
Beben im Merz-Land: AfD zieht in NRW erstmals an der CDU vorbei!

Das hat es im bevölkerungsreichsten Bundesland noch nie gegeben: Wäre am Sonntag Bundestagswahl, läge die AfD in Nordrhein-Westfalen mit 24 Prozent vor der CDU mit 22 Prozent. Das zeigt eine neue Forsa-Umfrage im Auftrag des Kölner Stadt-Anzeigers und weiterer Tageszeitungen aus NRW. Für die Union ist das ein Schlag ins Kontor. Und zwar ausgerechnet in der Heimat von Kanzler Friedrich Merz.
Acht Prozentpunkte in anderthalb Jahren weg
Wie tief der Absturz ist, zeigt der Vergleich mit der Bundestagswahl vom Februar 2025. Damals holte die CDU in NRW noch 30,1 Prozent, die AfD kam auf 16,8 Prozent. Heute steht die Union also gut acht Punkte schlechter da, während die AfD rund sieben Punkte zugelegt hat.
Auch sonst bleibt bei der Bundestagsfrage wenig Grund zur Freude für die Regierungsparteien. Die Grünen kommen auf 18 Prozent, die SPD von Vizekanzler Lars Klingbeil dümpelt bei 14 Prozent. Die Linke erreicht 12 Prozent.
Wüsts Burg bröckelt, aber sie steht noch
Ein anderes Bild ergibt sich, wenn Forsa ausdrücklich nach der Landtagswahl fragt. Dann bleibt die CDU von Ministerpräsident Hendrik Wüst mit 29 Prozent stärkste Kraft, die AfD folgt mit 22 Prozent. Die Grünen liegen bei 18, die SPD bei 14 Prozent. Die Linke würde mit 8 Prozent in den Landtag einziehen. Und die FDP? Die wäre mit mageren 3 Prozent draußen.
Beruhigend ist das für Wüst trotzdem nicht. Im April lag seine CDU noch bei 32 Prozent, die AfD bei 20. Im Juli 2025 stand es sogar 38 zu 16. Binnen gut eines Jahres ist der Vorsprung der Union von 22 auf 7 Prozentpunkte geschrumpft. Das ist kein Ausrutscher mehr. Hier zeichnet sich ein Trend ab.
Rückblick: der Triumph von 2022
Zur Erinnerung: Bei der Landtagswahl 2022 holte die CDU 35,7 Prozent, die AfD kam gerade einmal auf 5,4 Prozent. Seitdem regiert Wüst mit den Grünen. Nach den aktuellen Zahlen hätte Schwarz-Grün Medienberichten zufolge zwar weiter eine Mehrheit. Doch das Polster wird sichtlich dünner.
Der Countdown läuft: Wahltag im April 2027
Viel Zeit bleibt nicht mehr. Die Landesregierung hat den 25. April 2027 als Wahltag festgesetzt. Erstmals dürfen dann auch 16- und 17-Jährige abstimmen. Offiziellen Angaben zufolge steigt dadurch die Zahl der Wahlberechtigten um rund 300.000 auf etwa 12,9 Millionen.
Mitten in diese Stimmung platzte Wüst Anfang September mit einem Vorstoß. Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt forderte er eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe, die den Umgang mit der AfD prüfen solle. Ein Verbot sei dabei eine mögliche Folge. Medienberichten zufolge erklärte er:
"Diese Prüfung muss ergebnisoffen sein und alle möglichen rechtlichen Folgen berücksichtigen - nicht nur ein Verbotsverfahren."
Zugleich habe er vor „Schnellschüssen“ gewarnt. Kritiker halten dagegen: Wer über Verbotsprüfungen redet, statt den Wählern bessere Politik anzubieten, liefere der Konkurrenz nur neue Argumente.
Die Quittung kommt aus Berlin
Dass der Abwärtstrend vor allem ein Berliner Problem ist, verrät schon die Lücke zwischen Bundes- und Landesfrage. Beobachter sehen die Ursache vor allem in der Bilanz der schwarz-roten Koalition. Merz hatte im Wahlkampf solide Finanzen versprochen. Geliefert hat er ein 500-Milliarden-Sondervermögen auf Pump, das nach Ansicht von Kritikern künftige Generationen über Steuern und Abgaben abstottern müssen.
Dazu kommen eine schwächelnde Wirtschaft und die Sorge vieler Bürger um die innere Sicherheit. Für viele Wähler wirkt der Politikwechsel, den die Union versprochen hatte, bislang wie ein leeres Versprechen. Das Vertrauen schmilzt, und zwar dort, wo die CDU es sich am wenigsten leisten kann.
Bis April sind es noch sieben Monate. Wüst wird hoffen, dass sich die Wähler an der Urne zwischen Düsseldorf und Berlin unterscheiden. Ob diese Rechnung aufgeht, dürfte weniger in der Staatskanzlei entschieden werden als im Kanzleramt.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











