
Wegners großes Schweigen: Wie der Berliner Bürgermeister am Tag des Mega-Blackouts abtauchte – und der Senat heute keine einzige Akte vorweisen kann

Es gibt politische Skandale, die mit einem Knall beginnen. Und es gibt jene, die wie ein langsamer Frost durch das Mauerwerk einer Regierung kriechen, bis das Fundament bricht. Die Affäre um den Berliner Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) gehört zur zweiten Sorte – und sie wird mit jeder Woche brisanter, in der die Senatskanzlei mauert, schweigt und Akten in Luft auflösen lässt.
Vom selbsternannten Krisenmanager zum Tennisspieler
Rückblende: Am 3. Januar 2026 erlebte Berlin den schwersten Stromausfall seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Mehr als 100.000 Menschen saßen tagelang in Kälte und Finsternis. Verursacht wurde das Desaster mutmaßlich durch einen linksextremistischen Anschlag – ein Detail, das in der öffentlichen Debatte erstaunlich rasch unter den Teppich gekehrt wurde. Während andere Hauptstädte Europas in einer solchen Lage Krisenstäbe rotieren lassen, hatte Berlin seinen obersten Repräsentanten – nun ja, irgendwo.
Wegners erste Erzählung klang noch aufgeräumt: Er habe von zu Hause aus koordiniert, telefoniert, geführt. Doch dann sickerte das Tennisspiel durch. Zwischen 13 und 14 Uhr schwang der Regierende Bürgermeister den Schläger, um – Originalton – „den Kopf freizukriegen“. Während Berliner Senioren in unbeheizten Wohnungen ausharrten, fühlte sich der Hausherr des Roten Rathauses offenbar berufen, eine Runde Aufschlag und Volley einzulegen.
Eine Senatskanzlei ohne Akten – wie ist so etwas möglich?
Besonders heikel: In einer offiziellen Antwort an das Berliner Abgeordnetenhaus wurde eine Falschaussage protokolliert. Die Bezirksbürgermeisterin von Steglitz-Zehlendorf widersprach der Senatsdarstellung deutlich – es habe an jenem Tag keinen Kontakt zum Regierenden gegeben. Kein Anruf, keine Nachricht, kein Lebenszeichen. Vom angeblich intensiven Krisenmanagement bleibt am Ende ein einziges nachweisbares Telefonat übrig, geführt um 22.37 Uhr – mehr als 16 Stunden nach Beginn des Blackouts.
Sieben Anträge nach dem Berliner Informationsfreiheitsgesetz hat eine Hauptstadtredaktion an die Senatskanzlei gerichtet. Die Antwort? Vier Ablehnungen mit der entwaffnenden Begründung, es seien „keine entsprechenden Akten vorhanden“. Keine Krisenvermerke. Keine Terminübersichten. Keine Telefonlisten. Keine Konferenzprotokolle. In einer 3,9-Millionen-Stadt erklärt die oberste Behörde amtlich, dass über das Tun ihres Chefs am Tag der schwersten Versorgungskrise seit Jahrzehnten schlicht nichts dokumentiert sei.
Sicherheitsbedenken als Feigenblatt
Wo doch noch etwas existieren könnte, zückt die Senatskanzlei den Joker: § 11 IFG, „sicherheitsrelevante Bedenken“. Aus Wegners Aufenthaltsort und seinen Telefonzeiten ließen sich angeblich Rückschlüsse auf die Bedrohungslage kritischer Infrastruktur ziehen. Eine Argumentation, die selbst wohlwollende Beobachter mit hochgezogener Augenbraue zur Kenntnis nehmen dürften. Seit wann ist die Frage, ob ein Bürgermeister überhaupt in seiner eigenen Stadt war, Staatsgeheimnis?
Übrig bleibt ein einziger dürrer Satz: Wegner habe ab 19.30 Uhr digital am Krisenstab teilgenommen – aus dem Homeoffice. Wo dieses Homeoffice lag, ob in Berlin, in Brandenburg oder gänzlich anderswo, darüber schweigt der Bescheid wie ein Stein.
Eine Spur ins Havelland
Genau hier wird es pikant. Recherchen führten zur Havellandhalle im brandenburgischen Dallgow-Döberitz. Dort soll Wegner Tennis gespielt haben – also außerhalb Berlins, während die Hauptstadt im Dunkeln versank. Geschäftsführer der Halle ist ein Unternehmer, dem Verbindungen zur CDU nachgesagt werden, ohne dass eine offene Parteimitgliedschaft dokumentiert wäre. Ein mutmaßlicher Draht in die Partei, ein verschwiegenes Tennisrefugium am Stadtrand – das Bild, das hier entsteht, wirkt nicht eben staatstragend.
Privatleben, das politische Performance überlagert?
Hinzu kommen Beobachtungen, die das Bild eines bürgerlich-zurückhaltenden Regierenden ins Wanken bringen. Augenzeugen berichten, Wegner sei mehrfach mit seiner Büroleiterin öffentlich gesichtet worden – beim Heimspiel des 1. FC Union Berlin etwa, im Beisein des israelischen Botschafters. Die Frage, die sich der Berliner Wähler stellen darf, lautet nicht, was ein Politiker privat treibt – sondern ob private Termine die staatliche Krisenreaktion verdrängt haben.
Innerparteiliche Erosion: Die CDU sortiert sich neu
Während Wegner schweigt und seine Pressekonferenzen den Charme einer Beschwörungsformel haben („Es ist alles gesagt“ – sechsmal hintereinander), bringen sich in der Partei längst Alternativen in Stellung. Stefan Evers und Felor Badenberg werden in CDU-Kreisen als mögliche Ersatzkandidaten gehandelt. Ein Politiker beschreibt die Haltung des Regierenden mit dem vernichtenden Satz „Nach mir die Sintflut“. Ausgerechnet Wegner, der bislang als Ausnahme-Netzwerker und personifizierte Berliner CDU galt, steht plötzlich innerparteilich isoliert. Das ist die wahre Wucht dieser schleichenden Affäre.
Ein Lehrstück über den Zustand der politischen Klasse
Diese Affäre ist mehr als ein Berliner Provinzdrama. Sie ist ein Lehrstück darüber, wie weit sich Teile der politischen Klasse vom Bürger entfernt haben. Eine Stadt versinkt in Kälte und Dunkelheit, Familien bangen um ihre Kinder, Pflegeheime improvisieren mit Notstromaggregaten – und der oberste Repräsentant der Stadt hält offenbar einen Tennistermin für wichtiger als ein Lagezentrum. Anschließend wird der Vorgang nicht etwa schonungslos aufgeklärt, sondern weggemauert, vernebelt, mit Sicherheitsbedenken verklausuliert.
Wer sich fragt, warum das Vertrauen in die Politik in Deutschland im freien Fall begriffen ist, findet hier eine Antwort in Reinform. Es ist dasselbe Muster, das man in Berlin und im Bund seit Jahren beobachtet: Verantwortung wird beschworen, aber nie übernommen. Akten verschwinden, Kalender bleiben leer, Erinnerungslücken werden zur Standardausrede. Und am Ende ist es immer der Steuerzahler, der die Rechnung begleicht – sei es in Form maroder Infrastruktur, sei es in Form eines Vertrauensverlustes, der die Demokratie aushöhlt.
Die eigentliche Frage
Die entscheidende Frage richtet sich nicht mehr nur an Wegner persönlich. Sie richtet sich an seine Partei: Schaffen es die Berliner Christdemokraten, rechtzeitig die Reißleine zu ziehen – oder lassen sie sich von einem Regierenden, der „den Kopf freikriegen“ musste, in eine Wahlniederlage führen? Und sie richtet sich an alle Bürger der Hauptstadt: Wie viel Staatsversagen will man eigentlich noch akzeptieren, bevor man konsequent handelt?
Eine Stadt, die sich im Notfall nicht auf ihre Regierung verlassen kann, ist keine funktionierende Hauptstadt mehr. Sie ist ein politisches Mahnmal. Wer in solchen Zeiten an die eigene Vermögenssicherung denkt, dem sei in Erinnerung gerufen: Während Akten verschwinden, Stromnetze versagen und politische Versprechen wie Schnee in der Sonne dahinschmelzen, behalten physische Edelmetalle wie Gold und Silber seit Jahrtausenden ihren Wert. Eine sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Portefeuille – gerade in Zeiten, in denen das Vertrauen in staatliche Institutionen erodiert.
Hinweis der Redaktion
Dieser Beitrag gibt die Meinung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wieder. Wir betreiben keine Anlageberatung. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte vor jeder Entscheidung eigene Recherchen durchführen oder qualifizierten Rat einholen.

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