
Wahllokal in der Moschee: Berlin macht Ernst am 20. September

Berlin wählt am 20. September 2026 ein neues Abgeordnetenhaus. Und wer im Norden Pankows seine Stimme abgeben will, landet womöglich in einem Gebetshaus: Die Khadija-Moschee in Berlin-Heinersdorf dient erneut als offizielles Wahllokal. Betrieben wird sie von der Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ).
Ein Gebetsraum als Ort der Demokratie?
Berichten zufolge sieht die Gemeinde darin ein Zeichen der „Normalisierung und Gleichstellung von Religionsgemeinschaften“. Formal ist das nachvollziehbar: Die AMJ ist die einzige muslimische Gemeinschaft in Deutschland mit dem Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts – juristisch also auf Augenhöhe mit den großen Kirchen.
Trotzdem stellen Kritiker in Leserforen und sozialen Netzwerken eine simple Frage: Warum ausgerechnet eine Moschee? Wahllokale sind traditionell Schulen, Turnhallen, Bürgerämter – neutrale Orte, an denen niemand ein weltanschauliches Signal empfängt, bevor er den Stimmzettel faltet. Die Neutralität des Wahlraums ist kein bürokratisches Detail, sondern ein Fundament des Wahlgeheimnisses.
Der Imam und seine Sorge vor der AfD
Im Zentrum der Debatte steht der dort predigende Imam Scharjil Khalid. Medienberichten zufolge äußerte der 32-Jährige Sorge angesichts des Erstarkens der AfD. Er befürchte gestrichene Förderungen und wachsenden Druck auf Muslime – was wiederum radikale Gruppierungen begünstigen könne.
Die Methode der Partei, gezielt länger hier lebende Migranten von neu Eingewanderten zu trennen, nannte er dem Bericht zufolge „perfide und zynisch“. Bemerkenswert ist seine Beobachtung, die AfD sei in muslimischen Kreisen längst kein Randphänomen mehr: Jeder Muslim kenne demnach jemanden, der die Partei wähle oder zumindest damit liebäugele.
Ein Satz, den er der Berliner Zeitung gesagt haben soll, sorgt besonders für Diskussionen:
„Wenn wir uns die demographische Entwicklung anschauen, dann muss man ganz klar feststellen, dass Muslime die Zukunft dieses Landes darstellen.“
Fortschrittlich – oder streng konservativ?
Die AMJ bezeichnet sich selbst als eine der fortschrittlichsten Strömungen des Islam. Dem Bericht zufolge ist die Gemeindepraxis jedoch streng: getrennte Gebetsbereiche für Männer und Frauen, kein Händedruck zwischen den Geschlechtern, und in Gemeindematerialien werde das Kopftuch als Zeichen von Würde, Keuschheit und Treue zum Ehemann beschrieben.
Erwähnt wird zudem ein Online-Beitrag aus dem Jahr 2007, in dem aus den Reihen der Gemeinschaft behauptet worden sein soll, der Verzehr von Schweinefleisch führe zu Homosexualität. Der Text sei später gelöscht worden. Nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 habe Khalid vor allem die israelische Reaktion scharf kritisiert und den Begriff „Islamismus“ als problematisch bezeichnet.
Warum das mehr ist als eine Randnotiz
Die AMJ zählt rund 53.000 Mitglieder – ein Bruchteil der etwa sieben Millionen Muslime in Deutschland. Die Symbolkraft aber ist groß, gerade in einem Ostberliner Bezirk, in dem die Moschee 2007 unter massiven Protesten errichtet wurde.
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Vorgang ein tieferes Problem: Der Staat wirkt zunehmend unsicher, wo Religionsfreiheit endet und staatliche Neutralität beginnt. Wer Bürgern zumutet, in einem Sakralbau zu wählen, sollte diese Entscheidung offen begründen – erst recht in einer Stadt, in der das Vertrauen in Verwaltung und Wahlorganisation nach den Pannen von 2021 ohnehin ramponiert ist.
Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechtsberatung dar.












