
Wachstum auf Pump: Deutschlands Mini-Aufschwung hängt am Staatstropf

Die Statistiker in Wiesbaden melden Wachstum, die Bundesregierung spricht von Erholung. Doch eine neue Ifo-Umfrage und die Industriedaten vom 6. November zeichnen ein ganz anderes Bild. Fast jeder zweite Selbständige in Deutschland klagt über fehlende Aufträge. Und das bisschen Wachstum, das es gibt, kommt nach Einschätzung vieler Ökonomen vor allem aus einer Quelle: dem Staat und seinen Schulden.
Selbständige im Würgegriff der Flaute
Laut der aktuellen Ifo-Umfrage berichten 45,7 Prozent der Selbständigen von Auftragsmangel. Fast ein Fünftel der Solo-Selbständigen und Kleinstunternehmen, genau 19,5 Prozent, sieht sogar die eigene Existenz bedroht. In der Gesamtwirtschaft sind es 6,7 Prozent. Der Wert ist also fast dreimal so hoch.
„Sowohl Firmen als auch Privatkunden halten sich zurück. Das trifft die Selbständigen besonders.“
So fasst es Ifo-Forscherin Katrin Demmelhuber zusammen. Eine spürbare Belebung lasse weiter auf sich warten, fügte sie hinzu. Der Jimdo-Ifo-Geschäftsklimaindex für Selbständige kam im Oktober kaum vom Fleck: Er stieg von minus 18,8 auf minus 18,6 Punkte. Von einer Wende kann da keine Rede sein. Ausgerechnet die kleinen Betriebe, das Rückgrat von Leistung und Eigenverantwortung, bekommen die Flaute zuerst zu spüren.
Das „vierte Wachstumsquartal“ – ein Erfolg auf dem Papier?
Am 30. Oktober veröffentlichte das Statistische Bundesamt seine Schnellschätzung. Danach wuchs das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal 2026 um 0,2 Prozent zum Vorquartal. Destatis sprach vom vierten Wachstumsquartal in Folge, nach plus 0,4 Prozent im ersten und plus 0,3 Prozent im zweiten Quartal. Das sei etwas besser als von vielen Ökonomen und der Bundesbank erwartet.
Die Herbstprojektion der Bundesregierung und der Internationale Währungsfonds rechnen für 2026 mit 1,3 Prozent Wachstum, für 2027 mit 1,1 Prozent. Klingt ordentlich. Aber wer trägt dieses Wachstum eigentlich?
Die Antwort der Ă–konomen ist ernĂĽchternd
Nach übereinstimmender Einschätzung zahlreicher Analysten, unter anderem von Commerzbank, DIW und Bethmann Bank, steht die Erholung vor allem auf den schuldenfinanzierten Milliarden für Infrastruktur und Verteidigung. Private Investitionen seien zurückgegangen, die Exporte hätten sich merklich abgeschwächt, der Konsum habe nur leicht zugelegt. Das DIW formulierte es so: Der Aufschwung stehe „bislang nur auf einem Bein – dem Staat“. Die Bethmann Bank ging noch weiter: Ohne den „künstlich initiierten Impuls“ hätte die Wirtschaftsleistung wohl stagniert.
Genaue Zahlen zum Anteil der Staatsausgaben fehlen allerdings noch. Die detaillierte Verwendungsrechnung legt Destatis erst am 25. November vor.
Industrie: Revision kassiert den Jubel
Auch die Industriedaten verlieren bei näherem Hinsehen an Glanz. Für September meldete Destatis am 6. November ein Produktionsplus von 0,7 Prozent zum Vormonat. Gleichzeitig wurde der August-Wert von plus 2,0 auf plus 1,0 Prozent halbiert. Im Dreimonatsvergleich lag die Produktion im dritten Quartal sogar 0,4 Prozent unter dem zweiten Quartal. Medienberichten zufolge kam der Schub vor allem aus der Autoindustrie, während Bau und Maschinenbau schwächelten.
Der Einkaufsmanagerindex von S&P Global für die Industrie stieg im Oktober zwar auf 54,2 Punkte. Als Stütze nennt S&P aber ausdrücklich auch Aufträge mit Staatsbezug.
Die Rechnung kommt später
Hier liegt der Kern des Problems. Kanzler Friedrich Merz hatte im Wahlkampf solide Finanzen versprochen. Dann kamen das 500-Milliarden-Sondervermögen und die Lockerung der Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben. Kritiker sehen darin ein Strohfeuer: Wachstum, das der Staat mit geliehenem Geld selbst einkauft, ersetzt keine gesunde Privatwirtschaft. Zurückzahlen müssen es die Bürger, über Steuern, Abgaben und eine schleichende Entwertung ihres Ersparten.
Versprochen wurde ein „Herbst der Reformen“, doch echte Strukturreformen bei Bürokratie, Energiepreisen und Abgabenlast lassen weiter auf sich warten. Solange das so bleibt, dürfte das Vertrauen von Unternehmern und Sparern kaum zurückkehren. Wer sein Vermögen vor den Folgen wachsender Staatsschulden schützen will, setzt deshalb oft auf Werte, die keine Regierung beliebig vermehren kann. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio eine sinnvolle Ergänzung sein.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger sollte eigenständig recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen selbst die Verantwortung.
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