
Übernahme im Eilverfahren: Wie die Unicredit die Commerzbank Stück für Stück verschlingt

Es ist ein Lehrstück über deutsche Wirtschaftspolitik – und ein bitteres dazu. Die italienische Großbank Unicredit hat sich nun fast 40 Prozent an der traditionsreichen Commerzbank gesichert. Während in Frankfurt die Alarmglocken schrillen und die Berliner Politik in altbekannter Manier wettert, marschiert Mailand unbeirrt voran. Der Anteil liegt bei satten 39,28 Prozent. Und das, obwohl das Übernahmeangebot von Kennern als geradezu unattraktiv eingestuft wurde.
Wenn ein schlechtes Angebot dennoch Früchte trägt
Man stelle sich vor: Die Italiener legen ein Tauschangebot vor, dessen Preis größtenteils unter dem aktuellen Aktienkurs der Commerzbank liegt – und trotzdem reichen Anteilseigner satte 12,51 Prozent ihrer Papiere ein. Wie kann das sein? Diese Frage stellt sich nicht nur die Commerzbank-Führung. Sie wittert ein abgekartetes Spiel und hat prompt die Finanzaufsicht Bafin eingeschaltet. Der Betriebsrat ging noch einen Schritt weiter und erstattete Strafanzeige – wegen des Verdachts der Marktmanipulation und Irreführung.
Der Vorwurf wiegt schwer: Die angebotenen Aktien sollen überwiegend von Banken stammen, die ohnehin eng mit der Unicredit verbandelt seien. Ob daran etwas dran sei, müssen nun die Aufsichtsbehörden und womöglich die Staatsanwaltschaft klären. Bis 3. Juli läuft das verlängerte Angebot, am 8. Juli will Mailand das Ergebnis verkünden.
Berlin als zahnloser Tiger
Besonders pikant: Der deutsche Staat ist zweitgrößter Anteilseigner der Commerzbank. Man sollte meinen, dass diese Position eine gewisse Schlagkraft verleihen würde. Doch was tut die Bundesregierung? Sie lehnt die Übernahme „vehement" ab – und schaut dann tatenlos zu, wie sich ein ausländischer Konzern Schritt für Schritt das Tafelsilber einverleibt. Verbale Empörung ersetzt eben keine Strategie.
Während die Politik große Worte schwingt, schafft die Unicredit Fakten – und droht bereits offen damit, den Aufsichtsrat auszutauschen, in dem sogar zwei Vertreter des Bundes sitzen.
Die Italiener kaufen bereits seit Ende 2024 systematisch Anteile auf. Hinzu kommen Finanzinstrumente in Höhe von 3,22 Prozent sowie Derivate von satten 13,19 Prozent, die sich in Aktien umwandeln lassen. Rechnet man alles zusammen, wird klar: Die Mehrheit ist nur noch eine Frage der Zeit.
Das Schicksal eines deutschen Aushängeschilds
Die Unicredit gibt sich keine Mühe, ihre Pläne zu verschleiern. Das internationale Netzwerk der Commerzbank gelte als zu komplex und ineffizient und solle verkleinert werden. Klingt nüchtern – bedeutet aber im Klartext: Eine der letzten großen deutschen Geschäftsbanken wird umgebaut, zurechtgestutzt und einem fremden Konzerninteresse untergeordnet. Schon Anfang 2025 kündigte die Commerzbank den Abbau von fast 4.000 Vollzeitstellen an, überwiegend in Deutschland. Wer glaubt, dass ein italienischer Eigentümer hier großzügiger agieren würde, dürfte sich täuschen.
Eine Frage des Vertrauens – und der Werterhaltung
Dieser Fall zeigt einmal mehr, wie verwundbar selbst etablierte deutsche Institute geworden sind, wenn die politische Begleitung versagt. Wer sein Vermögen krisenfest aufstellen will, sollte sich nicht allein auf das Papiergeld-System und seine wankenden Institutionen verlassen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber waren über Jahrhunderte hinweg ein verlässlicher Anker – unabhängig davon, welcher Konzern gerade welche Bank schluckt oder welche Regierung gerade ihre Hilflosigkeit zur Schau stellt. Als Beimischung zu einem breit gestreuten Portfolio bieten sie genau jene Stabilität, die im Bankensektor zunehmend abhandenkommt.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die hier wiedergegebenen Einschätzungen entsprechen der Meinung unserer Redaktion und den uns vorliegenden Informationen. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte vor einer Investition eigenständig recherchieren oder fachkundigen Rat einholen.
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