
Zwei Tage vor der Berlin-Wahl: 801 zerstörte AfD-Plakate

In Berlin eskaliert der Wahlkampf-Vandalismus. Seit Anfang August registrierte die Polizei mindestens 1.252 beschädigte Wahlplakate – 801 davon gehörten der AfD. Das sind rund 64 Prozent aller erfassten Fälle. Am Sonntag, dem 20. September 2026, wählt die Hauptstadt ein neues Abgeordnetenhaus.
Treptow-Köpenick als Brennpunkt
Die Statistik der Berliner Polizei, über die mehrere Medien berichten, zeichnet ein eindeutiges Bild. Allein in Treptow-Köpenick zählten die Beamten 282 zerstörte AfD-Plakate, in Friedrichshain-Kreuzberg 155, in Neukölln 91.
Auf Platz zwei der Schadensliste folgt mit weitem Abstand die CDU mit 148 beschädigten Plakaten. Dahinter rangieren parteilose Kandidaten (102), die Linkspartei (95) und die SPD (88).
Und das sind nur die Fälle, die überhaupt aktenkundig wurden. Die Polizei selbst weist darauf hin, dass ausschließlich die ihr bekannt gewordenen Vorfälle erfasst seien – die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.
Wenn Papier nicht mehr reicht: Angriffe auf Menschen
Beunruhigender als zerrissene Pappe sind die Attacken auf Personen. 39 Fälle gegen Wahlkämpfer und Parteimitglieder verzeichnete die Polizei seit Anfang August – von Beleidigungen über Einschüchterungen bis zu körperlichen Übergriffen.
In 18 dieser Fälle traf es AfD-Mitglieder oder deren Wahlhelfer. Jeweils acht Vorfälle richteten sich gegen Vertreter von Grünen und Linkspartei, drei gegen die SPD, je einer gegen CDU und BSW.
Am Dienstag soll ein Angreifer in der Gropiusstadt einen 40-jährigen AfD-Abgeordneten zunächst verbal attackiert, dann einen Aufsteller umgeworfen und den Politiker geschubst haben. Der Täter flüchtete. Am Mittwoch soll ein 32-jähriger Radfahrer in Reinickendorf einen 61-jährigen Wahlkämpfer zur Seite gestoßen und Infomaterial auf den nassen Boden geworfen haben – beim Festhalten durch einen Zeugen habe er den Mann laut Polizeiangaben mit dem Fahrrad am Bein verletzt. Der Staatsschutz ermittelt. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Neun Angriffe auf Parteieinrichtungen
Auch bei Straftaten gegen Parteibüros und Infostände liegt die AfD vorn: Von 16 seit dem 2. August registrierten Fällen betrafen neun Einrichtungen dieser Partei, sechs davon erneut in Treptow-Köpenick. Die SPD war dreimal betroffen, Grüne und FDP je zweimal.
Vergleichszahlen aus früheren Berliner Wahlkämpfen lagen zunächst nicht vor. Klar ist nur: Die Vorfälle häufen sich seit Wochen, mehrere Plakate wurden Medienberichten zufolge sogar angezündet.
Ein Lackmustest fĂĽr die Demokratie
Aus Sicht unserer Redaktion ist das mehr als ein Ärgernis für Plakatierer. Wer die Werbung einer zugelassenen Partei systematisch aus dem Straßenbild entfernt, greift nicht bloß fremdes Eigentum an – er beschädigt den offenen Wettbewerb der Ideen, von dem eine Demokratie lebt.
Das Rennen ist denkbar eng: Aktuelle Umfragen sehen die Linke bei rund 21 Prozent, dicht gefolgt von CDU, Grünen und AfD. Gerade in einer solchen Lage wäre von allen politischen Lagern ein unmissverständliches Signal zu erwarten – Gewalt und Sachbeschädigung dürfen kein akzeptiertes Mittel der politischen Auseinandersetzung sein, gegen welche Partei auch immer sie sich richten.
Bleibt die unbequeme Frage: Wie glaubwĂĽrdig ist ein Bekenntnis zur Demokratie, das an der ersten Laterne endet?
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