
Unternehmerin Claudia Obert rechnet mit der deutschen Steuerpolitik ab â und trifft den Nerv der Nation
Es sind Worte, die vielen SelbststĂ€ndigen und Unternehmern in diesem Land aus der Seele sprechen dĂŒrften. Die Hamburger Modeunternehmerin Claudia Obert hat sich in einem vielbeachteten Instagram-Beitrag den Frust von der Seele geredet â ĂŒber eine erdrĂŒckende Steuerlast, ĂŒber miserable Rahmenbedingungen fĂŒr den Mittelstand und ĂŒber eine politische Klasse, die offenbar den Bezug zur wirtschaftlichen RealitĂ€t lĂ€ngst verloren hat.
Wenn der Staat zum gröĂten Kostenfaktor wird
Die 64-JĂ€hrige, die mit ihrem Label âLean Selling" Mode, Schuhe und Accessoires vertreibt und Boutiquen in Hamburg und Berlin betreibt, macht zwischen drei und vier Millionen Euro Umsatz im Jahr. Klingt nach einer Erfolgsgeschichte â wĂ€re da nicht der Staat, der sich wie ein unersĂ€ttlicher Parasit an jedem erwirtschafteten Euro bedient. âDafĂŒr zahle ich Steuern wie der Blöde", bringt Obert die Situation auf den Punkt. Besonders die Umsatzsteuer von 19 Prozent sei ein gewaltiger Kostenfaktor, den sie schlicht mit Enteignung gleichsetzt.
Und wer könnte ihr ernsthaft widersprechen? In einem Land, in dem SelbststĂ€ndige und MittelstĂ€ndler das RĂŒckgrat der Wirtschaft bilden, werden genau diese LeistungstrĂ€ger systematisch geschröpft. Das Finanzamt verlange sogar Vorauszahlungen, selbst wenn die UmsĂ€tze lĂ€ngst eingebrochen seien â dem Fiskus sei das schlicht egal, berichten andere Unternehmer in den Kommentaren unter Oberts Beitrag.
Merz und die Work-Life-Balance: Leere Worte aus dem Kanzleramt
Besonders pikant wird es, wenn Obert auf Bundeskanzler Friedrich Merz zu sprechen kommt. Der CDU-Mann fordert bekanntlich gebetsmĂŒhlenartig, die Deutschen mĂŒssten mehr arbeiten, und hĂ€lt von der sogenannten Work-Life-Balance herzlich wenig. Eine bequeme Forderung aus dem Chefsessel des Kanzleramts, möchte man meinen.
Obert hĂ€lt dagegen â und zwar mit der AutoritĂ€t einer Frau, die weiĂ, wovon sie redet. Sie sei mehrfach in ihrem Leben nahe an einem Burnout gewesen, und das sei âetwas sehr Ungesundes". Als Managerin mĂŒsse sie Quartalszahlen abliefern, als ehemalige SekretĂ€rin kenne sie aber auch die Perspektive normaler Angestellter, die ihre Urlaubstage abzĂ€hlen mĂŒssten. Es ist diese Bodenhaftung, die vielen Berufspolitikern so schmerzlich fehlt â jenen Damen und Herren, die vom Hörsaal direkt in den Bundestag gewechselt sind, ohne jemals einen einzigen Euro selbst erwirtschaftet zu haben.
âDie sollen erst mal bei sich selbst hundert Milliarden einsparen"
Die zentrale Forderung der Unternehmerin ist so simpel wie bestechend: Bevor man den BĂŒrgern immer neue Lasten aufbĂŒrde, solle die Politik zunĂ€chst bei sich selbst den Rotstift ansetzen. Obert wĂŒrde sich gerne einmal im Detail anschauen, was im Finanzministerium eigentlich mit dem ganzen Steuergeld passiere. Sie sei ĂŒberzeugt, dort etliche Milliarden einsparen zu können â aber ausdrĂŒcklich nicht bei den Sozialleistungen. Hundert Milliarden bei der Verwaltung und dem aufgeblĂ€hten Staatsapparat einzusparen, das sei âĂŒberhaupt keine Kunst".
Man muss kein Wirtschaftsprofessor sein, um zu erkennen, dass sie damit einen wunden Punkt trifft. Deutschland leistet sich einen der teuersten Staatsapparate der westlichen Welt. Hunderte Beauftragte, Kommissionen und Gremien verschlingen Milliarden, wĂ€hrend gleichzeitig BrĂŒcken bröckeln, Schulen verfallen und die Digitalisierung der Verwaltung einem schlechten Witz gleicht. Und nun plant die neue GroĂe Koalition unter Merz auch noch ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen â auf Pump, versteht sich â, das kommende Generationen ĂŒber Jahrzehnte hinweg durch Steuern und Abgaben werden finanzieren mĂŒssen.
Die Reaktionen: Ein Volk am Limit
Die Kommentare unter Oberts Beitrag lesen sich wie ein Stimmungsbild der geschundenen deutschen Mittelschicht. Viele fordern sie auf, im Bundestag zu reden oder gleich selbst in die Politik zu gehen. Eine Steuerfachgehilfin mit 35 Jahren Berufserfahrung schreibt, jede Hausfrau wĂŒrde den Bundeshaushalt besser managen als die aktuelle Regierung â âweil sie wissen, wie man mit Geld umgeht". Andere verweisen auf die absurde Mehrfachbesteuerung in Deutschland: Steuern auf bereits versteuerte Einfuhren, Steuern auf eine Rente, fĂŒr die bereits Lohnsteuer gezahlt wurde. Ein System, das sich selbst ad absurdum fĂŒhrt.
NatĂŒrlich gibt es auch die ĂŒblichen Beschwichtiger, die meinen, wer unzufrieden sei, könne ja auswandern. Ein zynischer Ratschlag, der das eigentliche Problem elegant umschifft. Denn genau das tun immer mehr LeistungstrĂ€ger tatsĂ€chlich â sie kehren Deutschland den RĂŒcken. Und mit jedem Unternehmer, der geht, verliert dieses Land ein StĂŒck seiner wirtschaftlichen Substanz.
Claudia Obert mag vielen vor allem als schillernde Reality-TV-Persönlichkeit bekannt sein. Doch in ihren wirtschaftspolitischen Einlassungen zeigt sie mehr gesunden Menschenverstand als so mancher Abgeordnete, der im Bundestag ĂŒber Steuergesetze abstimmt, die er selbst nicht versteht. Vielleicht wĂ€re es tatsĂ€chlich an der Zeit, dass mehr Menschen mit praktischer Wirtschaftserfahrung in der Politik mitmischen â und weniger Berufspolitiker, deren einzige Qualifikation darin besteht, ParteibĂŒcher zu sammeln.
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