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Kettner Edelmetalle
25.09.2026
11:51 Uhr
KI-generiert

Atom-Comeback in Taiwan: Chip-Insel zieht die Notbremse beim Ausstieg!

Atom-Comeback in Taiwan: Chip-Insel zieht die Notbremse beim Ausstieg!
Symbolbild: KI-generiert

Erst abgeschaltet, jetzt womöglich wieder angeworfen: Taiwans Atomaufsicht hat den Plan des staatlichen Versorgers Taipower gebilligt, das stillgelegte Kernkraftwerk Maanshan wieder in Betrieb zu nehmen. Die Entscheidung wurde Ende September 2026 bekannt. Nur 16 Monate nach dem vollzogenen Atomausstieg ist das eine bemerkenswerte Kehrtwende.

Erste Hürde genommen, doch Strom fließt noch lange nicht

Eine Betriebserlaubnis ist die Billigung allerdings noch nicht. Taipower muss den Plan erst umsetzen und die Ergebnisse dann erneut zur Prüfung vorlegen. Nach Angaben des taiwanischen Senders PTS geht es dabei vor allem um drei Punkte: die Erdbebensicherheit, den Strahlenschutz und die Alterung der Anlagenteile.

Die Aufsicht will die Berichte prüfen und auch vor Ort kontrollieren. Taipower selbst rechnet laut Fachmedien mit 18 bis 24 Monaten für unabhängige Sicherheitsinspektionen. Wirtschaftsminister Kung Ming-hsin hatte Bloomberg zufolge erklärt, ein Neustart sei frühestens 2028 möglich.

Vom „atomfreien Heimatland“ zurück zur Vernunft?

Maanshan liegt an der Südspitze der Insel und war Taiwans letztes aktives Kernkraftwerk. Im Mai 2025 lief die 40 Jahre gültige Genehmigung aus, der zweite Reaktor ging vom Netz. Damit war das Ziel erreicht, das die regierende Demokratische Fortschrittspartei 2016 ausgegeben hatte: ein „atomfreies“ Taiwan bis 2025.

Der Preis dafür war hoch. Laut Daten der Internationalen Energieagentur stammten 2023 rund 42 Prozent des Stroms aus Kohle und 40 Prozent aus Erdgas. Das Ziel, bis 2025 ein Fünftel des Stroms aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen, wurde deutlich verfehlt. Und die Insel importiert Branchenangaben zufolge rund 98 Prozent ihrer Energie. Klingt vertraut?

Das Parlament, in dem die Opposition aus Kuomintang und Taiwanischer Volkspartei die Mehrheit hat, reagierte schon im Mai 2025. Eine Gesetzesänderung erlaubt seitdem Laufzeitverlängerungen um 20 Jahre, also auf insgesamt bis zu 60 Jahre. Im März 2026 reichte Taipower dann den Wiederanlaufplan ein.

Chips, KI und die Angst vor der Blockade

Das Motiv liegt auf der Hand. Taiwan ist das Herz der weltweiten Halbleiterindustrie. Chipfabriken brauchen Strom rund um die Uhr, ohne Schwankungen. Dazu kommt der Hunger von Rechenzentren und Künstlicher Intelligenz.

Bloomberg zufolge hat der Krieg im Nahen Osten die Frage zusätzlich verschärft, wie abhängig Taiwan von importierten fossilen Brennstoffen bleiben darf. Für eine Insel, die im Ernstfall eine Seeblockade durch China fürchten muss, ist jeder Tanker ein Risiko. Befürworter sehen in bestehenden Reaktoren deshalb eine zusätzliche und verlässliche Stromquelle. Umstritten bleiben aber die Sicherheit im erdbebengefährdeten Land und die Lagerung des Atommülls.

Klare Mehrheit, trotzdem gescheitert

Wie tief der Graben ist, zeigte die Volksabstimmung vom 23. August 2025. Rund 74 Prozent der Wähler stimmten für den Weiterbetrieb, das waren 4,34 Millionen Stimmen. Die Beteiligung lag aber nur bei knapp 30 Prozent. Nötig gewesen wäre die Zustimmung von einem Viertel aller Wahlberechtigten, also etwa fünf Millionen Menschen. Präsident Lai Ching-te sagte damals, man werde fortschrittliche Kernenergie nicht ausschließen, wenn die Technik sicherer werde und die Gesellschaft sie stärker akzeptiere.

Ein Lehrstück, auch für Berlin

Deutschland schaltete seine letzten drei Meiler im April 2023 ab und baut sie seitdem zurück. Taiwan zeigt, dass ein Ausstieg auch rückgängig gemacht werden kann, wenn Wirtschaft und Versorgungssicherheit auf dem Spiel stehen. Kritiker der deutschen Energiewende dürften genau hinschauen. Denn eine Industrienation, die sich bei der Energie abhängig macht, verliert an Stärke.

Ob Maanshan tatsächlich wieder Strom liefert, entscheidet sich erst nach den weiteren Prüfungen. Die Richtung ist aber klar: Pragmatismus schlägt Ideologie, zumindest in Taipeh.

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