
Volkswagen am Scheideweg: CEO Blume unter massivem Druck der Investoren
Die Schonfrist ist vorbei. Oliver Blume, der Chef des angeschlagenen Wolfsburger Automobilgiganten Volkswagen, steht vor dem wohl entscheidendsten Jahr seiner Karriere. Nachdem der 57-Jährige seine Doppelrolle als Porsche-Chef aufgeben musste, erwarten die Investoren nun endlich Ergebnisse – und ihre Geduld ist nahezu erschöpft.
48 Milliarden Euro Wertverlust: Eine vernichtende Bilanz
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Unter Blumes Führung haben Volkswagen und Porsche zusammen rund 48 Milliarden Euro an Börsenwert eingebüßt. Ein Desaster, das selbst hartgesottene Aktionäre ins Grübeln bringt. Sechs Investoren, darunter Top-10-Fonds, bestätigten gegenüber Nachrichtenagenturen, dass der Druck auf Blume immens sei.
Marc Liebscher von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), die 9.000 kleinere Volkswagen-Aktionäre vertritt, formuliert es unmissverständlich: „Der Druck auf ihn ist gewaltig. Blume ist nun gezwungen, sein frühes Eigenlob in einem äußerst schwierigen Marktumfeld zu rechtfertigen."
China: Vom Goldesel zum Sorgenkind
Was einst die sprudelnde Geldquelle des Konzerns war, entwickelt sich zunehmend zum existenziellen Problem. In China, dem weltweit größten Automarkt, den Volkswagen einst dominierte, ist der deutsche Hersteller mittlerweile auf den dritten Platz abgerutscht – hinter BYD und Geely. Selbst die Premiummarken Porsche und Audi kämpfen im Reich der Mitte mit massiven Absatzproblemen.
Blumes Antwort darauf lautet „In China für China" – eine Strategie, die auf Partnerschaften mit lokalen Herstellern setzt. Ob das ausreicht, um den Abwärtstrend zu stoppen, bleibt fraglich. Hendrik Schmidt vom Top-10-Investor DWS zeigt sich skeptisch: „Es handelt sich noch immer eher um Problemanalyse als um lösungsorientiertes Handeln."
Die Software-Misere: Ein Armutszeugnis für deutsche Ingenieurskunst
Besonders bitter für einen Konzern, der sich jahrzehntelang als Inbegriff deutscher Ingenieurskunst verstand: Volkswagen hinkt bei der Software hoffnungslos hinterher. Die hauseigene Software-Einheit Cariad produzierte jahrelang vor allem Schlagzeilen über Verzögerungen und Pannen – ein Debakel, das bereits Blumes Vorgänger Herbert Diess den Job kostete.
„Bald sind es 20 Jahre seit der Einführung des iPhones. Es ist erschreckend, ja geradezu schockierend, dass Volkswagen nicht in der Lage ist, selbst eine Software-Lösung zu entwickeln."
Diese vernichtende Einschätzung von SdK-Vertreter Liebscher trifft den Nagel auf den Kopf. Blumes Antwort auf das Software-Desaster ist eine riskante Fünf-Milliarden-Dollar-Wette: ein Joint Venture mit dem defizitären kalifornischen Elektroautohersteller Rivian. Derzeit laufen Wintertests in Schweden – und die nächste Milliarden-Investitionstranche hängt vom Erfolg ab.
Die Eigentümerfamilien schauen genauer hin
Die Porsche- und Piëch-Familien, die über die Hälfte der Stimmrechte bei Volkswagen kontrollieren, haben durch die Kursverluste erhebliche Einbußen erlitten. Nun beobachten sie den Sanierungsplan deutlich aufmerksamer, wie aus informierten Kreisen verlautet. Ein Sprecher der Porsche SE formulierte es diplomatisch, aber unmissverständlich: „Jetzt ist es wichtig, konsequent an der Umsetzung weiterzuarbeiten."
Zwar erhielt Blume eine Vertragsverlängerung um fünf Jahre – doch wie sein Vorgänger Diess schmerzhaft erfahren musste, ist ein Vertrag keine Garantie. Der wurde schließlich auch vorzeitig vor die Tür gesetzt.
Ein Konzern im Umbruch – und eine Nation, die zusieht
Die Krise bei Volkswagen ist mehr als nur ein Unternehmensproblem. Sie ist symptomatisch für den schleichenden Niedergang der deutschen Automobilindustrie, die jahrzehntelang als Rückgrat der deutschen Wirtschaft galt. Während chinesische Hersteller mit atemberaubender Geschwindigkeit Marktanteile erobern, kämpft der einstige Weltmarktführer ums Überleben.
Die bereits vereinbarten schmerzhaften Zugeständnisse – darunter der Abbau von 35.000 Arbeitsplätzen in Deutschland – zeigen das Ausmaß der Krise. Und weitere Einschnitte könnten folgen, sollte Blumes Strategie nicht aufgehen.
Die Frage, die sich viele stellen: Kann ein Konzern, der es in zwei Jahrzehnten nicht geschafft hat, eine konkurrenzfähige Software zu entwickeln, wirklich noch die Kurve kriegen? Die Antwort darauf wird nicht nur über Blumes Zukunft entscheiden, sondern möglicherweise über das Schicksal eines der wichtigsten deutschen Industrieunternehmen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Aktien und andere Wertpapiere sind mit Risiken verbunden. Jeder Anleger ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte sich vor einer Investition umfassend informieren und gegebenenfalls professionelle Beratung in Anspruch nehmen.

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