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07.10.2026
04:45 Uhr
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Käse-Aus und Saucen-Stopp: Müller streicht 320 Jobs im Osten!

Die Unternehmensgruppe Theo Müller will zwei Produktionsstandorte in Ostdeutschland dichtmachen. Betroffen sind das Homann-Saucenwerk in Rogätz (Sachsen-Anhalt) und die Schnittkäserei von Sachsenmilch in Leppersdorf (Sachsen). Für rund 320 Beschäftigte steht damit der Arbeitsplatz auf dem Spiel.

Ein Sprecher des Konzerns hat die Pläne bestätigt. Zuerst hatte die „Leipziger Volkszeitung“ darüber berichtet.

Leppersdorf: Schon zum Jahresende ist Schluss

Besonders schnell geht es in Leppersdorf im Landkreis Bautzen. Die Schnittkäserei soll laut Unternehmen bereits zum 31. Dezember schließen. Dazu gehören auch die Bereiche Produktion, Verpackung und Verwaltung. Rund 160 Menschen arbeiten dort.

Der Standort in der Gemeinde Wachau an der Autobahn 4 verschwindet aber nicht ganz. Die Sauermilchkäserei und die Mozzarella-Produktion laufen nach Angaben des Konzerns weiter. Ein schwacher Trost für die, deren Abteilung jetzt wegfällt.

Die Begründung klingt nach Lehrbuch. Der Bereich lasse sich trotz intensiver Anstrengungen und der Prüfung aller Optionen dauerhaft nicht wirtschaftlich betreiben, so der Sprecher. Verantwortlich seien interne wie externe Rahmenbedingungen.

Rogätz: Saucen im Glas sind out

Im Landkreis Börde bleibt etwas mehr Zeit. Das Homann-Werk in Rogätz soll die Produktion bis Ende September 2027 einstellen. Auch hier geht es um rund 160 Arbeitsplätze.

Regionalen Medienberichten zufolge nennt der Konzern hohe Kosten am Standort und einen erheblichen Investitionsbedarf als Gründe. Hinzu komme ein veränderter Geschmack der Kunden: Saucen im Glas würden immer seltener gekauft. Ein Verpackungstrend, der ein ganzes Werk ins Wanken bringt – so schnell kann es gehen.

Pikant: Homann ist eine Traditionsmarke. Gegründet wurde das Unternehmen 1876 in Dissen am Teutoburger Wald, damals noch als Fleisch- und Wurstwarenfabrik. Heute konzentriert Müller die Dressing-Produktion zunehmend im niedersächsischen Lintorf. Dort flossen laut Konzernangaben rund 150 Millionen Euro in eine Erweiterung, die die Kapazitäten im Dressingbereich 2022 verdoppelt hat.

Wachstum im Westen, Rückzug im Osten?

Das Bild ist widersprüchlich. Einerseits expandiert die Müller-Gruppe kräftig. Erst im Juli 2026 schloss sie die Übernahme der Berief Food GmbH ab. Andererseits zieht sie sich aus Teilen ihrer ostdeutschen Produktion zurück. Beobachter dürften darin ein bekanntes Muster erkennen: Investiert wird dort, wo es sich am meisten lohnt.

Man kann das kalt nennen. Man kann es aber auch nüchtern sehen. Ein Unternehmen muss rechnen – erst recht in einem Land, das mit hohen Energiepreisen, wachsender Bürokratie und steigenden Arbeitskosten kämpft. Wenn selbst ein Branchenriese zwei Werke nicht mehr profitabel betreiben kann, sollte das in Berlin die Alarmglocken schrillen lassen.

Was jetzt aus den Beschäftigten wird

Der Konzern verspricht sozialverträgliche Lösungen, die gemeinsam mit dem Betriebsrat erarbeitet werden sollen. Im Gespräch seien:

  • Weiterbeschäftigung an anderen Stellen innerhalb der Unternehmensgruppe
  • einvernehmliche Anpassungen bestehender Verträge
  • Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote

Ob das reicht? Für viele Familien in der Börde und der Oberlausitz geht es um mehr als einen Job. Es geht um Perspektive in Regionen, die seit der Wende schon zu viele Werksschließungen erlebt haben.

Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall einmal mehr, wie dünn das Eis für den Industriestandort Deutschland geworden ist. Die schwarz-rote Koalition unter Friedrich Merz hatte eine Wirtschaftswende versprochen. In Rogätz und Leppersdorf ist davon bislang wenig angekommen.

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