
Bosch am Abgrund: Deutschlands Industriegigant kämpft mit historischem Gewinneinbruch
Der schwäbische Technologiekonzern Bosch verzeichnet einen dramatischen Gewinneinbruch, der die tiefgreifenden Probleme des deutschen Industriestandorts schonungslos offenlegt. Mit einem operativen Ergebnis von lediglich 1,7 Milliarden Euro – ein Rückgang von über 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr – steht der weltgrößte Autozulieferer vor seiner wohl größten Bewährungsprobe seit Jahrzehnten.
Ein Traditionsunternehmen unter massivem Druck
Die Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache: Selbst im Corona-Jahr 2020, als die Weltwirtschaft praktisch zum Stillstand kam, erwirtschaftete Bosch noch über zwei Milliarden Euro operativen Gewinn. Nun, fünf Jahre später, liegt der Wert deutlich darunter. Konzernchef Stefan Hartung räumte unumwunden ein, dass 2025 ein „schwieriges, teils auch schmerzhaftes Jahr" gewesen sei. Die selbst gesteckten Ziele? Verfehlt. Die Wettbewerbsfähigkeit? In vielen Bereichen nicht mehr gegeben.
Was sich hier abspielt, ist kein isoliertes Unternehmensschicksal, sondern ein Symptom für den schleichenden Niedergang der deutschen Industrie insgesamt. Die Ursachen sind vielfältig – und hausgemacht.
Milliardengrab Stellenabbau
Besonders bitter: Um langfristig überleben zu können, muss Bosch kurzfristig gewaltige Summen aufwenden. Allein 2,7 Milliarden Euro wurden für den sozialverträglichen Abbau von Arbeitsplätzen zurückgestellt – für Abfindungen, Vorruhestandsregelungen und ähnliche Maßnahmen. Das ist mehr als der gesamte operative Gewinn des Jahres.
Rund 13.000 zusätzliche Stellen sollen gestrichen werden, zusätzlich zu bereits laufenden Programmen. Ende 2025 beschäftigte der Konzern noch etwa 412.400 Menschen weltweit – 5.400 weniger als im Vorjahr. Deutschland trifft es dabei überproportional hart: Mit einem Rückgang von 6.500 Arbeitsplätzen auf rund 123.100 Beschäftigte verlor der Heimatstandort fünf Prozent seiner Belegschaft.
Die Verschiebung nach Osten
Was die nackten Zahlen verschleiern: Die Arbeitsplätze verschwinden nicht einfach – sie wandern ab. Von Europa in andere Weltregionen, wo die Produktionskosten niedriger sind, die Bürokratie erträglicher und die Energiepreise nicht durch ideologisch motivierte Klimapolitik in astronomische Höhen getrieben werden.
Zukunftsinvestitionen ohne Rendite
Bosch hat in den vergangenen Jahren Milliarden in vermeintliche Zukunftstechnologien gesteckt: E-Mobilität, autonomes Fahren, Wasserstoff, Wärmepumpen. Die Produkte stehen im Schaufenster – doch die Kunden bleiben aus. Finanzchef Markus Forschner sprach von einer „Durststrecke", die länger dauere als ursprünglich erwartet.
Ein besonders anschauliches Beispiel: Der Brennstoffzellen-Antrieb für Lastwagen, den Bosch seit Jahren anbietet. Nach der Pleite eines Hauptkunden dümpelt die Nachfrage vor sich hin. Bis sich diese Investition jemals auszahlt, dürften Jahre vergehen – wenn überhaupt.
Chinesische Konkurrenz und US-Zölle
Die geopolitische Großwetterlage macht dem Konzern zusätzlich zu schaffen. Chinesische Anbieter drängen mit aggressiven Preisen auf den Markt, während die von US-Präsident Trump eingeführten Zölle – 20 Prozent auf EU-Importe – die Exportgeschäfte belasten. Hartung forderte von der Politik „Local-Content-Regeln", um den verzerrten Wettbewerb wieder gerechter zu gestalten. Ob diese Forderung bei der neuen Bundesregierung unter Friedrich Merz Gehör findet, bleibt abzuwarten.
Konsumflaute trifft Haushaltsgeräte
Nicht nur das Zuliefergeschäft schwächelt. Auch die Konsumgütersparte, zu der Marken wie Siemens, Neff und Gaggenau gehören, leidet unter der anhaltenden Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Kühlschränke, Waschmaschinen, Elektrowerkzeuge – all das verkauft sich schlechter. Und wenn doch gekauft wird, dann oft günstiger und bei Anbietern aus Fernost.
Die Konsequenz: Werksschließungen in Deutschland. Hartung sprach von einer „katastrophalen ökonomischen Situation" bei den Herdwerken, die nur noch zur Hälfte ausgelastet seien. Die energieintensive Emaillierungsanlage frisst bei halber Auslastung „gigantische Kosten".
Ausblick: Keine Entspannung in Sicht
Für 2026 erwartet der Konzern keine Besserung. Der Wettbewerbs- und Preisdruck dürfte weiter zunehmen, die Zölle sich erstmals im vollen Umfang auswirken. Die angestrebte Zielrendite von sieben Prozent – notwendig für Zukunftsinvestitionen – werde frühestens 2027 erreicht werden können. 2025 lag sie bei mageren 1,9 Prozent.
Was bleibt, ist das Bild eines deutschen Industriegiganten, der unter dem Druck globaler Konkurrenz, verfehlter Energiepolitik und überbordender Bürokratie ächzt. Bosch ist dabei nur die Spitze des Eisbergs – ein Menetekel für den gesamten Wirtschaftsstandort Deutschland.

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