
Remigius-Regel: Bringt der Donnerstag einen Oktober voller Verdruss?

Nach bis zu 31 Grad Spätsommerhitze schlägt das Wetter in Deutschland ausgerechnet am 1. Oktober um. Wie der Deutsche Wetterdienst meldet, ziehen am Donnerstag vor allem im Westen Regen und vereinzelte Gewitter auf. Für Anhänger alter Bauernweisheiten ist das ein schlechtes Zeichen: Der Remigiustag gilt seit Jahrhunderten als Lostag für den ganzen Monat.
Ein Spruch, der dem Westen nichts Gutes verheißt
Der Volksmund legt sich fest: „Regen an Sankt Remigius bringt den ganzen Monat Verdruss.“ In einer älteren Fassung ist vom Verdruss „für den ganzen Mond“ die Rede. Gemeint ist damit der Monat.
Nach aktuellen Prognosen trifft es die Westhälfte der Republik. Dort erwarten die Meteorologen dichte Wolken, Schauer und stellenweise Starkregen, allerdings bei milden 22 bis 28 Grad. Zwischen Rostock und Dresden bleibt es dagegen weitgehend trocken, teils scheint sogar die Sonne. Für den Osten passt deshalb eher ein anderer Reim: „Oktober-Sonnenschein schüttet Zucker in den Wein.“
Vier Tage Verdruss, dann kommt die Sonne zurück
Der Wetterbericht wirkt allerdings nicht wie ein ganzer verregneter Monat. Laut DWD breiten sich die Schauer am Freitag weiter aus, die Höchstwerte fallen dann auf 18 bis 23 Grad. Am Tag der Deutschen Einheit und am Sonntag soll es heiter bis wolkig werden. Ab Montag rechnen die Meteorologen wieder mit viel Sonne.
Pikant ist, dass der Volksmund schon am Dienstag nach dem sonnigen Michaelistag den Winter für den 13. Oktober angekündigt hat. Wer beiden Regeln glaubt, bekommt also einen verregneten Oktober mit Frost zur Monatsmitte. Ein ziemlich trübes Paket.
Am Rhein wäre der Regen ein Segen
Ein Ort dürfte sich über jeden Tropfen freuen: der Rhein. Am Engpass bei Kaub sank der Pegel nach Angaben der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes auf nur noch zwei Zentimeter. Das ist ein historischer Tiefstand seit Beginn der Messungen im 19. Jahrhundert. Der Wert dient der Schifffahrt als Referenz, die tatsächliche Wassertiefe liegt gut einen Meter höher.
Für Deutschlands wichtigste Binnenwasserstraße ist das trotzdem dramatisch. Seit Monaten fahren Frachter nur halb beladen, und die Transportkosten für Getreide, Erze, Kohle und Benzin steigen. Nach Einschätzung eines führenden Bankökonomen sei der Rhein für größere Schiffe praktisch zweigeteilt. Das habe zum Rückgang der Industrieproduktion im Juli um 1,1 Prozent beigetragen. Ohnehin kämpft die deutsche Wirtschaft mit hohen Energiepreisen, Bürokratie und US-Zöllen, und nun trocknet ihr auch noch die Lebensader aus.
Die Bundesanstalt für Gewässerkunde hofft, dass der Regen Anfang Oktober zumindest vorübergehend Entlastung bringt. Was die Bauernregel „Verdruss“ nennt, wäre für die Binnenschiffer die erste gute Nachricht seit Wochen.
Warum Bauern den Remigiustag so fürchteten
An Lostagen lasen Landwirte früher das Wetter der kommenden Wochen ab. Anfang Oktober stand viel auf dem Spiel: Die Ernte musste eingebracht und die Vorratskammern mussten gefüllt werden. In Österreich richten manche Winzer ihre Lese bis heute nach dem Wetter an diesem Tag.
Der Namensgeber hatte mit Wetter wenig zu tun. Remigius wurde mit 22 Jahren Bischof von Reims und taufte den Frankenkönig Chlodwig I. In den Bauernkalender kam er nur, weil sein Gedenktag mitten in die Erntezeit fällt.
Die nächsten Lostage stehen schon bereit
- Leodegar (2. Oktober): „Laubfall an Sankt Leodegar kündigt an ein fruchtbar Jahr.“
- Monatsregel: „Ist der Oktober warm und fein, kommt ein scharfer Winter drein.“ Laut Wetterexperten gilt das vor allem, wenn der Oktober zugleich trocken ist.
- „Oktober rau, Januar flau“: Ist der Oktober mindestens 1,5 Grad kälter als im Mittel, folgt Auswertungen zufolge in zwei von drei Jahren ein milder Januar.
- Gallustag (16. Oktober): Fielen mehr als zehn Liter Regen pro Quadratmeter, war der nächste Sommer in drei von fünf Jahren zu nass.
Experten weisen allerdings darauf hin, dass Bauernregeln nur regional und zeitlich begrenzt taugen und der Klimawandel viele Lostage schwächt. Die alten Sprüche enthalten trotzdem viel gesammelte Erfahrung. Ob der Oktober wirklich Verdruss bringt, zeigt sich in ein paar Wochen.
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