
Indien als Friedensstifter? Modis Plan elektrisiert Moskau und Kiew

Neu-Delhi drängt sich mitten in die Ukraine-Diplomatie. Mit einem Dreipunkteplan für eine Teil-Waffenruhe erntet Indien Lob aus dem Kreml und aus Kiew zugleich. Am Mittwoch bedankte sich Kremlsprecher Dmitri Peskow öffentlich bei den „indischen Freunden“. Wenige Tage zuvor hatte der ukrainische Außenminister den Vorstoß als den umfassendsten aller Angebote bezeichnet, die auf seinem Tisch liegen.
Die Botschaft fällt auf. Und sie zeigt, wer im fünften Kriegsjahr tatsächlich vermittelt und wer nur zuschaut.
Strom, Schiffe, Getreide: Darum geht es
Der indische Plan zielt nicht gleich aufs große Ganze. Stattdessen nimmt er sich drei Bereiche vor, in denen der Krieg weit über die Front hinaus Schaden anrichtet: die Energieversorgung, die Sicherheit der Schifffahrt im Schwarzen Meer und den Export von Getreide. Indischen Medienberichten zufolge sollen Angriffe auf Energie- und Hafenanlagen ebenso enden wie Attacken auf Handelsschiffe.
Dass ausgerechnet Indien diese Punkte setzt, ist kein Zufall. Das bevölkerungsreichste Land der Erde hängt an bezahlbarem Öl, Dünger und Nahrungsmitteln. Jede Rakete auf einen Hafen in Odessa wirkt sich auf Weltmarktpreise aus, die man bis nach Mumbai spürt.
Erinnerungen an den Getreidedeal
Ganz neu ist die Idee nicht. Im Juli 2022 vermittelten die Türkei und die Vereinten Nationen in Istanbul ein Getreideabkommen, das ukrainische Exporte über das Schwarze Meer sicherte. Ein Jahr später stieg Moskau wieder aus. Neu-Delhi versucht nun offenbar, dieses Modell auf eine breitere Grundlage zu stellen.
Lob aus beiden Hauptstädten
Laut der russischen Nachrichtenagentur Tass erklärte Peskow, Indien sei bereit, einen „machbaren Beitrag“ zur Lösung des Konflikts zu leisten. Wladimir Putin wurde beim Waldai-Diskussionsforum noch deutlicher. Trotz der freundschaftlichen, auch persönlichen Beziehungen spreche Modi das Kriegsende bei jedem Treffen an, sagte der Kremlchef.
„Er hat sehr gute Ideen, die darauf abzielen, für beide Seiten akzeptable Lösungen zu finden.“
Auch Kiew bewertet den Plan positiv. Außenminister Andrij Sybiha sagte, ihm lägen vier Vorschläge vor: aus der Türkei, Ägypten, den USA und Indien. Der indische sei der breiteste. Die Ukraine sei zu einer Waffenruhe bei Energie und im Schwarzen Meer bereit, allerdings nur, wenn beide Bereiche gemeinsam geregelt würden.
Der Haken: Waffenruhe oder Friedensvertrag?
Der zentrale Streit bleibt trotzdem bestehen. Kiew fordert weiterhin eine bedingungslose Waffenruhe entlang der gesamten Front. Moskau lehnt das ab und will stattdessen ein umfassendes Friedensabkommen. Indiens Außenminister Subrahmanyam Jaishankar erklärte zwar, man sei inzwischen über allgemeine Appelle zu Dialog und Diplomatie hinausgegangen. Ob ein Teilabkommen die Lücke zwischen beiden Positionen überbrücken kann, ist jedoch völlig offen.
Und Europa?
Ein Blick auf die Liste der Vermittler ist für Berlin und Brüssel unangenehm. Türkei, Ägypten, USA, Indien: Kein einziger Vorschlag kommt aus der EU. Dabei finanziert Europa einen großen Teil der Ukraine-Hilfe, und die Bundesregierung unter Friedrich Merz gehört zu den größten Geldgebern. Beobachter könnten darin einen Befund sehen, der schmerzt: Wer am meisten zahlt, sitzt nicht zwangsläufig dort, wo verhandelt wird.
Für deutsche Bürger und Betriebe, die seit Jahren unter hohen Energiepreisen leiden, wäre jede Entspannung bei Energie und Seehandel ein Gewinn. Solange der Frieden aber nur auf dem Papier steht, bleibt die geopolitische Lage brüchig. In solchen Zeiten setzen viele Sparer auf physisches Gold und Silber als krisenfeste Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen allein.
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