
Berlins Wohnungs-Roulette: Erst verkauft, jetzt enteignet – wer zahlt?

Berlin hat gewählt, und die Linke hat gewonnen. Bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 kam sie mit 25,7 Prozent erstmals auf Platz eins. Ihr Zugpferd war das Versprechen, rund 220.000 Wohnungen großer privater Konzerne zu vergesellschaften. Ein Rückblick zeigt allerdings, dass ausgerechnet ihre Vorgängerpartei einst Tausende landeseigene Wohnungen an Investoren verkauft hat.
Als die Sozialisten Kasse machten
Ein Gastbeitrag in der „Berliner Zeitung“ hat diese Vorgeschichte jetzt ausgegraben. Geschrieben hat ihn ein Berliner Wirtschaftsanwalt, der viele Jahre für die Senatsverwaltungen für Wirtschaft und Finanzen gearbeitet hat. Im Jahr 2004 war die Hauptstadt wieder einmal pleite. Der Bankenskandal von 2001 hatte ein riesiges Loch in den Haushalt gerissen, und zehntausende Wohnungen mussten saniert werden.
Der rot-rote Senat verkaufte deshalb die landeseigene GSW für 405 Millionen Euro. Der Käufer übernahm außerdem Schulden von 1,56 Milliarden Euro. Der damalige PDS-Generalsekretär Dietmar Bartsch soll den Deal als „progressive Entstaatlichung“ bezeichnet haben. Drei Jahre später ging auch der Gewerbehof-Betreiber GSG weg, für rund 400 Millionen Euro an die Orco Property Group und einen Immobilienfonds von Morgan Stanley. Den Verkauf verhandelte der damalige Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS).
Die „politische Mathematik“
Der Autor erklärt das mit einer Rechnung, die er „politische Mathematik“ nennt. Bleibt eine Firma im Landesbesitz, fällt das kaum jemandem auf. Bringt ein Verkauf dagegen Hunderte Millionen in die Kasse, kann die Politik damit Förderprogramme bezahlen, und jeder Förderbescheid wirkt wie Wahlwerbung. Aus Sicht des Autors haben Parteien von der Linken bis zur CDU gelernt, aus Immobilien Wählerstimmen zu machen.
Er beschreibt außerdem, wie die städtischen Wohnungsbaugesellschaften mit Sonderwünschen überhäuft würden. Genannt werden Skaterbahnen, Fahrradgaragen, Fassadenbegrünung mit „klimaresilienten Pflanzen“ und Holz-Lehm-Projekte. Weil das Land kein Geld hat und die Mieten niedrig bleiben sollen, bleibt am Ende nur ein Weg: neue Schulden.
Über 20 Milliarden Euro außerhalb des Haushalts
Laut Berliner Rechnungshof haben sich die Kredite der landeseigenen Gesellschaften mehr als verdoppelt. Sie stiegen von rund neun Milliarden Euro im Jahr 2015 auf über 19 Milliarden Euro im Jahr 2022. Inzwischen sollen es deutlich mehr als 20 Milliarden sein. Dazu kamen die Kosten für den Neubau von Flüchtlingsunterkünften.
Der Trick dabei: Die Gesellschaften gehören zwar komplett dem Land, gelten bilanziell aber als privatrechtliche Unternehmen. Ihre Schulden tauchen deshalb in den rund 66 Milliarden Euro Landesschulden gar nicht auf. Die AfD spricht von einem Schattenhaushalt, und der Autor gibt ihr in diesem Punkt recht.
Enteignung schafft keine einzige Wohnung
Für die Linke ist der günstigste Fall eine Entschädigung von nur acht Milliarden Euro. Nach den Geschäftsberichten der Konzerne sind die Wohnungen aber rund 42 Milliarden Euro wert. Der Rechnungshof hat mit Annahmen gerechnet, die für die Linke eher günstig sind. Trotzdem kommt er zu dem Ergebnis, dass Schulden, Zinslast und sogar die Mieten steigen würden. Für dieses Geld entstünde keine einzige neue Wohnung.
Dazu kommt die Regulierung. Berlin hat inzwischen 82 soziale Erhaltungsgebiete. Dort kann ein Bezirksamt schon den Einbau einer Dusche, eines Aufzugs oder von Isolierglasfenstern als Luxussanierung einstufen. Selbst Investoren, die bauen wollen, kommen deshalb immer öfter zum Schluss, dass es sich nicht rechnet. Am härtesten trifft das laut dem Beitrag Geringverdiener, die zu viel verdienen, um Wohngeld zu bekommen.
Auch die CDU hat ihre Verstaatlichung
Die Christdemokraten kommen in dem Beitrag nicht besser weg. Der Autor hält ihre Empörung für scheinheilig. Der Senat unter Kai Wegner (CDU) kaufte 2023 das Berliner Fernwärmenetz von Vattenfall zurück und nannte das Rekommunalisierung.
Wer in der Hauptstadt Wohneigentum besitzt, muss deshalb mit wechselnden politischen Mehrheiten rechnen. Für Sparer ist das ein Grund, ihr Vermögen nicht nur in einer Anlageklasse zu halten. Physisches Gold und Silber kann man nicht per Volksentscheid vergesellschaften. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio können Edelmetalle deshalb sinnvoll sein.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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