
Aufstehen für die Weltrevolution? Antifa verschläft den AfD-Parteitag in Erfurt

Es ist eine Szene, die man sich nicht besser hätte ausdenken können. Zehntausende linke Aktivisten karren sich in der Nacht nach Erfurt, ausgerüstet mit dem festen Vorsatz, den Bundesparteitag der AfD durch massive Straßenblockaden im Keim zu ersticken. Der große Tag der selbsternannten Demokratieretter. Und dann? Kommt alles ganz anders. Denn während die Blockierer noch ihre Transparente entrollen, sitzen die AfD-Delegierten längst warm und trocken in der Messehalle. Der Wecker, so scheint es, hat auf der linken Seite des politischen Spektrums nicht geklingelt.
Der frühe Vogel schlägt die Blockade
Die Rechnung der Aktivisten war denkbar simpel: In den frühen Morgenstunden Straßen dichtmachen, die Anreise verhindern, den Parteitag platzen lassen. Ein Plan, so durchschaubar wie durchsichtig. Doch die AfD reagierte mit einer Strategie, für die man wahrlich kein politologisches Genie sein muss – sie reiste einfach früher an. Bereits um zwei Uhr nachts brachte die Partei ihre Delegierten zum Veranstaltungsort. Als die Blockierer sich in Position brachten, war der Zug längst abgefahren.
An der Ecke Brühler Herrenberg und Sonnenweg musste ein Wortführer der Blockade-Einheit seinen Mitstreitern schließlich die bittere Wahrheit per Megafon verkünden. Über 500 Delegierte seien bereits in der Halle, der Parteitag stehe kurz vor dem Beginn. Seine Einschätzung der Lage fiel schonungslos aus – die Aktion sei gescheitert. Die Reaktion der versammelten Menge? Laute Buh-Rufe. Enttäuschung, die sich Bahn brach wie bei Kindern, denen man das Spielzeug weggenommen hat.
Die Kunst der schöngeredeten Niederlage
Was dann folgte, war ein rhetorisches Meisterstück in Sachen Selbstberuhigung. Um die enttäuschte Menge zu besänftigen, lieferte der Wortführer flugs eine Deutung nach, die aus der bitteren Pleite noch einen Triumph zaubern sollte. Man müsse doch nur sehen, dass die AfD schon um zwei Uhr nachts ihre Leute in die Halle geschafft habe – viel früher, als die Blockierer selbst gestartet seien.
„Ihnen war klar: Unter normalen Bedingungen haben sie keine Chance." – so die kühne Interpretation des Wortführers, der die eigene Niederlage kurzerhand zum Beweis der eigenen Stärke umdeutete.
Die Delegierten, so hieß es weiter, seien nun ja „totmüde", weil sie mitten in der Nacht hätten anreisen müssen. Eine Argumentation, die man nur bewundern kann: Man hat verloren, aber der Gegner ist müde – also hat man eigentlich gewonnen. Die Menge jedenfalls schluckte den Trost bereitwillig, applaudierte und klopfte sich gegenseitig auf die Schultern. Der „Kampf gegen den Faschismus" werde eben nicht an einem einzigen Tag entschieden, sondern in langfristiger Mobilisierung. Ein Satz, den man immer dann parat hat, wenn die kurzfristige Aktion krachend gescheitert ist.
Wenn der Gegner zum „Schwein" wird
Bemerkenswert ist die Wortwahl. Die demokratisch gewählten Delegierten einer im Bundestag vertretenen Partei wurden vom Wortführer als „Schweine" tituliert. Man stelle sich für einen kurzen Moment das Gegenteil vor: Ein bürgerlich-konservatives Bündnis bezeichnet die Delegierten eines Parteitags der Linken als „Schweine". Der mediale Aufschrei wäre ohrenbetäubend, Verbotsforderungen würden im Minutentakt eintrudeln, die Talkshows liefen heiß. Doch wenn es aus der anderen Richtung kommt, herrscht bemerkenswerte Stille. Diese Doppelmoral ist längst zum traurigen Markenzeichen einer Debattenkultur geworden, die vorgibt, für die Demokratie zu kämpfen, dabei aber deren Grundprinzipien mit Füßen tritt.
Ein aufgeblähter Apparat und seine Grenzen
Man muss sich vor Augen führen, welcher gewaltige logistische Aufwand hier betrieben wurde. Zehntausende Menschen, aus dem ganzen Land herangeschafft, um eine einzige demokratische Veranstaltung zu verhindern. Wer finanziert eigentlich diese Mobilisierungsmaschinerie? Wer bezahlt die Busse, die Transparente, die endlose Choreografie der Empörung? Es sind Fragen, die man stellen darf, ohne gleich in eine Schublade gesteckt zu werden. Denn während man in diesem Land über jeden Cent für innere Sicherheit und funktionierende Infrastruktur streitet, scheint für die Verhinderung unliebsamer politischer Meinungen stets genug Geld vorhanden.
Der Wortführer warnte seine Anhänger noch vor einer düsteren Zukunft, in der die politische Rechte „auf der Straße wieder stärker" werde. Die Ironie dabei entgeht ihm offenbar vollständig: Es waren nicht die AfD-Delegierten, die an diesem Morgen Straßen blockierten, Gewalt gegen Journalisten ausübten und sich an Straßenbahngleisen festklebten – ausgerechnet an einem Streckenabschnitt, der ohnehin außer Betrieb war. Es waren jene, die vorgeben, die Demokratie zu verteidigen.
Ein Lehrstück über politische Realität
Was in Erfurt geschah, ist mehr als eine Randnotiz. Es ist ein Sinnbild für den Zustand einer politischen Bewegung, die glaubt, mit Blockaden, Beschimpfungen und dem Ankleben an Gleisen die Uhr zurückdrehen zu können. Doch die politische Landschaft in Deutschland verändert sich, ob es den Blockierern gefällt oder nicht. Immer mehr Bürger stellen sich die Frage, auf wessen Seite die vermeintlich „Guten" eigentlich stehen, wenn diese demokratisch legitimierte Parteitage mit Gewalt verhindern wollen und den politischen Gegner entmenschlichen.
Die alte deutsche Weisheit vom frühen Vogel, der den Wurm fängt, hat an diesem Morgen eine ganz neue Aktualität erhalten. Und vielleicht liegt in dieser kleinen Episode eine größere Wahrheit verborgen: Wer glaubt, den politischen Wettbewerb durch das Verhindern von Debatten gewinnen zu können, hat das Wesen der Demokratie nicht verstanden. Meinungen bekämpft man mit Argumenten, nicht mit Blockaden – und schon gar nicht, indem man verschläft.

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