
Zoll-Coup in Bern: China öffnet der Schweiz die Tür – Trump poltert

Die Schweiz hat geliefert. Bundespräsident und Wirtschaftsminister Guy Parmelin und Chinas Handelsminister Wang Wentao gaben am Donnerstag in Bern bekannt, dass die Verhandlungen über eine Modernisierung des Freihandelsabkommens abgeschlossen sind. Künftig sollen praktisch alle Schweizer Waren zollfrei nach China gelangen.
Nach Angaben aus Parmelins Departement steigt der zollfreie Anteil der Schweizer Ausfuhren mittelfristig auf 99,8 Prozent – bislang war es rund die Hälfte. 77,5 Prozent sollen demnach schon mit Inkrafttreten des aktualisierten Abkommens greifen.
244 Millionen Franken – Jahr für Jahr
Das Einsparpotenzial beziffert die Schweizer Regierung laut Medienberichten auf rund 244 Millionen Franken. Profitieren sollen vor allem Uhren, Maschinen und die Pharmabranche. Für Käse und Röstkaffee gilt eine Übergangsfrist von zehn Jahren.
Hinter der Einigung steckt die Korrektur einer schiefen Bilanz: Chinesische Importe kommen bereits fast vollständig zollfrei in die Schweiz, umgekehrt galt das eben nur für einen Bruchteil. Zusätzlich soll das Abkommen den Marktzugang für Schweizer Investoren absichern; auch Umwelt- und Arbeitsrechtsbestimmungen würden gestärkt.
Die Zahlen zeigen, worum es geht: 2025 exportierte die Schweiz Waren für etwa 15,2 Milliarden Franken in die Volksrepublik und importierte für rund 18,3 Milliarden. China ist nach der EU und den USA drittwichtigster Handelspartner der Eidgenossen.
Fünf Runden statt fünf Jahre Brüsseler Prozedur
Bemerkenswert ist das Tempo. Die Gespräche über die Aktualisierung des Ursprungsabkommens von 2014 starteten im September 2024 – nach lediglich fünf Verhandlungsrunden steht das Ergebnis. Die Unterzeichnung wird noch für 2026 angestrebt, danach folgen die innerstaatlichen Genehmigungsverfahren.
Ein Vergleich drängt sich auf: Während ein Kleinstaat mit knapp neun Millionen Einwohnern binnen zweier Jahre einen Handelsdurchbruch verhandelt, ringt die EU seit Jahren um Abkommen, die in den Mitgliedsländern anschließend in politischen Grabenkämpfen versanden. Beobachter sehen darin ein Lehrstück über Verhandlungsfähigkeit jenseits von Brüsseler Gremienlogik.
Trump droht – Peking lächelt
Die Kulisse könnte kaum kontrastreicher sein. Erst am Mittwoch hatte US-Präsident Donald Trump die Schweiz erneut angegangen; Berichten zufolge erklärte er:
«Ich habe das absolute Recht, sämtliche Geschäfte mit einem Land wie der Schweiz abzubrechen.»
Zur Erinnerung: Washington hatte Schweizer Einfuhren zeitweise mit 39 Prozent Zoll belegt, ehe der Satz nach zähem Ringen auf 15 Prozent sank. Seit diesem Zollschock treibt Bern die Diversifizierung mit Nachdruck voran – von Mercosur über Großbritannien bis nun nach Peking.
Kritik gibt es auch: Aus dem linken Lager wurde bereits mit einem Referendum gegen ein erneuertes China-Abkommen gedroht. Menschenrechtsfragen und Abhängigkeiten von Peking bleiben ein Politikum – der Vorwurf einer allzu geschmeidigen Annäherung dürfte den Abstimmungskampf prägen.
Was Deutschland daraus lernen könnte
Aus Sicht unserer Redaktion liefert Bern eine unbequeme Lektion: Wer im Zangengriff zwischen amerikanischem Protektionismus und chinesischer Marktmacht bestehen will, braucht Handlungsfähigkeit statt Absichtserklärungen. Der deutsche Standort dagegen kämpft mit Energiekosten, Bürokratie und einer Industriepolitik, die eher verwaltet als gestaltet.
Für Anleger bleibt die Botschaft nüchtern: Handelsordnungen sind heute Verhandlungsmasse, keine Konstante. Wer sein Vermögen breit aufstellt, zieht physische Edelmetalle als krisenfeste Beimischung in Betracht – Gold und Silber kennen weder Zollsätze noch Regierungswechsel.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.
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