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25.09.2026
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Marode nach 20 Jahren: Berliner Hauptbahnhof wird zum Sanierungsfall!

Marode nach 20 Jahren: Berliner Hauptbahnhof wird zum Sanierungsfall!
Symbolbild: KI-generiert

Er sollte das Schaufenster der Hauptstadt sein, jetzt wird er zur Großbaustelle: Die Deutsche Bahn bereitet laut einem Bericht der Berliner Zeitung ein umfangreiches Umbauprogramm für den Berliner Hauptbahnhof vor. Die Arbeiten sollen Anfang der 2030er-Jahre beginnen. Der Bahnhof ist gerade einmal 20 Jahre alt.

„Nicht wirklich gut“: Ein Bahnmanager redet Klartext

Die Einschätzung kommt aus dem Konzern selbst. Daniel Euteneuer, bei DB InfraGO für rund 700 Personenbahnhöfe im Nordosten Deutschlands zuständig, sagte der Zeitung, die zwei Jahrzehnte hätten an diesem Gebäude stärker genagt als an anderen Bahnhöfen. Der Grund sei die Bausubstanz, die „nicht wirklich gut“ sei.

Mit Stückwerk sei es nicht getan, so Euteneuer. Man brauche ein Gesamtkonzept, und das werde aufwendig. Nichtstun sei aber keine Option, denn der Hauptbahnhof sei für Berlin und die Bahn ein Aushängeschild. Kurzfristig werde allerdings nichts passieren. Details zum Programm nannte er noch nicht.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Ein Prestigebau für 1,2 Milliarden Euro ist nach nur 20 Jahren ein Sanierungsfall. Andere Bahnhöfe in Europa stehen seit mehr als einem Jahrhundert.

Gespart wurde schon beim Bau

Ganz überraschend kommt das nicht. Nach dem Baustart 1995 kämpften die Planer mit schwierigem Untergrund: viel Grundwasser, Findlinge, Kriegsmunition. Ende 2001 drohte eine Verzögerung um bis zu sieben Jahre. Der damalige Bahnchef Hartmut Mehdorn wollte aber unbedingt vor der Fußball-WM 2006 eröffnen.

Also wurde gekürzt. Das Dach über den Ost-West-Bahnsteigen fiel 321 statt 430 Meter lang aus. Auch die Hallendecke im Untergeschoss wurde, abweichend vom Entwurf des Architekten Meinhard von Gerkan, einfacher gebaut. Unter Projektleiter Hany Azer und mit mehr als 40 Baufirmen schaffte man den Termin trotzdem. Eröffnet wurde am 26. Mai 2006, statt wie befürchtet erst 2009.

Danach folgten die Probleme. Im Jahr 2007 riss Orkan „Kyrill“ einen zwei Tonnen schweren Stahlträger aus der Fassade, er stürzte auf den Eingangsbereich. Später wurde an einem Trägerrost fehlerhafter „Bröselbeton“ entdeckt, der die Standfestigkeit von Brücken des Stadtbahnviadukts gefährdete. Aus heutiger Sicht war das eine Warnung.

Gedränge am Gleis: Das tägliche Ärgernis

Pendler kennen vor allem die oberen Bahnsteige an den Gleisen 11/12 und 13/14. Dort halten die meisten Fernzüge und viele volle Regionalzüge. Rund um die „Lichtaugen“, also die Öffnungen, die Tageslicht in die unteren Etagen lassen, werden die Bahnsteige sehr schmal. Wer hier mit Koffer und Kind steht, braucht starke Nerven.

Pläne für breitere Bahnsteige wurden Berichten zufolge 2024 gestoppt. Euteneuer versichert aber, man befasse sich weiter damit, auch mit der Frage, ob die Lichtaugen bleiben können. Ärger mit dem Architekturbüro gmp gilt dabei als wahrscheinlich.

Ein Symbol für das ganze Netz

Der Hauptbahnhof ist kein Einzelfall. Laut dem aktuellen Netzzustandsbericht der Bahn bekommt das Schienennetz weiterhin nur die Schulnote 3,0, die Personenbahnhöfe liegen bei 2,96. Den Sanierungsstau beziffert die Führung von DB InfraGO auf rund 130 Milliarden Euro. Im Jahr 2025 flossen demnach 19,9 Milliarden Euro ins Netz. Das reichte gerade, damit der Rückstand nicht weiter wächst.

Aus Sicht unserer Redaktion zeigt das ein grundsätzliches Problem. Jahrzehntelang wurde lieber eröffnet als instand gehalten, Termine zählten mehr als Qualität. Die Rechnung zahlen heute Steuerzahler und Fahrgäste. Auch das 500-Milliarden-Sondervermögen der Bundesregierung ändert daran wenig, solange das Geld über neue Schulden hereinkommt und nicht über eine solide Haushaltsführung.

Ein kleiner Lichtblick am Rande

Es gibt auch Positives. Auf dem Europaplatz an der Invalidenstraße wird gebaut, die ersten Bäume stehen, auch wenn ein Verkehrskonzept für Taxis noch fehlt. Die provisorische Station der S15 nach Gesundbrunnen, seit Juni 2026 in Betrieb, werde laut Euteneuer deutlich stärker genutzt als erwartet.

Das ist schön. Die eigentliche Lehre bleibt aber: Wer beim Fundament spart, zahlt später doppelt. Das gilt für Bahnhöfe genauso wie für Staatshaushalte.

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