
Vance macht Druck auf die Fed: "Wäre schön, etwas Hilfe zu haben"

US-Vizepräsident J.D. Vance hat die amerikanische Notenbank am Donnerstag im Weißen Haus offen zu Zinssenkungen aufgefordert. Der Grund: Amerikaner sollten sich wieder ein Eigenheim leisten können. Nur wenige Tage zuvor hatte Fed-Chef Kevin Warsh das genaue Gegenteil angedeutet — eine mögliche Zinserhöhung wegen der zähen Inflation.
Der Vize spricht, der Markt hört mit
Auf die Frage eines Journalisten nach dem nervösen US-Anleihemarkt antwortete Vance, dem Präsidenten seien die Zinsen wichtig — vor allem, weil Trump wolle, dass sich Amerikaner ein Haus kaufen können. Steigende Zinsen bedeuteten schlicht höhere Finanzierungskosten.
Man halte die Notenbank für verpflichtet, die Zinsen zu senken; das sei angesichts der jüngsten Inflationsdaten die "richtige und verantwortungsvolle" Reaktion, so der Vizepräsident. Und dann jener Satz, der in Washington als sanfte Drohung gelesen wird:
"Wir tun eine Menge, um diese Zinsen unten zu halten, aber es wäre schön, etwas Hilfe von der Federal Reserve zu haben."
Warsh, der eigene Kopf?
Pikant ist die Personalie: Warsh gilt als Trumps Wunschkandidat und führt die Fed Medienberichten zufolge seit dem Frühjahr 2026. Doch in Jackson Hole ließ er kaum Zweifel daran, dass er sich als Inflationsbekämpfer profilieren will. Er sei entschlossen, die Teuerung zurück auf das Zwei-Prozent-Ziel zu drücken — kurzfristige Zinsen seien dabei das wichtigste Werkzeug.
Damit steht der Chef der mächtigsten Notenbank der Welt in offenem Widerspruch zu jenen, die ihn ins Amt gebracht haben. Ein Konflikt mit Ansage.
Die Sitzung, die alles offen lässt
Am 15. und 16. September tagt der Offenmarktausschuss. Laut dem FedWatch-Barometer der CME Group sind die Händler bei der Frage einer Zinserhöhung etwa hälftig gespalten — eine Seltenheit. Im Führungsgremium selbst geht es ähnlich durcheinander:
- Gouverneur Michael Barr signalisierte, er könne eine Erhöhung stützen, sollte die Inflation hoch bleiben.
- Gouverneur Christopher Waller neigt dagegen dazu, die Zinsen unverändert zu lassen.
Hinzu kommt der Streit um die Unabhängigkeit der Institution. Trump hatte bereits Warshs Vorgänger massiv zu Zinssenkungen gedrängt und versucht, die Gouverneurin Lisa Cook aus dem Amt zu entfernen. Beobachter sehen darin einen Angriff auf jene Brandmauer, die Geldpolitik von Tagespolitik trennen soll.
Was das für Anleger in Europa bedeutet
Für Sparer diesseits des Atlantiks ist das keine Randnotiz. Wenn Politik der Notenbank die Richtung diktiert, verliert Geld auf lange Sicht seine wichtigste Schutzinstanz — jene Bereitschaft, unbequem zu sein. Aus Sicht unserer Redaktion ist genau das der Kern der Vertrauenskrise, die sich am US-Anleihemarkt bereits abzeichnet.
Wer 2021 und 2022 erlebt hat, wie schnell Kaufkraft verdampft, kennt die Lehre: Zentralbanken, die politisch unter Druck geraten, reagieren gern zu spät. Physisches Gold und Silber kennen keinen Präsidenten, keinen Gouverneur und keine Pressekonferenz — und taugen deshalb als solide Beimischung eines breit gestreuten Vermögens.
Hinweis: Dieser Beitrag ist journalistische Information und keine Anlageberatung. Wir sprechen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aus. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.
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