
Zins-Hammer bis 2027: Notenbanken ziehen die Daumenschrauben an!

Die Zinswende ist zurück, nur diesmal in die falsche Richtung. Laut einer am Wochenende veröffentlichten Analyse von Bloomberg Economics gehen die großen Notenbanken der Welt mit einer noch strafferen Geldpolitik ins Jahr 2027. Die Ökonomen haben die Aussichten für 23 Zentralbanken untersucht, die zusammen rund 90 Prozent der Weltwirtschaft abdecken.
Im Januar hatten die Märkte noch mit sinkenden Zinsen gerechnet. Davon ist heute nichts mehr übrig.
Vom Zinssenkungs-Traum zum Straffungs-Albtraum
Dem Bericht zufolge preist ein Sammelindikator für die Leitzinsen der Industrieländer inzwischen fast eine volle Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt ein. Dieses höhere Niveau dürfte dann länger bestehen bleiben. Als Treiber nennen die Analysten den Krieg im Nahen Osten, eine robuste Konjunktur, den KI-Boom und die Spendierfreude der Regierungen.
Der Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs hatte den Rohstoff zeitweise wieder über 100 Dollar je Barrel getrieben. Für Notenbanker ist das ein Albtraum. Auch der Internationale Währungsfonds schlägt Alarm: IWF-Chefin Kristalina Georgieva habe für einen „prudently hawkish bias“ geworben, also für eine vorsichtig straffe Grundhaltung. Diese Woche treffen sich die Währungshüter zur IWF-Jahrestagung in Bangkok.
EZB: Zwei Erhöhungen, und die nächste könnte folgen
Die Europäische Zentralbank hat den Einlagenzins 2026 bereits zweimal angehoben, im Juni und im September, auf jetzt 2,5 Prozent. Bloomberg Economics rechnet mit einem weiteren Schritt im Dezember auf 2,75 Prozent. Die Teuerung im Euroraum kletterte im September Berichten zufolge auf 3,8 Prozent. Das Inflationsziel von zwei Prozent ist damit fast doppelt überschritten.
Für Sparer bedeutet das eine bittere Rechnung. Bei 2,5 Prozent Zins und 3,8 Prozent Inflation verliert ihr Geld real Jahr für Jahr an Wert. Die Notenbank erhöht die Zinsen also nur hinterher und holt die Preise nicht ein.
Dazu kommt ein weiteres Problem: An den Anleihemärkten wächst der Druck, vor allem auf Frankreich. Laut der Analyse halten Marktteilnehmer es für möglich, dass die EZB ein Notfallprogramm zum Kauf von Staatsanleihen hervorholen muss. Haushaltsdisziplin hätte das verhindern können.
Fed unter Trumps Dauerfeuer
In den USA hat die Federal Reserve unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh im September die Zinsen angehoben, obwohl Präsident Trump lautstark niedrigere Sätze fordert. Die Obergrenze des Leitzinses liegt nun bei 4 Prozent. Die Märkte erwarten bis Ende 2027 weitere 0,75 Prozentpunkte. Bloomberg Economics hält dagegen eine Pause für wahrscheinlicher. Auch die Bank of England, die Bank of Japan und die indische Notenbank stehen auf der Bremse oder treten sie bereits.
Die unbequeme Wahrheit über die Staatsausgaben
Ein Punkt sollte gerade deutsche Leser aufhorchen lassen. Die Ökonomen zählen ausdrücklich die üppigen Staatsausgaben zu den Inflationstreibern. Berlin hat mit dem 500-Milliarden-Sondervermögen auf Pump selbst kräftig mitgemacht, obwohl Kanzler Merz solide Finanzen versprochen hatte. Wer Schulden in diesem Umfang aufnimmt, sollte sich über steigende Preise und Zinsen nicht wundern.
Laut Medienberichten hat die Bundesregierung zum 1. Oktober die Energiesteuer auf Kraftstoffe gesenkt. Das lindert die Symptome an der Zapfsäule, löst das Grundproblem aber nicht.
Was das für Ihr Vermögen bedeutet
Die Analysten warnen zudem vor Risiken für die Finanzstabilität, darunter ein mögliches Platzen der KI-Blase und Spannungen am Anleihemarkt. Die Renditen langlaufender Anleihen liegen auf dem höchsten Stand seit Jahrzehnten. Aktien, die stark vom KI-Hype leben, sind damit verwundbarer geworden.
Wer sein Erspartes vor schleichender Entwertung, politischen Fehlern und Turbulenzen an den Märkten schützen will, kommt an physischen Edelmetallen kaum vorbei. Gold und Silber hängen nicht vom Versprechen einer Regierung oder einer Notenbank ab. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio sind sie seit Generationen ein Anker in unsicheren Zeiten.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten oder Edelmetallen. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und trägt für seine Anlageentscheidungen allein die Verantwortung.
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