
Diesel-Schock aus Washington: Trump droht Europa den Hahn zuzudrehen!

US-Präsident Donald Trump denkt nach eigenen Worten „sehr ernsthaft“ über ein Exportverbot für Diesel nach. Das sagte er am Sonntag am Rande des Presidents Cup, eines Golfturniers in Illinois, einem Reporter von Fox News. Für Europa klingt das wie eine Drohung, denn fast jeder zweite Liter importierter Diesel kommt derzeit aus den USA.
Man werde es womöglich tun, so Trump. Er räumte zugleich ein, ein solcher Schritt könne den Benzinpreis für Autofahrer etwas nach oben treiben. Gemeint ist damit der Preis in Amerika.
Wahlkampf an der Zapfsäule
Hinter dem Vorstoß steckt vor allem Innenpolitik. Im November stehen in den USA die Midterms an, und die Preise an den Tankstellen setzen die Republikaner unter Druck. Laut dem Automobilclub AAA kostete eine Gallone Diesel am Freitag im Schnitt rund 6,50 Dollar. Der Rekord vom 22. September lag bei 6,53 Dollar.
Besonders hart trifft das die Farmer, also jene Wähler, auf die Trump bisher zählen konnte. Traktoren, Mähdrescher und Lkw fahren mit Diesel. Auch aus Washington kommen allerdings unterschiedliche Signale: Energieminister Chris Wright sprach von Beschränkungen statt eines kompletten Stopps. Politico berichtete, die Regierung arbeite an einem Verbot für 90 Tage. Das Weiße Haus soll diesen Bericht Medienberichten zufolge dementiert haben.
Warum der Plan nach hinten losgehen könnte
Die USA exportieren mehr Diesel als jedes andere Land der Welt. Seit weniger Ware aus Russland und dem Nahen Osten kommt, sind sie für viele Abnehmer der wichtigste Ausweichlieferant. Die Rohstoffstrategen von Morgan Stanley erwarten in einer Analyse zwar, dass die Preise in den USA zunächst sinken würden. Weltweit würde Diesel aber teurer, und über die Auslastung der Raffinerien könnte sich am Ende sogar das US-Benzin verteuern.
Auch die Ölbranche selbst ist dagegen. API-Chef Mike Sommers vom Lobbyverband American Petroleum Institute erklärte, Exportbeschränkungen würden das Problem nur verschärfen und am Ende den Verbrauchern schaden. Die Lösung seien mehr Angebot und mehr Flexibilität.
Europa sitzt in der Energiefalle
Die Folgen für Europa wären erheblich. Benedict George vom Preisdienst Argus Media rechnet damit, dass Dieselpreise und Aufschläge gegenüber Rohöl in Europa ein „beispielloses Niveau“ erreichen würden, falls die USA ihre Exporte beschränken. Einer Auswertung von Kommissionsdaten zufolge kostete Diesel im EU-Schnitt schon zuletzt den Rekordwert von 2,23 Euro je Liter.
Die EU-Kommission nannte den Plan eine „schlechte Idee“, die beiden Seiten schaden könne. Das ist bemerkenswert: Brüssel hat jahrelang über Klimaziele und Verbrenner-Aus gestritten, aber kaum dafür gesorgt, dass Europa bei Kraftstoffen versorgungssicher bleibt. Nun hängt der Kontinent davon ab, wie sich ein US-Präsident im Wahlkampf entscheidet. In Berlin soll ab dem 1. Oktober ein neuer Tankrabatt gelten. Er lindert die Symptome, an der Abhängigkeit ändert er nichts.
Ein Präzedenzfall aus den Siebzigern
Zuletzt haben die USA in der Ölkrise der 1970er-Jahre ihre Rohölexporte weitgehend gestoppt, um die Preise im eigenen Land zu drücken. Heute sind die Gründe andere: der Krieg zwischen den USA und Iran, die teilweise gesperrte Straße von Hormus und ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien. Trump hat Präsident Selenskyj bereits aufgefordert, diese Angriffe einzustellen. Kiew betrachtet die Anlagen dagegen als legitime militärische Ziele.
Keiner weiß, was kommt
Laut George bezweifeln viele europäische Händler, dass es tatsächlich zu Beschränkungen kommt. Falls doch, gehe es wohl um höchstens zwei bis drei Monate. Die Lage ist so unübersichtlich, dass ein Händler nach Georgs Darstellung gar keine Prognosen mehr abgibt, weil er sie für vergebliche Mühe hält.
Für Sparer zeigt der Fall, wie schnell politische Entscheidungen Preise und Kaufkraft verändern können. Wer sich dagegen absichern will, kann physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen in Betracht ziehen. Edelmetalle haben sich über Jahrhunderte als Wertspeicher gehalten, auch in Krisenzeiten.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Informieren Sie sich selbst, bevor Sie Geld anlegen. Für Ihre Anlageentscheidungen sind Sie selbst verantwortlich.
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