die Aktien von Minenbetreibern im selben Zeitraum aber um 28 Prozent gefallen. Das zeigt, wie stark Aktienkurse an Stimmungen, Bewertungen und politischen Risiken hängen, auch wenn der Rohstoff selbst knapp und begehrt ist.
Wer sein Vermögen gegen geopolitische Erschütterungen absichern möchte, sollte diese Lektion ernst nehmen. Physisches Gold und Silber tragen weder Management- noch Bilanzrisiken. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio bleiben sie deshalb ein bewährter Anker, gerade wenn Großmächte um Rohstoffe ringen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder anderen Anlageprodukten. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen allein.
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