
Eurobonds-Zoff: Ökonomen zerlegen Brüssels Schulden-Traum

Die Debatte um gemeinsame europäische Schulden ist zurück – und sie spaltet ausgerechnet jene Ökonomen, die sonst als wirtschaftsliberale Verbündete gelten. Nachdem sich der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, für mehr EU-Anleihen ausgesprochen hatte, widersprechen ihm nun zwei prominente Kollegen deutlich. Ihr Befund: Für Deutschland wären Eurobonds ein schlechtes Geschäft.
Der Dollar wackelt – und schon ruft Brüssel nach Schulden
Hüthers Argument klingt auf den ersten Blick verführerisch: Weil das Vertrauen in den US-Dollar bröckele, solle der Euro mithilfe gemeinsamer Anleihen zur ernsthaften Alternative aufgebaut werden. Eine Weltwährung, made in Brüssel.
Der Düsseldorfer Wirtschaftsprofessor Justus Haucap hält davon wenig. Dem "Spiegel" sagte er, der Vertrauensverlust in den Dollar sei zwar offensichtlich, tauge aber nicht als Begründung für neue EU-Schulden. Schon heute begäben die Euroländer reichlich Staatsanleihen – gerade Deutschland biete mit seinen Sondervermögen mehr als genug Anlagematerial für Investoren.
Deutschland zahlt – wieder einmal
Der entscheidende Punkt ist ein rechnerischer. Eurobonds kämen laut Haucap mit Zinsen daher, die aus deutscher Sicht unattraktiv hoch seien. Im Klartext: Die Bundesrepublik, die sich am Kapitalmarkt bislang günstiger refinanziert als der EU-Durchschnitt, zahle am Ende die Zeche – über höhere Zinskosten der EU.
Und dann sei da noch die Logikfalle. Faktisch führten gemeinsame Anleihen zu mehr Verschuldung, so der Ökonom. Ausgerechnet die hohen Schulden der USA gelten aber als wesentlicher Grund für die Dollarschwäche. Dass zusätzliche Schulden bei anhaltender Wachstumsschwäche den Euro zur Leitwährung adeln, bezweifle er stark. Die Katze beiße sich in den Schwanz.
Ifo-Chef Fuest: Erst der Staat, dann die Anleihe
Auch Ifo-Präsident Clemens Fuest ließ dem "Spiegel" gegenüber wenig Begeisterung erkennen:
"Das Ziel, den Euro zur internationalen Leitwährung weiterzuentwickeln, ist für mich keine überzeugende Begründung für mehr gemeinsame europäische Anleihen."
Seine Begründung ist unbequem für Brüsseler Ohren: Die USA seien eine politische Einheit mit militärischer und technologischer Macht – die EU sei das bisher nicht. Erst wenn es so etwas wie eine geopolitisch handlungsfähige EU-Regierung gäbe, könne man über größere gemeinsame Anleihen nachdenken. Politische Integration zuerst, Schulden danach.
820 Milliarden – und die Rechnung kommt erst noch
Der Streit ist alles andere als theoretisch. Mehr als 820 Milliarden Euro an gemeinsamen Anleihen hat die EU in den vergangenen Jahren begeben, vor allem für den Corona-Aufbaufonds "Next Generation EU" – seinerzeit als einmalige Ausnahme verkauft. Ob Brüssel diese Schulden tilgt, dauerhaft durch neue Bonds ersetzt oder das Volumen sogar ausweitet, spaltet die Mitgliedstaaten bis heute.
Berichten zufolge beginnt die Rückzahlung 2028 und soll sich bis 2058 hinziehen; allein die Zinslast wird auf einen dreistelligen Milliardenbetrag geschätzt. Zeitgleich verhandelt die EU über einen Finanzrahmen 2028 bis 2034, für den die Kommission rund zwei Billionen Euro veranschlagt – während Deutschland als größter Nettozahler gemeinsam mit anderen Geberländern auf Kürzungen dringt.
Aus Sicht unserer Redaktion ist das Muster bekannt: Aus der "einmaligen" Notmaßnahme wird ein Dauerinstrument, aus Solidarität eine Vergemeinschaftung von Risiken. Wer Vermögen langfristig sichern will, sollte solche Weichenstellungen sehr genau beobachten – physische Edelmetalle gelten vielen Anlegern seit jeher als bodenständige Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.












