
Guterres hofiert Peking: UN-Chef dankt China für „Multilateralismus" – und entlarvt damit die Vereinten Nationen
Es gibt Momente, in denen die Fassade internationaler Diplomatie so dünn wird, dass man hindurchsehen kann wie durch Seidenpapier. Ein solcher Moment ereignete sich jüngst, als UN-Generalsekretär António Guterres anlässlich des chinesischen Neujahrs eine Videobotschaft veröffentlichte, die es in sich hatte. Mit den Worten „Chun Jie Kuai Le" – „fröhliches Frühlingsfest" – wandte sich der oberste Diplomat der Welt an die chinesische Bevölkerung und nutzte die Gelegenheit für eine bemerkenswerte Lobeshymne auf Peking.
Danksagung mit Beigeschmack
In seiner auf der offiziellen Website der Vereinten Nationen veröffentlichten Ansprache wünschte Guterres der Welt ein frohes Jahr des Pferdes. Doch dabei beließ er es nicht. Der UN-Chef dankte China und dem chinesischen Volk ausdrücklich für ihre – man höre und staune – „Verteidigung des Multilateralismus und ihren Einsatz für globale Solidarität". Das Pferd stehe symbolisch für Energie, Erfolg und den Mut voranzugehen, erklärte Guterres weiter. Eigenschaften, die die Welt angesichts von Konflikten, Ungleichheit und der Klimakrise dringend benötige.
Man muss sich diese Worte auf der Zunge zergehen lassen. Ausgerechnet China – jenes Land, das Uiguren in Umerziehungslager sperrt, die Demokratiebewegung in Hongkong brutal niedergeschlagen hat und Taiwan militärisch bedroht – wird vom höchsten Repräsentanten der Weltgemeinschaft als Hüter des Multilateralismus gepriesen. Zum krönenden Abschluss seiner knapp einminütigen Ansprache verabschiedete sich Guterres mit einem devoten „Xie Xie" – Danke – auf Chinesisch.
Die UN als Selbstbedienungsladen der Großmächte
Was Guterres hier betreibt, ist keine Diplomatie. Es ist Unterwerfung. Die Vereinten Nationen, einst gegründet als Bollwerk gegen Tyrannei und Krieg, haben sich längst zu einem bürokratischen Moloch entwickelt, der vor den wirtschaftlich und politisch Mächtigen dieser Welt kuscht. China ist nach den USA der zweitgrößte Beitragszahler der UN – und Peking weiß diesen Hebel geschickt einzusetzen. Wer zahlt, bestimmt die Musik. Und Guterres tanzt offenbar bereitwillig.
Dabei wäre es die ureigenste Aufgabe des Generalsekretärs, als ehrlicher Makler aufzutreten. Stattdessen geriert er sich als Grußonkel, der zum chinesischen Neujahr Komplimente verteilt wie Bonbons auf dem Kinderfasching. Die Frage drängt sich auf: Würde Guterres mit derselben Inbrunst einem westlichen Land für seinen „Multilateralismus" danken? Wohl kaum.
Ein Muster der Einseitigkeit
Diese Episode reiht sich nahtlos ein in ein Muster, das aufmerksame Beobachter seit Jahren beunruhigt. Die UN haben sich zunehmend von einer Institution der Ausgewogenheit zu einem Instrument entwickelt, das bestimmte geopolitische Interessen bedient. Während westliche Demokratien regelmäßig für vermeintliche Verfehlungen an den Pranger gestellt werden, kommen autoritäre Regime wie China mit Samthandschuhen davon. Der Multilateralismus, den Guterres so enthusiastisch lobt, ist in Wahrheit oft nichts anderes als Pekings Strategie, die regelbasierte internationale Ordnung nach eigenen Vorstellungen umzugestalten.
Für Deutschland und Europa sollte dieser Vorgang ein Weckruf sein. In einer Zeit, in der die geopolitischen Karten neu gemischt werden – mit einem selbstbewussten Donald Trump im Weißen Haus, der massive Zölle auf EU-Importe erhebt, und einem zunehmend aggressiven China – können wir uns nicht auf internationale Institutionen verlassen, die längst ihre Neutralität eingebüßt haben. Wer seine Souveränität und seine Werte bewahren will, muss selbst stark sein – wirtschaftlich, militärisch und vor allem im Geiste.
Die Vereinten Nationen mögen einmal eine gute Idee gewesen sein. Doch wenn ihr oberster Repräsentant zum chinesischen Neujahr devote Dankesreden hält, statt die Menschenrechtslage in der Volksrepublik anzuprangern, dann hat diese Organisation ihren moralischen Kompass endgültig verloren. „Xie Xie", Herr Guterres – für diese unfreiwillige Offenbarung.

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