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27.04.2026
07:37 Uhr

Walfang der besonderen Art: Wie ein SPD-Minister ein leidendes Tier zur Wahlkampfbühne macht

Walfang der besonderen Art: Wie ein SPD-Minister ein leidendes Tier zur Wahlkampfbühne macht

Es gibt Bilder, die brennen sich ins kollektive Gedächtnis ein. Und dann gibt es Bilder, die ein Politiker bewusst inszeniert, weil er hofft, sie mögen sich einbrennen – am besten so tief, dass am Wahltag genügend Erinnerung übrigbleibt, um ein Kreuz an der richtigen Stelle zu setzen. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) hat mit dem Buckelwal "Timmy", der vor der Insel Poel auf einer Sandbank festsitzt, offenbar genau diese Sorte Bild gefunden.

Der Minister, der Wal und der nahende Wahltag

Am Wochenende ließ sich der 67-jährige Sozialdemokrat erneut zu dem erschöpften Meeressäuger fahren. Anschließend berichtete er der Öffentlichkeit, die Begegnung sei "hochinteressant" gewesen. Er habe das Tier sogar angefasst. Bereits am Freitag hatte Backhaus betont, er sei direkt an dem Wal dran gewesen. Eine Woche zuvor hatte er medienwirksam eine ganze Nacht beim Tier verbracht – Schlaf? Daran denke er nicht mehr, ließ er seine Wähler wissen. So spricht ein Mann, der sich seiner Mission verschrieben hat. Oder ein Mann, der weiß, dass seine Partei in Umfragen hoffnungslos hinter der AfD herhinkt und im September eine Landtagswahlniederlage historischen Ausmaßes droht.

Der Zufall will es, dass die rührende Wal-Geschichte gerade jetzt erzählt wird. Wenige Monate vor der Wahl. Wer wollte da unkeusche Verbindungen zwischen Tierschutz und Stimmenfang ziehen?

Experten entsetzt: Streicheln als Bedrohung

Während der Minister sich als Wal-Flüsterer inszeniert, schlagen Tierschützer und Wissenschaftler Alarm. Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) erklärte, der Kontakt zu Menschen bedeute für Wildtiere stets eine enorme Belastung – auch und gerade für Meeressäuger. Besonders fassungslos zeigten sich die Experten über Backhaus' Hang zur Vermenschlichung des Tieres. "Wenn man bei ihm ist und er Vertrauen zu fassen scheint, hebt er den Kopf", hatte der Minister geschwärmt. Eine Interpretation, die laut Fachleuten schlicht falsch sei: Menschliche Reaktionen ließen sich nicht auf wilde Tiere übertragen.

Physische Eingriffe an einem solchen Tier dürften ohnehin nur in absoluten Ausnahmesituationen, mit minimalem Personaleinsatz und in kurzen, gezielten Maßnahmen erfolgen. Backhaus' Boot lärmt jedoch ebenso wie die Geräte der offensichtlich überforderten Helfer. Berührungen, wie der Minister sie ausführt, könnten von dem Buckelwal als Bedrohung wahrgenommen werden. Auch das Deutsche Meeresmuseum übte deutliche Kritik: Wildtiere seien nicht an Menschen gewöhnt, jede Annäherung und insbesondere Lärm bedeuteten enormen Stress und lösten in der Regel Fluchtverhalten aus. Der Wal aber könne nicht fliehen – das mache die Situation umso dramatischer.

Greenpeace: "Würdeloses Gezerre"

Selbst Greenpeace, sonst nicht gerade zimperlich mit medialer Inszenierung, fand deutliche Worte. Meeressäuger-Experte Thilo Maack erklärte, keinem Wildtier an Land – sei es ein sterbender Wolf, Hirsch oder ein Wildschwein – würde man ein solch würdeloses Gezerre zumuten. Ein bemerkenswerter Satz, denn er beschreibt im Kern, was hier geschieht: Ein Tier in höchster Not wird zum politischen Werkzeug umfunktioniert. Der Wal als Wahlplakat aus Fleisch und Blut.

Vom Lastkahn in den Atlantik – und dann?

Backhaus sorgt sich nun lautstark um "Timmy". Das Tier habe deutlich an Gewicht verloren. Vitamin-Spritzen und Nahrungsergänzungsmittel sollen nun helfen. Außerdem sei der zwölf Meter lange Meeressäuger weiterhin transportfähig. Der neue Plan: Ein Lastkahn solle den Wal mehrere Tage lang in die Nordsee und schließlich in den Atlantik bringen. Auf dem Schiff erhalte das Tier eine Art stählernes Aquarium. Ein Schlepper zieht die Barge.

Backhaus befürworte das Konzept – aber, und das ist die Pointe der Geschichte, die Verantwortung dafür lehne er entschieden ab. Diese liege ausschließlich bei der Initiative, die seit Wochen vergeblich versuche, den Wal aus der Ostsee zu bergen. Ein Politiker, der den Ruhm einsacken, das Risiko aber elegant weiterreichen will – das hat man so noch selten in dieser Klarheit erlebt.

Und schon jetzt zeigt sich die nächste Panne in dieser Posse: Der Sender, den man dem Tier verpasst hat, ist nicht wasserdicht. Die Route des Wals lasse sich somit nicht verfolgen, sollte er den Atlantik tatsächlich lebend erreichen. In hektischer Eile soll nun ein neuer Sender implantiert werden – einer, der auch dann noch Signale aussendet, wenn das Tier taucht oder tot auf den Meeresboden sinkt. Ein Detail, das viel über die Professionalität der ganzen Aktion verrät.

Politik im Zeichen der Selbstinszenierung

Die Causa Backhaus ist mehr als eine skurrile Episode aus dem hohen Norden. Sie ist ein Lehrstück darüber, wie weit Politiker zu gehen bereit sind, wenn Umfragen bröckeln und Wahltermine drängen. Wenn die eigene Partei keine inhaltlichen Antworten mehr findet, wird ein zwölf Tonnen schwerer Buckelwal zur PR-Maschine umfunktioniert. Dass dabei das eigentliche Wohl des Tieres auf der Strecke bleibt, dass Experten warnen, dass der Stress den ohnehin geschwächten Wal weiter schwächt – all das scheint sekundär.

Während die Wähler in Mecklenburg-Vorpommern sich ihre Gedanken über bezahlbare Energie, Migration, Sicherheit und die wirtschaftliche Zukunft ihres Bundeslandes machen, präsentiert ihnen der Umweltminister gestreichelte Meeressäuger. Ob diese Strategie aufgeht, wird sich im September zeigen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Wähler durchschauen, was hier gespielt wird, dürfte allerdings höher sein, als es dem Minister lieb sein kann. Denn auch das Volk hat seine Würde – und merkt, wenn es für dumm verkauft werden soll.

Bleibt am Ende ein leidendes Tier, ein blamierter Tierschutzdiskurs und ein Politiker, der aus der Not eines Wals seinen eigenen Vorteil schlagen will. Was lehrt uns das? Dass die Schaubühne der deutschen Politik manchmal beschämende Züge annimmt. Und dass der Buckelwal "Timmy" sich gewiss eine andere Begleitung gewünscht hätte als jene, die ihm gerade widerfährt.

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