
Volkswagen-Tochter stellt Hunderte Mitarbeiter mit intimsten Gesundheitsdaten bloß

Was sich derzeit bei einer Konzerntochter von Volkswagen abspielt, liest sich wie ein Albtraum aus einem dystopischen Roman – und ist doch bittere Realität. Bei der Volkswagen Group Services wurden offenbar sensible Gesundheitsdaten von rund 600 Mitarbeitern in großen Videokonferenzen vor Dutzenden Führungskräften ausgebreitet. Depressionen, Rückenleiden, psychische Erkrankungen – alles fein säuberlich aufbereitet in Powerpoint-Präsentationen, inklusive Klarnamen der Betroffenen. Ein Vorgang, der sprachlos macht.
Krankheiten als Konferenz-Unterhaltung
Der Hintergrund des Skandals ist so zynisch wie bezeichnend für den Zustand der deutschen Industrielandschaft. Seit Juni 2025 hätten sich im Rahmen einer sogenannten „Initiative Fehlzeitenquote" Projektleiter, Personalverantwortliche und Meister alle zwei Wochen in Online-Konferenzen zusammengeschaltet. Das erklärte Ziel dieser Runden sei gewesen, Mitarbeiter mit auffälligen Fehlzeiten herauszufiltern – und ihnen im Zweifel krankheitsbedingt zu kündigen. Man fragt sich unwillkürlich: Ist das noch Personalmanagement oder bereits systematische Bloßstellung?
In den besagten Präsentationen seien nicht nur Fehlzeiten einzelner Beschäftigter namentlich aufgelistet worden. Auch „besonders sensible Informationen zur Gesundheit" sowie Inhalte vertraulicher Fürsorgegespräche sollen verarbeitet und vor großem Publikum diskutiert worden sein. Ein Vertrauensbruch monumentalen Ausmaßes.
VW reagiert – doch der Schaden ist angerichtet
Das Unternehmen bemüht sich nun um Schadensbegrenzung. Die Volkswagen Group Services habe den Datenschutzverstoß nach eigenen Angaben selbst festgestellt und „unverzüglich reagiert". Die zuständige Landesdatenschutzbehörde sei frühzeitig eingebunden worden, die betroffenen Mitarbeiter hätten ein Schreiben über die „Verletzung des Schutzes ihrer personenbezogenen Daten gemäß Art. 34 DSGVO" erhalten. Auch der VW-Konzernbetriebsrat nehme den Vorfall „sehr ernst".
Doch was nützen all die beschwichtigenden Worte, wenn der Schaden längst irreparabel ist? In dem Schreiben an die Betroffenen werde selbst eingeräumt, welche Konsequenzen der Datenleak haben könne: Zahlreiche Führungskräfte im Unternehmen wüssten nun, wie häufig einzelne Mitarbeiter ausgefallen seien – mit potenziell verheerenden Folgen für deren Karriere. Diskriminierung drohe, und die Informationen könnten zudem in weitere, unbefugte Hände geraten.
Betroffene wehren sich juristisch
Mindestens ein ehemaliger Mitarbeiter, der wegen Depressionen ausgefallen war und seine psychischen Probleme vertraulich mit Vorgesetzten besprochen hatte, suche bereits einen Anwalt. Er wolle juristisch gegen VW vorgehen. Und er dürfte nicht allein bleiben: Das Arbeitsgericht Braunschweig habe bereits mehrere Klagen in dieser Angelegenheit erhalten.
Sparwahn mit menschenverachtenden Zügen
Der Datenskandal fällt in eine Phase, in der Volkswagen massiv Kosten senken muss. Schon im vergangenen Jahr habe der Konzern 548 Mitarbeiter wegen Fehlverhaltens entlassen – Hauptgrund sei unentschuldigtes Fehlen gewesen. Allein an den sechs deutschen Standorten hätten mehr als 300 Beschäftigte gehen müssen. Bereits 2024 hatte VW die Krankenzahlen zum Thema gemacht und angekündigt, Mitarbeiter nach „jüngst sehr hohen Fehlzeiten" verstärkt auf Gesundheitsangebote hinweisen zu wollen.
Dass der Druck auf die Belegschaft in wirtschaftlich schwierigen Zeiten steigt, ist nachvollziehbar. Dass ein Konzern von der Größe Volkswagens jedoch offenbar ein System etabliert, in dem die intimsten Gesundheitsdaten seiner Mitarbeiter wie Kennzahlen in einer Quartalsbilanz behandelt werden, offenbart ein erschreckendes Menschenbild. Hier zeigt sich exemplarisch, wohin es führt, wenn Effizienzdenken jedes Maß verliert und der einzelne Mensch nur noch als Kostenfaktor betrachtet wird.
Der Fall wirft auch ein Schlaglicht auf die Frage, wie es um den Datenschutz in deutschen Großkonzernen tatsächlich bestellt ist. Die DSGVO, einst als europäischer Meilenstein gefeiert, scheint in der Praxis allzu oft nur auf dem Papier zu existieren. Wenn selbst ein DAX-Konzern wie Volkswagen derart fahrlässig mit den sensibelsten Daten seiner Mitarbeiter umgeht, darf man sich fragen, was hinter den verschlossenen Türen weniger prominenter Unternehmen geschieht.
„Ich suche gerade einen Anwalt, weil ich juristisch gegen VW vorgehen möchte", erklärte ein Betroffener gegenüber Medien.
Es bleibt zu hoffen, dass die Justiz in diesem Fall ein deutliches Signal sendet. Denn eines steht fest: Wer das Vertrauen seiner Mitarbeiter derart mit Füßen tritt, verdient keine Nachsicht – sondern empfindliche Konsequenzen.
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