
Berlin spielt plötzlich Verteidiger: Wie der Bund die Commerzbank vor den Italienern abschirmt

Es ist ein bemerkenswertes Schauspiel, das sich derzeit zwischen Berlin, Frankfurt und Mailand abspielt. Die Bundesregierung, die sonst gerne deutsche Schlüsselindustrien dem freien Spiel der Märkte überlässt, entdeckt nun ausgerechnet bei der Commerzbank ihre patriotische Ader. Plötzlich, so heißt es aus Regierungskreisen, wolle der Bund seine rund 13-prozentige Beteiligung an dem Frankfurter Geldhaus partout nicht abgeben. Der Ton gegenüber Unicredit-Chef Andrea Orcel und dessen Übernahmeambitionen werde, so vernimmt man, deutlich schärfer.
Ein strategischer Riegel statt offener Tür
Der Bund ist zweitgrößter Anteilseigner der Commerzbank – und genau diese Position wird nun zur Waffe. Solange Berlin seine Anteile festhalte, hieß es, seien die Pläne der Unicredit, das Institut von der Börse zu nehmen, in der bestehenden Struktur kaum durchführbar. Ein sogenanntes De-Listing oder ein Squeeze-out ließen sich praktisch nicht realisieren.
Ein De-Listing oder ein Squeeze-out sind kaum möglich, solange der Bund seine Anteile an der Commerzbank hält.
Was sich hinter diesen technischen Begriffen verbirgt, ist durchaus brisant. Bei einem Squeeze-out würden die verbliebenen Aktionäre gegen eine Zwangsabfindung schlicht aus dem Unternehmen gedrängt. Möglich ist dies in Deutschland nach einer Übernahme, sobald ein Erwerber mindestens 90 Prozent der Anteile kontrolliert. Der Alleineigentümer könnte anschließend nach Belieben durchregieren. Mit einem Bund, der seine 13 Prozent eisern hält, bleibt diese Schwelle für Orcel jedoch unerreichbar.
Der italienische Vorstoß rollt weiter
Dass die Unicredit derweil keineswegs locker lässt, zeigt die nüchterne Faktenlage. Die Mailänder haben sich nach eigenen Angaben bereits fast 40 Prozent an der Commerzbank gesichert und ihren Anteil im Übernahmekampf auf über 39 Prozent geschraubt. Der Appetit der Italiener ist also gewaltig – und Berlin reagiert nun mit der einzigen Karte, die es noch in der Hand hält.
Man muss kein Zyniker sein, um die Ironie dieser Episode zu erkennen. Während die deutsche Politik in den vergangenen Jahren bei zahllosen Übernahmen heimischer Unternehmen tatenlos zusah und ganze Branchen ins Ausland abwandern ließ, entdeckt man plötzlich bei einer einzigen Bank den Wert nationaler Souveränität. Wo war diese Entschlossenheit, als es um den industriellen Kern unseres Landes ging? Es ist ein Großteil der deutschen Bürger, der sich seit Langem fragt, warum die eigene Regierung so oft erst dann erwacht, wenn es schon fast zu spät ist.
Was bleibt vom Bankenstandort Deutschland?
Die EU-Kommission drängt unterdessen auf grenzüberschreitende Bankenfusionen, und auch andere ausländische Häuser wie die spanische BBVA weiten ihren Angriff auf den deutschen Retail-Markt aus. Der Kampf um die Commerzbank ist damit weit mehr als ein Streit zweier Konzerne. Er ist ein Symptom für die Frage, wie wenig vom einstigen Bankenstandort Deutschland eigentlich noch übrig bleiben soll. Berlin mauert nun – ob aus echter strategischer Weitsicht oder bloß aus politischer Reflexbewegung, mag jeder selbst beurteilen.
Die zeitlose Lehre für den Anleger
Wer dieses Gerangel beobachtet, dem führt es eine alte Wahrheit vor Augen: Aktienbeteiligungen sind stets Spielball politischer Interessen, fremder Übernahmestrategien und regulatorischer Launen. Ein Aktionär der Commerzbank weiß heute nicht, ob ihm morgen seine Papiere per Zwangsabfindung aus der Hand genommen werden. Physisches Gold und Silber dagegen kennen weder Squeeze-out noch feindliche Übernahme. Sie liegen im Tresor, unabhängig von Vorstandsbeschlüssen und Regierungslaunen – ein bewährter Anker zur Vermögenssicherung und sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Portefeuille.
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