
Kiews teuerster Leerstand: Niemand will Botschafter in Trumps Washington sein

Wolodymyr Selenskyj sucht einen Botschafter für die USA – und findet keinen. Nach der Entlassung von Olha Stefanischyna am 3. August bleibt der wichtigste diplomatische Posten der Ukraine unbesetzt. Selbst die scheidende Regierungschefin Julija Swyrydenko lehnte ab, wie POLITICO unter Berufung auf frühere hochrangige ukrainische Beamte und mehrere Abgeordnete berichtet.
Der Job, den niemand haben will
Es ist ein bemerkenswerter Vorgang. Die Vertretung in Washington entscheidet über Waffen, Luftabwehr, Aufklärungsdaten – über die Frage also, wie lange die Ukraine den Krieg überhaupt führen kann. Und ausgerechnet dieser Posten findet keinen Bewerber von Gewicht.
Selenskyj selbst bestätigte auf einer Pressekonferenz Ende Juli, er habe den Posten Swyrydenko angeboten. Gesucht werde jemand auf dem Niveau eines Vizepremiers, Ministers oder Regierungschefs, sagte er dem Bericht zufolge. Nur: Auch andere Kandidaten winkten ab.
Die Oppositionsabgeordnete und frühere Vizeregierungschefin Iwanna Klympusch-Zinzadse, eine regelmäßige Kritikerin des Präsidenten, erklärte gegenüber POLITICO, mögliche Kandidaten fürchteten, nicht die Bedingungen zu bekommen, die sie für ihre Arbeit bräuchten. Ohne das Ohr und das Vertrauen des Präsidenten sei das ohnehin aussichtslos.
„Es zu formulieren, als wolle niemand den Job, wäre eine Vereinfachung" – so ein früherer ukrainischer Diplomat laut dem Bericht: Es gebe Interessenten, aber niemanden, der der Aufgabe wirklich gewachsen sei.
Ein Präsident im Sinkflug
Die Vakanz ist nur das Symptom. Selenskyjs Regierungsumbau, vor rund einem Monat begonnen, ist bis heute unvollendet – und hat sich als politisches Minenfeld erwiesen. Die Absetzung des populären Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow im Juli trieb Tausende auf die Straßen von Kiew, wie auch deutsche Medien berichteten.
Einer Umfrage des Socis-Zentrums zufolge meinen inzwischen mehr als 55 Prozent der Ukrainer, ihr Land bewege sich in die falsche Richtung. Der Oppositionsabgeordnete Mykola Knjaschyzkyj monierte laut dem Bericht, niemand habe den Bürgern erklärt, warum die Regierung überhaupt ausgetauscht werden musste – Swyrydenko sei im Parlament mit stehendem Applaus verabschiedet worden.
Wenn Verhandlungen kommen – und keiner am Tisch sitzt
Das Timing könnte kaum schlechter sein. Stefanischyna, die formal wegen bevorstehender Ermittlungen im Zusammenhang mit Veruntreuungsvorwürfen entlassen wurde – bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung gilt für sie die Unschuldsvermutung –, hatte ihren Job einmal als „diplomatisches Schleudertrauma" beschrieben.
Kiew ringt weiter um eine Lizenz zur eigenen Produktion von Patriot-Systemen, die Donald Trump im Juni zugesagt und im Juli wieder kassiert haben soll. Selenskyj erklärte, die Lieferungen von Flugabwehrraketen der Verbündeten seien in diesem Jahr um zwei Drittel gegenüber 2025 eingebrochen. Zugleich mehren sich Anzeichen, dass Washington die festgefahrenen Friedensgespräche wiederbeleben könnte.
Der Oppositionsabgeordnete Jaroslaw Jurtschyschyn rechnet laut Bericht damit, dass Selenskyj vor den US-Zwischenwahlen niemanden mehr benennen werde. Ein Machtvakuum in der wichtigsten Hauptstadt der Welt – ausgerechnet dann, wenn über Krieg, Frieden und Waffen entschieden wird.
Was das für Europa bedeutet
Für die deutschen Steuerzahler, die seit 2022 Milliarden nach Kiew überweisen, ist das keine Randnotiz. Wer in Washington nicht vertreten ist, verhandelt nicht mit – und Europa müsste die Lücke füllen. Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Vorgang, wie stark die ukrainische Führung inzwischen von einem kleinen, geschlossenen Kreis abhängt.
Geopolitische Unsicherheit dieser Größenordnung schlägt erfahrungsgemäß auf Märkte, Währungen und Energiepreise durch. Physische Edelmetalle haben sich in solchen Phasen historisch als stabilisierender Baustein eines breit gestreuten Vermögens bewährt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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