
Sanktionsroulette in Washington: Der Senat greift nach dem Öl – und Europa zahlt am Ende die Rechnung

Der US-Senat hat am Dienstagabend den Weg für Abstimmungen über ein lang erwartetes Sanktionspaket gegen Russland freigemacht. Was in Washington als moralischer Kraftakt gefeiert wird, könnte sich für die europäischen Energiemärkte als weiterer Brandsatz erweisen. Denn der Gesetzentwurf, benannt nach dem verstorbenen Senator Lindsey Graham aus South Carolina, zielt auf das Herzstück der russischen Staatsfinanzen: den Ölexport.
Ein Paket, das nach Öl riecht – und nach Zöllen
Die Architekten des Deals – unter ihnen Richard Blumenthal, Katie Britt, Jeanne Shaheen, Roger Wicker und Jim Risch – verkündeten stolz, man habe sich darauf verständigt, das Russland-Paket mit Sanktionen gegen den Iran zu verschmelzen. Zwei Feindbilder, ein Gesetz. Effizient, könnte man sagen. Oder auch: praktisch, wenn man Mehrheiten braucht.
Inhaltlich ist das Paket ein Rundumschlag. Sanktioniert werden sollen russische Offizielle, Oligarchen samt Familienangehörigen, ausländische Helfer, Banken und Finanzinstitute sowie die berüchtigte Schattenflotte, mit der Moskau seit Jahren die westlichen Preisdeckel umschifft. Der eigentliche Sprengstoff steckt jedoch in einem anderen Absatz: Der Präsident soll die Vollmacht erhalten, Zölle gegen Länder zu verhängen, die russisches Öl kaufen oder bei der Umgehung von Sanktionen helfen. Begrenzt auf die fünf größten Abnehmer und die fünf größten Sanktionsbrecher.
Es gebe keine bessere Möglichkeit, das Vermächtnis von Senator Graham zu ehren, als diese überparteiliche Vereinbarung voranzutreiben, erklärten die Senatoren in einer gemeinsamen Mitteilung.
Zölle als Allzweckwaffe – ein bekanntes Muster
Man muss kein Zyniker sein, um zu erkennen, wessen Lieblingsinstrument hier ins Gesetz gegossen wird. Donald Trump hat Zölle im Laufe seiner zweiten Amtszeit zum universellen Werkzeug erhoben – 20 Prozent auf EU-Importe, 34 Prozent auf China, 25 Prozent auf Mexiko und Kanada. Nun soll dieses Instrument auch geopolitisch dienstbar gemacht werden. Die entscheidende Frage stellt in Washington freilich kaum jemand: Wer bezahlt am Ende die Zeche, wenn die größten Ölabnehmer Russlands – Indien, China, die Türkei – in ein Handelsgefecht mit den Vereinigten Staaten geraten?
Die Antwort dürfte den deutschen Verbraucher wenig erfreuen. Verwerfungen auf den globalen Energiemärkten haben eine unangenehme Eigenschaft: Sie erreichen Deutschland zuverlässig, meist verzögert und stets mit Aufschlag. Ein Land, das seine Kernkraftwerke aus ideologischer Überzeugung abgeschaltet hat und dessen Energiepolitik einem Blindflug gleicht, ist gegen Preisschocks so gut gewappnet wie ein Kartenhaus gegen Sturm.
Zelensky in Washington – Symbolpolitik mit Kalkül
Die zeitliche Choreografie ist bemerkenswert. Die erste Abstimmung wurde für jenen Abend erwartet, an dem der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in Washington weilte – zur Trauerfeier für Graham, der kurz nach seiner Rückkehr aus der Ukraine verstarb. Graham galt als jener Republikaner, der Trump davon abbrachte, die Unterstützung für Kiew einzustellen, nachdem der Präsident zu Beginn seiner zweiten Amtszeit deutlich abgekühlt war. Nun trägt das Gesetz seinen Namen. Politik lebt von Bildern, und dieses Bild wurde mit Bedacht komponiert.
Was das für Sachwerte bedeutet
Sanktionen, Zolldrohungen, ein andauernder Krieg in Osteuropa und ein eskalierender Nahost-Konflikt – die Gemengelage ist geopolitisch so instabil wie seit Jahrzehnten nicht. Hinzu kommt in Deutschland eine Bundesregierung, die 500 Milliarden Euro an neuen Schulden als Infrastrukturoffensive verkauft und die Klimaneutralität ins Grundgesetz geschrieben hat. Wer glaubt, dass diese Kombination aus Schuldenexplosion und Energieverteuerung ohne Inflationsfolgen bleibt, hat die Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts nicht gelesen.
Papierwerte sind in solchen Phasen das, was sie immer waren: Versprechen. Physisches Gold und Silber hingegen sind kein Versprechen, sondern Besitz. Sie kennen keine Sanktionsliste, keinen Zolltarif und keine Notenbank, die sie über Nacht entwerten kann. Eine vernünftige Beimischung physischer Edelmetalle in ein breit gestreutes Vermögen war selten so naheliegend wie in Zeiten, in denen Regierungen die Weltwirtschaft als Schachbrett behandeln.
Fazit: Härte gegen Moskau, Blindheit gegenüber den eigenen Schwächen
Dass Russlands Kriegskasse durch Öleinnahmen gefüllt wird, ist keine Neuigkeit. Dass der Westen erst nach Jahren zu wirksamen Instrumenten greift, spricht Bände über die Entschlossenheit der vergangenen Regierungen. Und dass Europa dabei erneut zum Zuschauer degradiert wird, während in Washington die Weichen gestellt werden, ist die eigentliche Blamage. Ein Kontinent, der seine eigene Energieversorgung mutwillig demontiert hat, verhandelt nicht mehr – er hofft.
Haftungsausschluss: Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er spiegelt ausschließlich die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wider. Jede Anlageentscheidung erfordert eine eigenständige, sorgfältige Prüfung und erfolgt auf eigenes Risiko. Für individuelle Fragen wenden Sie sich bitte an einen qualifizierten Steuer- oder Rechtsberater. Eine Haftung für Vermögensschäden ist ausgeschlossen.

Deutschland Deutschland Das große Live-Webinar am 29. Juli – wie Sie Ihr Vermögen schützen, ohne auszuwandern
Live mit Marc Friedrich, Peter Hahne, Philip Hopf, Gerald Grosz, Kay Gottschalk & Tim Kellner – moderiert von Dominik Kettner. 100 % kostenlos.





Die Stimmen des Abends

MarcFriedrich

PeterHahne

PhilipHopf

GeraldGrosz

KayGottschalk

TimKellner
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik


















