
Indiens Öl-Deal mit Moskau: Wie ein US-Gerichtsurteil Trumps Zollkeule stumpf macht
Es ist eine jener geopolitischen Wendungen, die zeigen, wie fragil das Machtgefüge der internationalen Handelspolitik tatsächlich ist: Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten hat den handelspolitischen Spielraum von Präsident Donald Trump empfindlich beschnitten – und ausgerechnet Indien profitiert davon. Neu-Delhi kann seine milliardenschweren Ölimporte aus Russland offenbar ungehindert fortsetzen. Ein Urteil mit Sprengkraft, das weit über den amerikanischen Kontinent hinaus Wellen schlägt.
Richterspruch als Schutzschild für den indisch-russischen Energiehandel
Was zunächst wie eine innenpolitische Justizentscheidung wirkt, entfaltet in Wahrheit massive außenpolitische Konsequenzen. Das Urteil begrenzt die Möglichkeiten der Trump-Administration, über Zölle und Handelsrestriktionen Druck auf Drittstaaten auszuüben, die weiterhin russisches Rohöl beziehen. Für Indien, das seit dem Beginn des Ukraine-Krieges zu einem der größten Abnehmer russischen Erdöls aufgestiegen ist, kommt diese Entwicklung wie gerufen.
Denn Neu-Delhi hat sich in den vergangenen Jahren konsequent geweigert, sich dem westlichen Sanktionsregime gegen Moskau vollumfänglich anzuschließen. Stattdessen nutzte die indische Regierung unter Premierminister Modi die Gunst der Stunde: Russisches Öl, das auf dem Weltmarkt mit erheblichen Abschlägen gehandelt wird, füllt nicht nur die strategischen Reserven des Subkontinents, sondern verschafft der indischen Wirtschaft einen handfesten Wettbewerbsvorteil. Pragmatismus statt Ideologie – eine Lektion, die man sich auch in Berlin hinter die Ohren schreiben sollte.
Deutschlands Energiepolitik als mahnendes Gegenbeispiel
Während Indien seine nationalen Interessen mit bemerkenswerter Nüchternheit verfolgt, hat Deutschland bekanntlich einen anderen Weg eingeschlagen. Die hastige Abkehr von russischem Gas, die ideologisch motivierte Energiewende und die daraus resultierende Explosion der Energiepreise haben der deutschen Industrie schweren Schaden zugefügt. Man fragt sich unwillkürlich: Hätte eine ähnlich pragmatische Haltung, wie sie Indien an den Tag legt, dem Wirtschaftsstandort Deutschland nicht besser gedient?
Die Zahlen sprechen jedenfalls eine deutliche Sprache. Indien dürfte seine täglichen Importmengen russischen Rohöls in den kommenden Monaten weiter steigern. Eine vollständige Abkehr Neu-Delhis von russischem Erdöl gilt unter Experten als schlichtweg unrealistisch – zu groß ist die Abhängigkeit, zu verlockend sind die Preisvorteile, und zu stark ist das strategische Interesse an einer diversifizierten Energieversorgung.
Trumps Zollpolitik am Scheideweg
Für Donald Trump bedeutet das Urteil einen empfindlichen Rückschlag. Seine aggressive Zollpolitik – mit pauschalen 20 Prozent auf EU-Importe und noch drastischeren Aufschlägen auf chinesische Waren – stößt nun auch im eigenen Land an juristische Grenzen. Der Oberste Gerichtshof hat damit ein unmissverständliches Signal gesendet: Selbst der mächtigste Mann der Welt kann nicht nach Belieben die Regeln des internationalen Handels diktieren.
Die Energiepartnerschaft zwischen Indien und Russland dürfte sich durch dieses Urteil weiter festigen. Moskau gewinnt einen verlässlichen Abnehmer, Neu-Delhi sichert sich günstige Energiepreise – und Washington steht mit leeren Händen da. Es ist ein Lehrstück darüber, wie geopolitische Realitäten ideologische Wunschvorstellungen regelmäßig überholen. Wer seine Energiepolitik an Sachverstand statt an Moralpredigten ausrichtet, fährt am Ende besser. Diese bittere Erkenntnis sollte auch in den Regierungszentralen Europas endlich ankommen.
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