
Diesel-Schock mit Ansage: Wie Europa seine Raffinerien wegregulierte

Rekordpreise an der Zapfsäule, leere Tanklager und ein Rettungsangebot aus Moskau, das über Washington eingefädelt wurde. Der spanische Ökonom Daniel Lacalle kommt in einer aktuellen Analyse zu einem harten Urteil: Europas Dieselkrise sei kein Schicksal, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen. Hauptursache sei der jahrelange Abbau der eigenen Raffineriekapazität.
Ein Deal, der Brüssel blamiert
Am 9. Oktober verkündete US-Präsident Donald Trump, Russland werde sofort 300.000 Tonnen Diesel freigeben. Im November sollen 500.000 Tonnen folgen, später eine Million und noch einmal drei Millionen Tonnen, je nachdem, wie es um die Raffinerien steht. Washington erlaubt Geschäfte mit russischem Diesel vorübergehend bis zum 7. April 2027.
Medienberichten zufolge steht Trump wegen der hohen Spritpreise im eigenen Land unter Druck, vor allem bei den Farmern. Aus Kiew kam scharfe Kritik. Wie viel der Deal bringt, bezweifeln Experten: Laut einer viel zitierten Rechnung decken 300.000 Tonnen den US-Bedarf gerade einmal rund 14 Stunden. Lacalle weist außerdem darauf hin, dass es sich bisher nur um Zusagen handle und nicht um bestätigte Lieferungen.
„Über Dieselpreise und das US-russische Abkommen zu klagen, während man gleichzeitig die heimische Raffineriekapazität abbaut und Raffinerien bombardiert, ist nur ein weiteres Beispiel bürokratischer Heuchelei.“
35 Schließungen: der leise Niedergang
Die Zahlen, die der Ökonom anführt, sind deutlich. Seit 2009 hat Europa mehr als ein Fünftel seiner Raffineriekapazität verloren. Ende 2025 gab es in der EU, Großbritannien, Norwegen und der Schweiz noch 72 reguläre Raffinerien mit 625,4 Millionen Tonnen Jahreskapazität. Das sind 167,6 Millionen Tonnen weniger als früher. Der Branchenverband FuelsEurope zählt 35 Schließungen.
Auch nach 2022 ging der Abbau weiter. Zwischen 2024 und 2025 fielen fast 400.000 Barrel pro Tag weg, fünf Anlagen machten in nur zwei Jahren dicht. Mindestens fünf weitere wurden zu Bioraffinerien umgebaut. Lacalle sieht darin keinen gleichwertigen Ersatz. Für ihn war das kein Übergang, sondern ein Sprung ins Leere. Atomkraft und Erdgas lassen grüßen.
Abhängig von anderen Lieferanten
Heute bezieht Europa seine Kraftstoffe verstärkt aus dem Nahen Osten, den USA und Indien. Gleichzeitig ist das Angebot knapp geworden: Laut Internationaler Energieagentur ist die russische Dieselproduktion nach ukrainischen Angriffen um fast 30 Prozent eingebrochen. Dazu kommen der Krieg im Nahen Osten und Störungen in der Straße von Hormus.
Der Staat tankt kräftig mit
Am 21. September kostete Diesel im EU-Schnitt 2,226 Euro pro Liter. Das ist der höchste Wert, seit die EU-Kommission 2005 mit ihrer Statistik begann. Davon gingen 0,861 Euro an den Fiskus, also 38,6 Prozent. Weil die Mehrwertsteuer zusätzlich auf die Verbrauchsteuer erhoben wird, zahlt der Kunde am Ende Steuer auf die Steuer. Nach Schätzungen der EZB machen allein die Raffineriemargen 0,41 Euro pro Liter aus.
Zum Vergleich: Die US-Bundessteuer liegt bei 24,4 Cent pro Gallone. Europäer zahlen laut Lacalle rund 47 Prozent mehr für Diesel und 70 Prozent mehr für Benzin. Strom kostet die Industrie hier mehr als doppelt so viel wie in den USA, Erdgas sogar das Vierfache. Was bedeutet das für Spediteure, Landwirte und Mittelständler, die auf Diesel angewiesen sind? Selbst wenn Rohöl billiger wird, bleiben die festen Abgaben und die knappe Raffineriekapazität.
Ein „Dialog“ statt echter Lösungen
Die EU-Kommission hat inzwischen einen „Raffineriedialog“ angekündigt. Lacalle hält davon wenig: Die ideologische Grundhaltung bleibe dieselbe. Was wirklich helfen würde, fehle: niedrigere Steuern, mehr Investitionen und weniger Vorschriften, die Betreiber bestrafen. Selbst wenn heute umgesteuert würde, könnte es Jahre dauern, bis sich die Lage bessert.
Für Bürger ist die Lehre ernüchternd. Wenn die Politik Versorgungssicherheit für Ziele opfert, die sich gut anhören, tragen Familien und Betriebe die Kosten. Wer sich davor schützen will, kann auf Werte setzen, die von politischen Entscheidungen unabhängig sind. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen eine sinnvolle Absicherung sein.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen allein.
Kostenloses Live-Webinar
Der digitale Euro kommt
Was er für Ihr Erspartes bedeutet und wie Sie jetzt vorsorgen.

DieterBohlen
ErnstWolff
Prof. Dr.Werner
Tom-OliverRegenauer
JochenStaiger
GeraldGrosz
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik













