
Köppels Abrechnung: Die Schweiz verlottert – und Europa schaut zu
Der Schweizer Publizist und ehemalige Nationalrat Roger Köppel hat in einem bemerkenswerten Interview mit dem deutschen Nachrichtenmagazin Focus eine schonungslose Diagnose seines Heimatlandes vorgelegt. Seine Kernthese: Die Eidgenossenschaft befinde sich in einem Zustand fortschreitender Verwahrlosung – und das tragische Unglück von Crans-Montana sei nur das sichtbarste Symptom eines tiefgreifenden Verfalls.
Crans-Montana als Menetekel des Niedergangs
Das verheerende Feuer in dem Walliser Bergort, bei dem zahlreiche Menschen ums Leben kamen, ist für Köppel weit mehr als ein isolierter Unglücksfall. Er sieht darin ein Zeichen systemischen Versagens. Besonders pikant: Die Betreiber der betroffenen Gastronomie seien ein französisches Paar gewesen, das erst seit relativ kurzer Zeit in der Schweiz lebe. Hier offenbare sich, so Köppel, die Schattenseite einer ungebremsten Zuwanderung – das Qualitätssiegel "Made in Switzerland" könne nicht mehr gewährleistet werden, wenn elementare Eigenverantwortung und behördliche Kontrollpflichten gleichermaßen vernachlässigt würden.
Diese Kritik trifft einen Nerv. Denn was Köppel als "Wohlstandsverwahrlosung" bezeichnet, kennen wir auch in Deutschland nur zu gut. Jahrzehntelanger Wohlstand hat offenbar nicht nur in der Schweiz zu einer gefährlichen Nachlässigkeit geführt – einer Bequemlichkeit, die grundlegende Werte wie Verantwortungsbewusstsein und Pflichterfüllung erodieren lässt.
Die UBS als tickende Zeitbombe
Doch Köppel belässt es nicht bei der Kritik am Behördenversagen in einem Bergdorf. Er schlägt einen beunruhigenden Bogen zur Schweizer Großbank UBS, die nach der Übernahme der kollabierten Credit Suisse zu einem Koloss angewachsen ist, der im Krisenfall das gesamte Land mitreißen könnte. Wenn schon ein kleines Bergdorf seine Gastronomiebetriebe nicht ordentlich kontrollieren könne, fragt Köppel rhetorisch, wie solle dann die Aufsicht über einen solchen Finanzgiganten funktionieren?
Die Parallelen zu Deutschland sind frappierend. Auch hierzulande haben wir erlebt, wie Großbanken mit stillschweigender Duldung der Politik Risiken anhäuften, die am Ende der Steuerzahler tragen musste. Die Frage, ob Banken zerschlagen oder mit höheren Eigenkapitalanforderungen "unsinkbar" gemacht werden sollten, ist auch für den deutschen Finanzplatz von brennender Aktualität.
Trump als "charmantes Raubtier"
Besonders bemerkenswert sind Köppels Ausführungen zum amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Er bezeichnet ihn als "charmantes Raubtier" und lobt dessen "brutale Ehrlichkeit", die ihm lieber sei als die "salonfähige Verlogenheit der Politik". Trump habe einen "genialen Instinkt", die Dinge beim Namen zu nennen – und seine Kritiker regten sich vor allem deshalb so auf, weil er meistens richtig liege.
"Als kleine Schweizer sollten wir uns nicht mit solchen Fleischfressern anlegen. Flexibel bleiben, Notausgänge offenhalten, so lautet die Devise."
Diese pragmatische Haltung steht in wohltuendem Kontrast zur moralinsauren Empörungsrhetorik, mit der europäische Politiker auf Trumps Zollpolitik reagieren. Köppel gibt zu bedenken, dass die amerikanische Kritik an den Preisunterschieden bei Medikamenten durchaus berechtigt sei – eine Einsicht, die man sich auch von deutschen Politikern wünschen würde.
Neutralität als Überlebensstrategie
Im Zeitalter der nationalen Interessen, so Köppel, sei die bewaffnete, immerwährende Neutralität der Schweiz wichtiger denn je. Keine Einmischung in fremde Händel, Verteidigung nur bei direktem Angriff – das sei die Überlebensstrategie des Kleinstaats. Eine Warnung vor Bündnissen, die einen in Kriege ziehen können, und vor "gutmenschlichem Größenwahn".
Für den Ukraine-Krieg fordert Köppel einen schnellen Frieden unter Berücksichtigung auch der russischen Interessen. Europa, dieser "Friedhof gescheiterter Großmächte", solle nicht an seiner "Kriegstüchtigkeit" arbeiten, sondern an seiner Friedensfähigkeit. Deutschland könne dabei als Brücke zwischen West und Ost fungieren – eine "große Schweiz" sozusagen.
Ein Weckruf für den ganzen Kontinent
Köppels Analyse mag sich auf die Schweiz beziehen, doch sie trifft ins Mark eines gesamteuropäischen Problems. Die Wohlstandsverwahrlosung, das Versagen von Behörden, die Überheblichkeit gegenüber berechtigter Kritik von außen – all das kennen wir auch in Deutschland. Vielleicht sogar in noch stärkerem Maße. Während die Schweiz immerhin noch über funktionierende direktdemokratische Korrektive verfügt, haben wir in Deutschland eine politische Klasse, die sich zunehmend von den Sorgen und Nöten der Bürger abgekoppelt hat.
Die Frage ist nicht, ob Köppel recht hat. Die Frage ist, ob wir den Mut aufbringen, die notwendigen Konsequenzen zu ziehen – bevor es zu spät ist.

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