
Audi geht nach Georgia: Milliarden für die USA, Sparkurs für Ingolstadt!
Audi baut sein erstes eigenes Werk in den USA. Rund vier Milliarden US-Dollar will die Volkswagen-Tochter nahe Macon im Bundesstaat Georgia investieren, verkündet hat das US-Präsident Donald Trump am Samstag auf einer Wahlkampfbühne. Es entstehen 4.500 neue Jobs, allerdings nicht in Deutschland.
Die Nachricht kommt nur wenige Wochen, nachdem der Ingolstädter Autobauer an seinen deutschen Standorten den nächsten Sparkurs eingeläutet hat. Ein Zufall ist das nicht. Es zeigt, wohin das Kapital heute fließt.
Trumps Bühne, Döllners Dank
Die Inszenierung passte. Kurz vor den US-Kongresswahlen präsentierte Trump die Investition als Erfolg seiner Wirtschaftspolitik. Audi-Chef Gernot Döllner war eigens angereist und bedankte sich auf der Bühne beim Präsidenten für dessen Unterstützung. In einer Unternehmensmitteilung erklärte er:
„Wir wollen in den USA dauerhaft wachsen.“
Die Pläne sind ehrgeizig. Ab 2027 sollen die Bauvorbereitungen beginnen, 2031 soll die volle Produktion laufen. Bis zu 200.000 Fahrzeuge jährlich sind vorgesehen, vor allem große SUVs für den nordamerikanischen Markt. Bislang importiert Audi Medienberichten zufolge sämtliche Fahrzeuge in die USA und zahlt dafür hohe Zölle. Washingtons Zollpolitik wirkt also so, wie sie gedacht war: Wer in Amerika verkaufen will, soll dort auch bauen.
Daheim regiert der Rotstift
In Deutschland sieht es ganz anders aus. Schon im März 2025 einigte sich Audi mit den Arbeitnehmervertretern darauf, bis Ende 2029 bis zu 7.500 Stellen in Ingolstadt und Neckarsulm abzubauen. Dabei bleibt es wohl nicht.
Anfang Oktober kündigte Döllner an, die sogenannte Schlechtwetterklausel der bestehenden Zukunftsvereinbarung ziehen zu wollen. Das Unternehmen kann damit wegen der verschlechterten Rahmenbedingungen neu über Einsparungen verhandeln, und das schließt weiteren Stellenabbau ausdrücklich nicht aus.
Zittern in Neckarsulm
Am stärksten betroffen ist Neckarsulm mit rund 15.000 Beschäftigten. Das Werk ist schon heute nicht ausgelastet: 2025 liefen dort etwa 181.000 Autos vom Band, möglich wären rund 225.000. Der Volkswagen-Konzern fordert weitere Kostensenkungen. Eine gesicherte Modellbelegung über 2034 hinaus gibt es bislang nicht. Für eine ganze Region ist das eine schwere Last.
Gewinn ja, Standort nein
Dabei verdient Audi weiterhin Geld. Im ersten Halbjahr 2026 lag der operative Gewinn bei rund 1,1 Milliarden Euro und damit leicht über dem Vorjahr. Der Umsatz sank allerdings um gut zehn Prozent auf 29,2 Milliarden Euro, die Marge lag bei mageren 3,8 Prozent.
Warum also Georgia statt Neckarsulm? Hohe Arbeitskosten, teure Energie sowie Steuern und Abgaben, die den Standort kaum noch wettbewerbsfähig machen. Nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie liegen die Lohnstückkosten im deutschen verarbeitenden Gewerbe rund 15 Prozent über dem Schnitt der übrigen Euro-Länder. Auch beim Strompreis gehört Deutschland international zur teuren Spitze.
Die ganze Branche schaut über den Atlantik
Audi ist kein Einzelfall. Die Muster bei der Konkurrenz ähneln sich:
- BMW kündigte im Juli den Abbau von bis zu 8.000 Stellen weltweit an, vor allem in Deutschland. Zugleich hat der Konzern ein Investitionsprogramm über 1,7 Milliarden Dollar für seine US-Werke abgeschlossen.
- Mercedes-Benz baut hierzulande weiter Personal ab und will gleichzeitig rund vier Milliarden Dollar in sein Werk in Alabama stecken.
Für die Regierung Merz ist das ein schlechtes Zeugnis. Viel war von Entlastung und einer Wirtschaftswende die Rede. Unterdessen verlagert die wichtigste Industrie des Landes ihr Wachstum ins Ausland, Werk für Werk. Kritiker sehen darin die Folge einer Politik, die Energiewende, Bürokratie und Abgabenlast über die Wettbewerbsfähigkeit gestellt habe. Wenn selbst ein profitabler Premiumhersteller die Zukunft lieber in Georgia als in Baden-Württemberg plant, muss das in Berlin als Warnung verstanden werden.
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