
Nach zwölf Jahren: Die letzten US-Soldaten verlassen den Irak!

Ein Kapitel geht zu Ende, zumindest auf dem Papier. Am Mittwoch, dem 30. September 2026, hat das Pentagon das offizielle Ende der „Operation Inherent Resolve“ verkündet: Die USA und ihre Koalitionspartner haben ihre Truppen und ihr Gerät vollständig aus dem Irak abgezogen. Zwölf Jahre nach dem Beginn des Kampfes gegen den Islamischen Staat (IS) ist Bagdad nun auf sich allein gestellt.
Washington feiert den Sieg
Medienberichten zufolge verließen die letzten Kräfte den Luftwaffenstützpunkt Erbil im kurdischen Norden des Landes. Das US-Kriegsministerium spart in seiner Mitteilung nicht mit Pathos:
„Dieser Meilenstein spiegelt den Erfolg einer zwölfjährigen Kampagne wider, die den Islamischen Staat (IS) als organisierte militärische Bedrohung im Irak und in der gesamten Region zerschlagen hat.“
Zugleich markiere der Abzug den Übergang von einer Kriegskoalition zu einer Sicherheitspolitik, die die Iraker selbst führen, gestützt auf eine „normalere“ Beziehung zwischen beiden Staaten. Ganz verabschiedet sich Washington aber nicht. Gezielte Ausbildung und Unterstützung durch die Geheimdienste sollen weiterlaufen. Der IS dürfe sich „niemals wieder vom irakischen Staatsgebiet neu formieren“, heißt es.
Vom Kalifat des Terrors zur Koalition der 80
Zur Erinnerung: 2014 überrollten die Dschihadisten fast ein Drittel des Irak, riefen ihr „Kalifat“ aus und verübten Massaker an Schiiten und an der jesidischen Minderheit. Bagdad bat um Hilfe. Mehr als 80 Staaten schlossen sich an, darunter Deutschland, Großbritannien und Frankreich.
Wie groß der Rückzug ist, zeigt erst der Vergleich. Auf dem Höhepunkt der „Surge“ Ende der 2000er-Jahre standen laut US-Medien mehr als 160.000 amerikanische Soldaten im Land. Im Februar dieses Jahres waren es noch rund 2.000. Beide Regierungen hatten das Ende der Mission bereits 2024 vereinbart.
Bagdad spricht von einer neuen Ära
Iraks Premierminister Ali Faleh Al-Zaidi sieht im Ende der Mission den Beweis, dass die Zusammenarbeit „befreundeter Kräfte und Völker“ eines der dunkelsten Kapitel von Extremismus und Brutalität beendet habe. Das sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur INA. Berichten zufolge rief die Regierung sogar drei Feiertage aus.
Der Kampf gegen den Terror sei zwar nicht vorbei, doch die Verantwortung liege nun vollständig beim Staat. Ein Satz lässt aufhorchen: Es dürfe „keine Waffen außerhalb des Rahmens des Gesetzes und keine Macht außerhalb staatlicher Institutionen geben“.
Das Erbe: Milizen, Iran, offene Flanken
Genau hier liegt der Sprengstoff. Im Irak operieren seit Jahren Milizen, die der Iran unterstützt und die immer wieder US-Truppen angegriffen haben. Beobachter bezweifeln, dass Bagdad diese Gruppen wirklich unter staatliche Kontrolle bringen kann. Oder gewinnt Teheran nach dem Abzug an Einfluss? Seit dem Schlagabtausch zwischen Israel und dem Iran im Juni 2025 gleicht die Region ohnehin einem Pulverfass.
Auch der IS ist nicht verschwunden, er hat nur seine Macht verloren. Im Dezember 2025 töteten IS-Kämpfer in Syrien laut dem US-Zentralkommando zwei amerikanische Soldaten und einen Dolmetscher. Die Kommandozentrale der Koalition wurde Berichten zufolge nach Jordanien verlegt. Von dort sollen die Einsätze gegen den IS außerhalb des Irak weitergehen.
Und Deutschland?
Die Bundeswehr hatte ihr Feldlager in Erbil Medienberichten zufolge bereits im Sommer geräumt. Militärberater sollen kurdische Kräfte aber weiter unterstützen. Für Berlin bleibt eine unbequeme Lehre: Zwölf Jahre war die Bundeswehr dabei, doch wann Schluss ist, bestimmen am Ende Washington und Bagdad. Ob der Irak seine neue Souveränität verteidigen kann, zeigt sich erst, wenn niemand mehr hinschaut.
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