
Whiskey frei, Kanada dicht: Trumps Zoll-Willkür trifft die EU ins Mark

Ein Golfturnier an der irischen Westküste, ein Satz ins Mikrofon – und ein Zollsatz ist Geschichte. US-Präsident Donald Trump hat am Sonntagabend zum Abschluss seines zweitägigen Irland-Besuchs angekündigt, die zehnprozentigen Einfuhrzölle auf irischen Whiskey zu streichen. Fast zeitgleich läuft die Frist für ein weitgehendes US-Einfuhrverbot gegen kanadischen Alkohol.
Verkündet wurde der Zoll-Erlass nicht im Weißen Haus, sondern bei der Siegerehrung der Irish Open in Doonbeg – auf einem Golfplatz, der Trumps Familie gehört. Die Zuschauer jubelten.
Ein Geschenk für Dublin – Brüssel schaut zu
Politisch brisant ist vor allem der Zusatz, den Trump später am Flughafen Shannon nachschob: Die Befreiung gelte ausschließlich für Irland, nicht für die gesamte EU. Zur Begründung sagte er sinngemäß, die Lage sei sehr unfair gewesen, weil andere die Entlastung längst hätten – und viele Leute hätten ihn darum gebeten.
Tatsächlich saßen irische Brenner in der Falle: Schottischer und nordirischer Whisky kam zollfrei in die USA, irischer Whiskey aus der Republik zahlte zehn Prozent. Nach Angaben des irischen Whiskey-Verbands brachen die Exporte im ersten Halbjahr um gut 20 Prozent ein, im Vorjahr lagen die Verkäufe rund neun Prozent im Minus.
Der irische Regierungschef Micheál Martin hatte das Thema bei einem Treffen am Samstag angesprochen. Auch Golfprofi Shane Lowry, der das Turnier mit elf Schlägen Vorsprung gewann, soll nachgehakt haben. Zwei Bitten – ein Zoll weg. So funktioniert Handelspolitik im Jahr 2026.
Während Irland feiert, wird Kanada abgeriegelt
Die andere Seite derselben Medaille zeigt sich im Norden. Medienberichten zufolge hat die US-Regierung Anfang September per Anordnung ein Einfuhrverbot für einen Großteil kanadischer alkoholischer Getränke, Motorräder und Milchprodukte verfügt, das Ende September greifen soll. Washington begründet den Schritt demnach mit kanadischen Vergeltungszöllen.
Importeure fürchten Umsatzeinbrüche, einzelne Marken suchen bereits nach Schlupflöchern – etwa über die Abfüllung in US-Anlagen. Für Verbraucher dürfte das Ergebnis absehbar sein: weniger Auswahl, höhere Preise.
Was das für deutsche Exporteure bedeutet
Für die Bundesregierung und die EU-Kommission ist die irische Ausnahme eine Ohrfeige mit Zuckerguss. Ein einzelner Mitgliedstaat holt sich am Golfplatz eine Entlastung ab, während Brüssel seit Monaten über Rahmenabkommen verhandelt. Beobachter fragen sich zu Recht, wie belastbar eine europäische Handelsdiplomatie ist, die auf solche Zurufe keine Antwort findet.
Deutsche Maschinenbauer, Autohersteller und Zulieferer, die weiterhin mit US-Zöllen leben müssen, dürften die Bilder aus Doonbeg mit gemischten Gefühlen gesehen haben. Verlässliche Regeln sehen anders aus.
Handelspolitik wird zur Verhandlungssache einzelner Gespräche – wer den Draht hat, bekommt die Ausnahme.
Unberechenbarkeit als neue Normalität
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Vorgang das eigentliche Risiko: Nicht die Höhe einzelner Zölle ist das Problem, sondern die Geschwindigkeit, mit der sie kommen und gehen. Lieferketten lassen sich nicht im Wochentakt umbauen, Investitionsentscheidungen schon gar nicht.
Wer sein Vermögen gegen politische Sprunghaftigkeit absichern will, greift traditionell zu Sachwerten, die keiner Regierung gehören. Physisches Gold und Silber sind seit Jahrhunderten die stille Reserve für Zeiten, in denen Handelsregeln über Nacht neu geschrieben werden – als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir führen keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung durch. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.
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