
Frieren nach Plan? Brüssel ruft Europa zum großen Energiesparen auf

Die EU-Kommission fordert die Mitgliedstaaten auf, in den kommenden Monaten gezielt weniger Gas und Strom zu verbrauchen. Energiekommissar Dan Jørgensen wandte sich vor dem informellen Energierat in Dublin, der am 28. und 29. September tagte, schriftlich an die nationalen Minister. Nur vier Jahre nach dem Krisenwinter 2022 steht Europa damit erneut vor der Frage, wie warm die eigenen Wohnzimmer bleiben.
"Außergewöhnlich niedrig": Die Speicher schlagen Alarm
In seinem Schreiben bezeichnet Jørgensen die Speicherstände als „außergewöhnlich niedrig“. Gleichzeitig beteuert er, es gebe „derzeit keine unmittelbaren Risiken für die Versorgungssicherheit“. Wer 2022 miterlebt hat, kennt diesen Tonfall.
Die Zahlen sind ernüchternd. Ende September waren die Gasspeicher der EU nur zu rund 70 Prozent gefüllt. Das sind etwa zwölf Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr und deutlich weniger als im Fünfjahresdurchschnitt. Deutschland und die Niederlande sollen Berichten zufolge zeitweise nur 55 bis 58 Prozent erreicht haben. Der europäische Leitpreis TTF lag bei rund 72 Euro je Megawattstunde. Das sind Medienberichten zufolge etwa 40 Euro mehr als vor der Krise. Öl kostet über 100 Dollar pro Barrel.
Das Spar-Rezept von 2022 kommt zurück
Was Brüssel vorschlägt, ist ein Déjà-vu. Die Maßnahmen sollen freiwillig sein und nach Jørgensens Worten gezielt und zeitlich begrenzt. Sein Katalog umfasst:
- weniger Stromverbrauch in den Abendspitzen, wenn vor allem Gaskraftwerke Strom erzeugen
- mehr Smart Meter und flexible Stromtarife
- eine Temperaturgrenze in öffentlichen Gebäuden
- keine Heizpilze und keine Außenheizungen mehr
- weniger unnötige Straßenbeleuchtung in der Nacht
Außerdem lockert Brüssel die eigenen Regeln. Statt 90 Prozent sollen die Staaten ihre Speicher nur noch zu 80 Prozent füllen, und zwar im Zeitraum vom 1. Oktober bis zum 1. Dezember. Die Kommission begründet das so: Ein starres Ziel treibe in einem knappen Markt die Preise nach oben.
Die Physik lässt sich nicht wegregulieren
Das klingt vernünftig, hat aber einen Haken. Sind die Speicher zum Winterbeginn weniger voll, muss mehr Gas laufend importiert werden. Und das geschieht genau in den Monaten, in denen asiatische Käufer um dieselben LNG-Tanker bieten. Jørgensen selbst warnt laut Berichten: Verfehlen die Staaten das Ziel deutlich, drohe ein Teufelskreis für den Winter danach.
Krieg am Golf, Selbstblockade in Europa
Auslöser der Krise ist vor allem der Krieg am Persischen Golf. Katar erklärte im März höhere Gewalt für seine Gasexporte. Medienberichten zufolge beschädigte ein iranischer Angriff am 18. März die Anlagen in Ras Laffan so schwer, dass die Reparatur Jahre dauern könnte. Die Straße von Hormus ist weiter blockiert.
Doch die Anfälligkeit ist zu einem großen Teil hausgemacht. Europa hat sich von billigem Pipelinegas verabschiedet und setzt stattdessen auf teures und schwankendes Flüssiggas. Gleichzeitig verschärft die EU ihre Sanktionen gegen Russland immer weiter. Die Nord-Stream-Leitungen wurden 2022 zerstört. Deutschland schaltete im April 2023 seine letzten Atomkraftwerke ab, obwohl viele Fachleute davor gewarnt hatten. Kritiker sehen darin eine Energiepolitik, die sich systematisch ihrer eigenen Reserven beraubt hat.
Die Rechnung zahlen die Bürger
Eine EU-weite Übergewinnsteuer oder einen Eingriff in die Preise soll es laut Berichten nicht geben. Die Last tragen also die nationalen Haushalte und damit die Steuerzahler. Für Deutschland ist das heikel, denn die Industrie leidet schon jetzt unter hohen Energiekosten und verlagert Produktion ins Ausland.
Noch sind die Sparaufrufe freiwillig. Was passiert aber bei einem harten Winter oder neuen Lieferausfällen? Kritiker befürchten, dass auf die freundlichen Appelle bald Kontingente und Rationierung folgen könnten. Für viele Bürger wäre das ein bitteres Eingeständnis, dass die Politik aus der Krise von 2022 zu wenig gelernt hat.
Was Sparer jetzt bedenken sollten
Energiekrisen haben immer wieder die Inflation angeheizt und Ersparnisse entwertet. Gold und Silber gelten seit Jahrhunderten als Schutz in unsicheren Zeiten. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können physische Edelmetalle helfen, sich gegen politische und wirtschaftliche Turbulenzen abzusichern.
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