
Weckruf von der Akropolis: Rubio rechnet mit Europas Selbstzweifel ab!

US-Außenminister Marco Rubio hat am Mittwoch in Athen eine Grundsatzrede gehalten, die in Brüssel und Berlin noch lange nachhallen dürfte. Auf dem Pnyx-Hügel, mit dem Parthenon im Rücken, warnte er Europa vor offenen Grenzen, dem Verlust von Souveränität, einem wuchernden Bürokratiestaat und der Abwanderung der Industrie. Seine Botschaft lässt sich auf einen Satz bringen: Jetzt handeln oder für immer die Chance verspielen.
Ein Ort mit Symbolkraft
Die Kulisse hatte Rubio mit Bedacht gewählt. Auf der Pnyx kam in der Antike die athenische Volksversammlung zusammen. Hier wurde Demokratie zum ersten Mal gelebt. Den Auftritt absolvierte Rubio Berichten zufolge im Rahmen einer Europareise, die ihn zuvor nach Island geführt hatte. In Athen traf er auch Griechenlands Premier Kyriakos Mitsotakis.
Gleich zu Beginn holte er weit aus. Er erinnerte an das Jahr 480 vor Christus, als die Perser unter Xerxes Athen niederbrannten. Die Athener hätten die Trümmer ihrer Heiligtümer begraben und Jahrzehnte später unter Perikles den Parthenon errichtet. Ein Bild, das sitzt: Aus der Asche kommt der Aufstieg, nicht die Kapitulation.
„Zu oft bauen wir heute nach unten“
Rubio pries Individualität, Ehrgeiz, Entdeckergeist und Neugier. Diese Tugenden habe der Westen von den Griechen geerbt. Doch viele Ideologien der Gegenwart strebten nach einer Welt ohne Risiko und ohne Scheitern, in der es weder Ruhm noch Niederlage gebe. Die Erbauer des Parthenon hätten nach oben gebaut, wir dagegen täten heute zu oft das Gegenteil.
Besonders deutlich wurde der Republikaner, als er auf den Umgang des Westens mit der eigenen Identität zu sprechen kam:
„Das Wort ‚Nationalismus‘ wurde zu einem Schimpfwort. Also rissen wir unsere Denkmäler nieder; wir verurteilten unsere eigene Geschichte. Und an zu vielen Orten brachten wir unseren Kindern bei, sich für die Länder zu schämen, die sie eines Tages erben würden.“
Wer an deutsche Debatten über umbenannte Straßen, Schuldkult im Lehrplan und den moralischen Zeigefinger mancher Sendeanstalten denkt, dürfte sich ertappt fühlen.
Die Diagnose, die Berlin nicht hören will
Dann folgte die Abrechnung. Der Westen habe seine Grenzen geöffnet, seine Industrie ins Ausland verlagert und seine Streitkräfte verkümmern lassen. Jahr für Jahr sei mehr Souveränität an globale Bürokratien abgegeben worden, die sich jeder Kontrolle entzögen.
Für Deutschland passt das wie ein Spiegel. Energieintensive Betriebe wandern ab, die Bundeswehr musste mit Milliardenschulden notdürftig wieder flottgemacht werden, und aus Brüssel kommt eine Regulierungswelle nach der anderen. Das Sondervermögen der Merz-Regierung soll Abhilfe schaffen. Bezahlen werden es aber kommende Generationen.
Amerikas Gegenentwurf
Washington setze dagegen, so Rubio, auf das selbstbewusste Streben nach nationaler Macht: Lieferketten zurückholen, die Wirtschaft reindustrialisieren, die Verteidigung neu aufbauen, bei den Zukunftstechnologien vorne mitspielen. Der Westen stehe an einem Wendepunkt, sagte er, und nicht nur die USA, sondern die ganze Zivilisation.
Ausgestreckte Hand statt erhobener Faust
Bemerkenswert: Rubio setzt nicht auf Konfrontation. Er glaube, Europa könne aus seinem langen Schlaf erwachen und das Feuer neu entfachen, das in Athen vor Jahrtausenden entzündet worden sei. Institutionen und Bündnisse müssten gemeinsam wieder aufgebaut werden.
Die Rede steht in einer Reihe mit den viel beachteten Auftritten von Vizepräsident J.D. Vance und Rubio selbst auf den vergangenen beiden Münchner Sicherheitskonferenzen. Sie ist zudem offizielle Linie: Die unter Trump erneuerte Nationale Sicherheitsstrategie schreibt die „Förderung europäischer Größe“ fest und will Europas Zivilisation vor einer „Erosion“ bewahren.
Rubio gilt als möglicher Trump-Nachfolger für 2028, auch wenn er solche Spekulationen bislang zurückweist. Wer ihn in Athen hörte, bekam eine Ahnung davon, wie ein Präsident Rubio klingen könnte. Und die Frage drängt sich auf: Warum muss ein Amerikaner den Europäern sagen, was ihre eigenen Regierungschefs längst hätten aussprechen müssen?
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