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15.10.2026
17:50 Uhr
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Umfrage-Beben in Paris: Fast jeder zweite Muslim erwägt Auswanderung

Umfrage-Beben in Paris: Fast jeder zweite Muslim erwägt Auswanderung
Symbolbild: KI-generiert

Ein halbes Jahr vor der französischen Präsidentschaftswahl sorgt eine neue Umfrage für Aufsehen: 46 Prozent der befragten Muslime ziehen in Betracht, Frankreich zu verlassen, falls Marine Le Pen ins Élysée einzieht. Ermittelt hat das Meinungsforschungsinstitut IFOP im Auftrag des Magazins „Marianne“. Die Zahlen zeigen, wie tief der Graben ist, der sich durch die Grande Nation zieht.

Angst, Abwanderung, Anpassung

Die Sorgen unter den befragten Muslimen sind groß. 81 Prozent rechnen der Erhebung zufolge mit mehr Übergriffen und mehr Benachteiligung, sollte die Kandidatin des Rassemblement National (RN) gewinnen. Gut jeder Vierte, nämlich 27 Prozent, wäre nach eigenen Angaben bereit, den eigenen Glauben in der Öffentlichkeit nicht mehr zu zeigen.

Bemerkenswert: Auch in der Gesamtbevölkerung äußern 21 Prozent Abwanderungsgedanken für den Fall eines RN-Siegs. Laut Medienberichten stützt sich die Studie auf eine außergewöhnlich große Stichprobe von 9.689 Personen.

Einordnen muss man die Zahlen trotzdem. Französische Medien schreiben, die Befragten würden einen Weggang „erwägen“. Das ist etwas anderes als gepackte Koffer. Wer sich an die Ankündigungen prominenter Amerikaner nach Trumps Wahlsiegen erinnert, weiß, wie groß der Abstand zwischen Umfrage und Umzugswagen meist ist.

Kopftuch spaltet die Generationen

Die Studie beleuchtet auch, wie Frankreich insgesamt auf den Islam blickt. 53 Prozent der Franzosen stören sich demnach daran, wenn muslimische Frauen in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen. Gleich 60 Prozent unterstützen Maßnahmen, die die Sichtbarkeit von Religion im öffentlichen Raum begrenzen, bis hin zu einem allgemeinen Kopftuchverbot.

Bei den Jungen sieht es ganz anders aus. Nur 18 Prozent von ihnen lehnen das Kopftuch ab, 56 Prozent bewerten es sogar positiv. Ausgerechnet im Mutterland der strikten Laizität wächst damit eine Generation heran, die das republikanische Neutralitätsgebot anders auslegt als ihre Eltern.

Dabei hat Frankreich eine lange Tradition harter Regeln. Seit 2004 sind auffällige religiöse Symbole an staatlichen Schulen verboten, seit 2011 gilt ein Verbot der Gesichtsverschleierung im öffentlichen Raum. Die Trennung von Staat und Kirche ist seit 1905 gesetzlich verankert und gehört zum Selbstverständnis der Republik.

Le Pen: Vom Gerichtssaal ins Favoritenrennen

Dass Le Pen überhaupt antreten darf, war lange offen. Im März 2025 hatte ein Pariser Gericht sie wegen der Veruntreuung von EU-Geldern verurteilt und ihr das passive Wahlrecht mit sofortiger Wirkung entzogen. Im Juli 2026 bestätigte das Berufungsgericht laut Medienberichten zwar den Schuldspruch. Es verkürzte die wirksame Sperre aber auf 15 Monate und verhängte ein Jahr elektronische Fußfessel. Der Weg zur Kandidatur ist damit frei.

Und die Umfragen sehen gut für sie aus. Der erste Wahlgang ist für den 18. April angesetzt, eine mögliche Stichwahl für den 2. Mai. Le Pen liegt in Erhebungen mit bis zu 38 Prozent klar vorn. Für einen Sieg schon in der ersten Runde reicht das nicht, für den Einzug in die Stichwahl aber sicher.

Die Konkurrenz liegt weit zurück

  • Jean-Luc Mélenchon, Frontmann der radikalen Linken, kommt nur auf Werte im höheren Zehnerbereich.
  • Édouard Philippe, früherer Premier und Macron-Verbündeter, liegt in einer ähnlichen Region.
  • In Stichwahl-Szenarien gilt Le Pen gegen beide als Favoritin.

Ein Land vor der Zerreißprobe

Was bleibt? Eine Momentaufnahme, die mehr über Frankreichs Zustand verrät als über seine Zukunft. Fast zehn Jahre Macron sollten die politische Mitte stärken. Am Ende stehen zwei Ränder, die das Land unter sich aufteilen, und eine Mitte, die bei den Wählern kaum noch verfängt.

Für Deutschland ist das mehr als eine Nachricht aus dem Nachbarland. Ob Migration, Integration oder das Verhältnis von Religion und Staat: Die Debatten, die Paris gerade führt, kommen in Berlin früher oder später auch auf den Tisch. Mit Blick auf Frankreich lässt sich schon jetzt sagen, was passiert, wenn eine Regierung solche Fragen zu lange liegen lässt.

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