
Verdi legt Deutschland lahm: Bundesweiter Nahverkehrsstreik am Montag
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi greift erneut zu ihrem schärfsten Schwert und ruft für den kommenden Montag zu flächendeckenden Arbeitsniederlegungen im kommunalen Nahverkehr auf. Was für die Gewerkschaftsfunktionäre ein legitimes Druckmittel sein mag, bedeutet für Millionen von Pendlern und Berufstätigen schlicht: Chaos auf dem Weg zur Arbeit.
Fahrgäste als Geiseln der Tarifpolitik
Wer am Montag auf Bus und Bahn angewiesen ist, sollte sich warm anziehen – und zwar nicht nur wegen der winterlichen Temperaturen. In zahlreichen deutschen Städten wird der öffentliche Nahverkehr voraussichtlich vollständig zum Erliegen kommen. Die Gewerkschaft selbst räumt ein, dass in den betroffenen Betrieben mit einem kompletten Stillstand zu rechnen sei. Eine bemerkenswerte Ehrlichkeit, die den Betroffenen freilich wenig nützt.
Betroffen sind fast 100.000 Beschäftigte in 150 städtischen Verkehrsunternehmen und Busbetrieben der Landkreise. Auch die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen werden nicht verschont. Einzig Niedersachsen bleibt vorerst außen vor – dort gilt noch die sogenannte Friedenspflicht. Bei der Hamburger Hochbahn entscheidet sich erst im Laufe des Tages, ob auch dort die Räder stillstehen werden.
Die Forderungen: Weniger arbeiten, mehr verdienen
Was fordert Verdi konkret? Die Gewerkschaft verlangt kürzere Wochenarbeitszeiten, verkürzte Schichtzeiten, längere Ruhezeiten und höhere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit. In einigen Bundesländern – Bayern, Brandenburg, Saarland, Thüringen sowie bei der Hamburger Hochbahn – wird zusätzlich über höhere Löhne und Gehälter verhandelt.
Man mag diese Forderungen für berechtigt halten oder nicht. Doch die Methode, den arbeitenden Bürger als Druckmittel zu missbrauchen, hinterlässt einen schalen Beigeschmack. Während Gewerkschaftsfunktionäre in warmen Verhandlungsräumen sitzen, stehen Pendler in der Kälte und fragen sich, wie sie pünktlich zur Arbeit kommen sollen.
Ein Symptom tieferliegender Probleme
Der Streik offenbart einmal mehr die strukturellen Schwächen des deutschen Nahverkehrssystems. Jahrzehntelange Unterfinanzierung, marode Infrastruktur und ein chronischer Personalmangel haben die Branche an den Rand der Belastbarkeit gebracht. Dass die Beschäftigten unter diesen Bedingungen nach besseren Arbeitsbedingungen rufen, ist nachvollziehbar. Doch die Zeche zahlen am Ende wieder die Bürger – erst durch Streiks, dann durch höhere Ticketpreise.
Die Verhandlungen werden in allen 16 Bundesländern geführt, meist mit den Kommunalen Arbeitgeberverbänden. Ein Flickenteppich an Zuständigkeiten, der effiziente Lösungen erschwert und den Tarifkonflikt in die Länge zieht. Deutschland, das Land der Ingenieure und Organisatoren, scheitert einmal mehr an der simplen Aufgabe, Menschen von A nach B zu bringen.
Was bleibt dem Bürger?
Wer am Montag mobil sein muss, sollte rechtzeitig Alternativen planen. Das Auto wird für viele zur einzigen Option – sofern man eines besitzt und sich die gestiegenen Spritpreise leisten kann. Eine bittere Ironie in Zeiten, in denen die Politik den Bürgern das Autofahren madig machen will und gleichzeitig keine verlässlichen Alternativen bietet.
Der Streik ist ein weiteres Symptom einer Politik, die den Kontakt zur Lebensrealität der Menschen verloren hat. Statt funktionierender Infrastruktur gibt es ideologische Grabenkämpfe. Statt pragmatischer Lösungen endlose Verhandlungsrunden. Der deutsche Michel zahlt – und wartet auf den Bus, der nicht kommt.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











