
Wasser-Attacke im Wahlkampf: Linken-Kandidatin übergießt Zuschauer

Vier Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sorgt ein Wahlforum in Halle für Schlagzeilen. Bei der Diskussionsrunde im Gesundheitszentrum Silberhöhe soll die Linken-Direktkandidatin Wenke Marie Dargel am Dienstagabend einem Zuschauer einen Becher Wasser über den Kopf geschüttet haben. Auslöser war Medienberichten zufolge eine Geste aus dem Publikum – ein zugeworfener Luftkuss.
Der Becher, der Kuss und der Ausraster
Dargel kandidiert für die Linke im Wahlkreis Halle IV. Nach ihrer eigenen Darstellung wollte sie ein Zeichen setzen. In einem Video, das der berichtenden Redaktion vorliegt, ist sie mit den Worten zu hören:
„Das mit dem Wasser hätte ich vielleicht nicht tun sollen.“
Sie habe eine Grenze ziehen wollen, erklärte die Kandidatin demnach weiter. Auf einer Podiumsdiskussion, bei der es um Inhalte gehe, sei ein zugeworfenes Küsschen unangenehm. Für das Wasser entschuldige sie sich – „aber mehr nicht“.
Ein Augenzeuge schildert die Sekunden davor
Als Zeuge tritt ausgerechnet der politische Gegner auf: AfD-Direktkandidat Paul Backmund saß mit auf dem Podium. Kurz vor dem Zwischenfall habe es zwischen ihm und Dargel eine hitzige Debatte über seine Partei gegeben, schildert er dem Bericht zufolge. Die umstrittene Geste selbst habe er nicht gesehen.
Dann sei Dargel mit dem Becher in der Hand aufgestanden. Er habe zunächst geglaubt, es gehe gegen ihn. Stattdessen sei sie auf den Zuschauer zugegangen und habe das Wasser über ihm ausgeleert – begleitet von der Frage, was das solle. Anschließend sei sie sichtlich erregt an ihren Platz zurückgekehrt. Immerhin: Eine Entschuldigung habe es gegeben.
„Ein dickes Fell“ – und die Frage nach dem Maßstab
Backmunds Bewertung fällt trocken aus. Politiker müssten ein dickes Fell haben, wird er zitiert; wer das Volk vertreten wolle, müsse aushalten, dass nicht jeder derselben Meinung sei. Er sprach zudem von Anfeindungen gegen Parteifreunde, darunter mutmaßliche Brandanschläge auf Wohnhäuser und Fahrzeuge sowie die Veröffentlichung privater Adressen. Bei dem übergossenen Zuschauer soll es sich dem Vernehmen nach um einen AfD-Anhänger handeln. Eine Anfrage an Dargel, die sich nach eigener Darstellung für Kinderrechte engagiert, blieb den Angaben zufolge zunächst unbeantwortet.
Aus Sicht unserer Redaktion legt der Vorfall einen wunden Punkt der politischen Kultur frei: Wer selbst permanent Zivilität einfordert, wird an genau diesem Maßstab gemessen. Ein Luftkuss mag albern und respektlos sein. Ein Becher Wasser als Antwort ist keine Debatte, sondern ein Übergriff auf einen Bürger, der im Publikum sitzt.
Nervosität kurz vor dem 6. September
Der Zeitpunkt ist brisant. Am 6. September wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag – und die Umfragen zeichnen ein historisches Bild. Laut Wahltrend-Auswertungen vom 2. September liegt die AfD bei rund 42 Prozent, die CDU bei etwa 22 Prozent, die Linke bei rund 12 Prozent. Zum Vergleich: 2021 kam die AfD im Land auf 20,8 Prozent.
Der Nervositätspegel in den Wahlkampfhallen dürfte entsprechend hoch sein. Genau deshalb wirken solche Bilder fatal: Sie ersetzen Argumente durch Emotion – und liefern dem politischen Gegner die beste Wahlkampfhilfe frei Haus.

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