
Panne in Spandau: 34 Stimmen drehen Direktmandat – AfD statt CDU!

Knapp zwei Wochen nach der Berliner Abgeordnetenhauswahl vom 20. September 2026 ist in Spandau ein Wahlkreissieg gekippt. Nach einer Korrektur liegt im Wahlkreis Spandau 1 nicht mehr CDU-Kandidatin Bettina Meißner vorn, sondern AfD-Kandidat Tommy Tabor. Am Ende entscheiden ganze 34 Stimmen.
Und das ist noch nicht alles. Die Korrektur könnte die Sitzverteilung im gesamten Landesparlament durcheinanderwirbeln.
Aus 80 Stimmen Vorsprung wird ein Rückstand
Medienberichten zufolge kommt Tabor nach der Korrektur auf 5.184 Erststimmen, Meißner auf 5.150. Im vorläufigen Ergebnis hatte die Christdemokratin noch mit 80 Stimmen vorn gelegen. Am Wahlabend galt ihr Mandat damit als sicher.
Landeswahlleiter Stephan Bröchler bestätigte laut Berichten eine Abweichung von insgesamt 124 Stimmen. Ursache sei ein Wahllokal, in dem das Ergebnis aus der Niederschrift des Wahlvorstands nicht mit der telefonischen Schnellmeldung übereingestimmt habe. Bröchler wird mit folgenden Worten zitiert:
„das vom Wahlvorstand in der Niederschrift festgehaltene Ergebnis nicht der telefonisch übermittelten Schnellmeldung“
Habe demnach entsprochen. Auf gut Deutsch: Was am Telefon durchgegeben wurde, stimmte nicht mit dem überein, was auf dem Papier stand.
Betrug oder Schlamperei?
In sozialen Netzwerken kochen die Spekulationen bereits hoch. Für den Verdacht auf Manipulation gibt es nach bisherigem Stand aber keine Belege. Laut Landeswahlleiter handelt es sich um einen Übermittlungsfehler. Auch das ist kein gutes Zeugnis.
Denn ausgerechnet Berlin hätte allen Grund, bei Wahlen besonders sorgfältig zu sein. Die Pannenwahl vom September 2021 mit fehlenden Stimmzetteln, langen Schlangen und Wahllokalen, die nach 18 Uhr noch offen waren, endete in einem Desaster: Der Berliner Verfassungsgerichtshof erklärte die Wahl für ungültig. Im Februar 2023 musste komplett neu gewählt werden. Bröchler trat danach an, um das Vertrauen in die Wahlorganisation der Hauptstadt wiederherzustellen.
Dass nun erneut ein Direktmandat erst im Nachhinein den Besitzer wechselt, ist nicht die Werbung, die sich die Stadt gewünscht haben dürfte. Positiv lässt sich immerhin festhalten, dass die Kontrolle funktioniert hat: Der Fehler fiel bei der Prüfung der Niederschriften auf.
Domino-Effekt im Abgeordnetenhaus?
Brisant wird die Spandauer Korrektur durch das Berliner Wahlrecht. Bleibt das Direktmandat bei der AfD, müssten die sieben Überhang- und 21 Ausgleichsmandate neu berechnet werden. Die CDU hätte dann weniger Überhang, als ihrem Zweitstimmenanteil entspricht.
Bröchler zufolge könnte das Abgeordnetenhaus dadurch kleiner ausfallen als nach dem vorläufigen Ergebnis mit 158 Sitzen. Kandidaten, die sich schon als gewählt sahen, würden dann womöglich gar nicht einziehen. Wen das treffe, stehe erst nach der offiziellen Feststellung fest.
Die nächsten Termine
- Freitag: Der Bezirkswahlausschuss Spandau berät über das Ergebnis.
- 12. Oktober: Das landesweite amtliche Endergebnis soll festgestellt werden.
Ein Wahlabend mit Nachbeben
Schon das vorläufige Ergebnis hatte die Hauptstadt erschüttert. Laut Landeswahlleiter wurde die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft, gefolgt von der CDU mit 18,8 Prozent. Die AfD kam auf 16,3 Prozent und lag damit vor Grünen und SPD, die mit 12,1 Prozent ein historisch schwaches Ergebnis einfuhr. Die Wahlbeteiligung lag bei 74,2 Prozent.
Für die CDU, die mit fast zehn Prozentpunkten Minus ohnehin schwer getroffen ist, wäre der Verlust in Spandau ein weiterer Nackenschlag. Die AfD dagegen könnte sich über ein zusätzliches Direktmandat freuen, ausgerechnet im traditionell bürgerlichen Westen der Stadt.
Eines zeigt der Fall jedenfalls deutlich: Jede einzelne Stimme zählt, und jede muss korrekt gezählt werden. In einer Stadt, die schon einmal komplett neu wählen musste, sollte das eigentlich selbstverständlich sein.

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