
Raketen-Poker in Washington: Pistorius bittet um PAC-3 made in Germany

Berlin will die modernsten Patriot-Abfangraketen künftig selbst bauen. Aber ohne den Segen Washingtons läuft nichts. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) erklärte am Mittwoch, er habe bei seinem Amtskollegen Pete Hegseth in der US-Hauptstadt für Produktionslinien der PAC-3-Rakete in Europa und Deutschland geworben.
Das Angebot klingt selbstbewusst. Die Lage, in der es gemacht wird, ist es nicht.
Ein Angebot mit vielen Fragezeichen
Pistorius formulierte seine Botschaft nach eigenen Worten unmissverständlich:
„Wir haben klargemacht, dass wir anbieten, die enorme Nachfrage nach diesen und anderen amerikanischen Systemen durch den Aufbau von Produktionslinien in Europa und Deutschland zu decken.“
Vergangene Woche hatten beide Minister eine Absichtserklärung zur gemeinsamen Fertigung amerikanischer Waffensysteme in Europa unterzeichnet. PAC-3 sei darin grundsätzlich enthalten, so Pistorius. Einen konkreten Vertrag gibt es aber nicht. Offen sind vor allem die Rechte am geistigen Eigentum. Außerdem müssen das Pentagon, das Weiße Haus und der Hersteller Lockheed Martin zustimmen.
Eine Absichtserklärung ist also vorerst Papier. Ob daraus jemals Raketen werden, entscheidet sich nicht in Berlin.
Warum gerade diese Rakete so begehrt ist
Die PAC-3 ist die Speerspitze des Patriot-Systems. Sie kann anfliegende ballistische Raketen abfangen und ist deshalb für die ukrainische Luftverteidigung besonders wichtig. Genau deshalb halten US-Regierung und Rüstungsindustrie die Technologie bislang eng unter Verschluss. Eine Produktion außerhalb der Vereinigten Staaten wollten sie bisher nicht zulassen.
Bei der älteren PAC-2-Variante ist Deutschland schon weiter. Der europäische Rüstungskonzern MBDA soll in den kommenden Monaten erstmals in Bayern mit der Lizenzfertigung beginnen. Den symbolischen Spatenstich für neue Produktionsanlagen in Schrobenhausen setzten Pistorius und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bereits im November 2024. Im Hintergrund steht ein Auftrag der Nato-Beschaffungsagentur NSPA über bis zu 1.000 Patriot-Flugkörper vom Typ GEM-T mit einem Volumen von 5,1 Milliarden Euro, wie das Unternehmen mitteilte.
Leere Lager, lange Schlangen
Der Berliner Vorstoß fällt in eine Zeit, in der Abfangraketen weltweit knapp sind. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert von Washington mindestens 300 Patriot-Raketen für den kommenden Winter. Ob Donald Trump liefert, ist laut „Financial Times“ offen.
Trumps Kurs schwankt. Im Juni hatte er Kiew zunächst eine Lizenz für die eigene Patriot-Produktion in Aussicht gestellt. Später äußerte er wegen der sensiblen Technik Vorbehalte. Für Verbündete heißt das: Verlässlichkeit ist Verhandlungssache.
Auch Tomahawks nur mit Wartezeit
Berlin will zudem amerikanische Tomahawk-Marschflugkörper in Lizenz bauen. Den Kauf hat die Bundesregierung mit Washington bereits vereinbart. Wegen der hohen Nachfrage muss sie aber mit langen Lieferzeiten rechnen. Wer bezahlt, kommt eben nicht automatisch als Erster dran.
Der Preis der Abhängigkeit
Aus Sicht unserer Redaktion legt der Vorgang offen, wie wenig Spielraum Deutschland bei der eigenen Sicherheit hat. Jahrzehntelang wurde die Bundeswehr kaputtgespart, die Rüstungsindustrie mit Auflagen gegängelt und die Verteidigung stillschweigend nach Amerika ausgelagert. Jetzt klopft der Minister in Washington an und bittet darum, wenigstens mitproduzieren zu dürfen.
Dabei geht es um riesige Summen. Die Koalition von Kanzler Friedrich Merz hat Verteidigungsausgaben weitgehend von der Schuldenbremse ausgenommen. Kritiker sehen darin einen Freibrief für neue Kredite, die am Ende Steuerzahler und kommende Generationen abtragen müssen. Umso wichtiger wäre es, dass das Geld Arbeitsplätze und Know-how in Deutschland sichert, statt nur die Auftragsbücher in Übersee zu füllen.
Bleibt die Frage, ob Washington mitspielt. Die Antwort dürfte zeigen, wie viel die viel beschworene Partnerschaft tatsächlich wert ist.
Aufrüstung auf Pump, geopolitische Unsicherheit und wacklige Bündniszusagen: Viele Bürger setzen in solchen Zeiten auf physisches Gold und Silber als Beimischung, die nicht vom Wohlwollen einer Regierung abhängt.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen allein die Verantwortung.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











