
Indiens Handelsdelegation bleibt zu Hause: Trumps Zollchaos lähmt internationale Diplomatie

Was passiert, wenn die mächtigste Volkswirtschaft der Welt ihre Handelspartner im Minutentakt mit neuen Zollregeln überzieht? Genau das, was man erwarten würde: Stillstand. Indien hat eine für die kommenden Tage geplante Handelsreise nach Washington offenbar auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Grund liegt in der beispiellosen Rechtsunsicherheit, die nach einem wegweisenden Urteil des US-Supreme Court entstanden ist.
Supreme Court kippt Trumps Zollpolitik – Präsident schlägt sofort zurück
Das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten hatte am Freitag zahlreiche der von Präsident Donald Trump verhängten Zölle für unrechtmäßig erklärt. Ein Paukenschlag, der die ohnehin fragile internationale Handelsarchitektur weiter erschüttert. Doch wer glaubte, Trump würde sich von einem Gerichtsurteil bremsen lassen, kennt den 47. Präsidenten schlecht. Bereits am Samstag verkündete er über sein Netzwerk Truth Social einen neuen pauschalen Zoll von 15 Prozent auf sämtliche US-Importe, der „unverzüglich" in Kraft treten solle. Das Urteil des Supreme Court bezeichnete er kurzerhand als „außergewöhnlich anti-amerikanisch".
Man muss sich diese Dynamik auf der Zunge zergehen lassen: Ein Gericht erklärt Zölle für rechtswidrig, und der Präsident antwortet mit neuen Zöllen. Wer soll in einem solchen Umfeld noch verlässliche Handelsabkommen aushandeln? Offensichtlich nicht Indien – und man kann es der Regierung in Neu-Delhi kaum verdenken.
Ein Abkommen im Wert von 500 Milliarden Dollar auf Eis
Dabei stand einiges auf dem Spiel. Wie Reuters und Bloomberg übereinstimmend unter Berufung auf informierte Quellen berichteten, sollte die indische Delegation eigentlich am Sonntag aufbrechen, um ein bereits im Februar in seinen Grundzügen vereinbartes Handelsabkommen zu finalisieren. Die Eckpunkte waren durchaus bemerkenswert: Washington wollte Strafzölle von 25 Prozent auf bestimmte indische Exporte senken, die im Zusammenhang mit Indiens Käufen von russischem Rohöl stehen. Im Gegenzug hätte sich Indien verpflichtet, über einen Zeitraum von fünf Jahren US-Waren im Wert von 500 Milliarden US-Dollar zu erwerben – darunter Flugzeuge, Ersatzteile, Edelmetalle, Technologieprodukte und Energielieferungen.
Der indische Handelsminister Piyush Goyal hatte noch in der vergangenen Woche optimistisch erklärt, das Abkommen könnte möglicherweise bereits ab April in Kraft treten. Davon ist nun keine Rede mehr. Die Entscheidung zur Verschiebung sei nach Gesprächen zwischen Vertretern beider Länder gefallen, hieß es aus dem indischen Handelsministerium. Ein neuer Termin stehe nicht fest.
Indiens Opposition wittert Morgenluft
Die oppositionelle Kongresspartei in Indien nutzt die Situation erwartungsgemäß, um Druck auf die Regierung Modi auszuüben. Sie fordert laut Berichten, auf Neuverhandlungen zu drängen – schließlich hätten sich die Rahmenbedingungen durch das Supreme-Court-Urteil und Trumps anschließende Zollankündigung fundamental verändert. Das indische Handelsministerium teilte am Samstag lediglich mit, man prüfe die Auswirkungen des Urteils und der nachfolgenden Zollankündigungen.
Globale Handelsordnung im freien Fall
Was wir hier beobachten, ist nichts weniger als die fortschreitende Erosion einer regelbasierten Handelsordnung. Trumps Zollpolitik – ob man sie nun als genial oder als destruktiv betrachtet – erzeugt eine Atmosphäre permanenter Unsicherheit, in der langfristige Abkommen kaum noch möglich erscheinen. Für die europäische Wirtschaft, die bereits unter den 20-prozentigen US-Zöllen auf EU-Importe ächzt, sind das keine ermutigenden Signale.
Für Deutschland, dessen neue Große Koalition unter Friedrich Merz gerade ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen auf den Weg gebracht hat, stellt sich die Frage drängender denn je: Wie soll eine exportabhängige Volkswirtschaft in einem Umfeld gedeihen, in dem Handelsregeln über Nacht per Social-Media-Post umgeschrieben werden? Die Antwort kennt derzeit niemand – am wenigsten offenbar die indische Handelsdelegation, die nun zu Hause bleibt und wartet. Worauf genau, weiß allerdings auch sie nicht.
In Zeiten derartiger geopolitischer und wirtschaftlicher Verwerfungen zeigt sich einmal mehr der Wert physischer Edelmetalle als Instrument der Vermögenssicherung. Wenn Handelsabkommen im Wert von Hunderten Milliarden Dollar über Nacht auf Eis gelegt werden können und Zollregime sich im Stundentakt ändern, bieten Gold und Silber jene Beständigkeit, die in der internationalen Handelspolitik offenkundig verloren gegangen ist.
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