
Monster-El-Niño im Anmarsch: Wird Schokolade jetzt zum Luxusgut?

Der Pazifik glüht wie selten zuvor. Mitte September lag die Meerestemperatur im wichtigsten El-Niño-Messfeld nach Angaben des Klimainstituts IRI der Columbia University volle 3,0 Grad über dem Normalwert. Das US-Klimavorhersagezentrum CPC sieht laut Medienberichten eine Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent für den stärksten El Niño seit 1950. Die Rechnung dafür könnte am Ende im deutschen Supermarkt landen.
Ein Riese wächst heran
Der Name stammt von peruanischen Fischern. „El Niño“, das Christkind, nannten sie die warme Strömung, die meist um Weihnachten vor ihren Küsten auftauchte und die Fischschwärme vertrieb. Heute weiß man: Das Phänomen bringt die Wind- und Regenmuster rund um den ganzen Globus durcheinander.
Diesmal deutet alles auf ein Ausnahmeereignis hin. Sämtliche 22 Modelle, die das IRI auswertet, rechnen bis in den Winter mit einem sehr starken El Niño. Die Weltwetterorganisation WMO hält es für nahezu sicher, dass er bis Februar 2027 anhält. UN-Generalsekretär António Guterres sprach Berichten zufolge von einem El Niño, der vor aller Augen zum Riesen heranwachse.
Ganz entschieden ist das Rennen um den Rekord aber noch nicht. In der offiziellen, über drei Monate gemittelten Messgröße der US-Wetterbehörde NOAA war die Bestmarke bis August nicht erreicht. Die nächste Einschätzung der Behörde erscheint am 8. Oktober.
Kakao, Kaffee, Reis: Der Angriff auf den Geldbeutel
Wie teuer ein starker El Niño werden kann, zeigte schon das letzte Ereignis. 2023/24 kletterte der Kakaopreis Medienberichten zufolge von rund 2.500 auf 12.000 US-Dollar je Tonne, fast eine Verfünffachung. Laut dem Investmenthaus WisdomTree hat jeder starke El Niño der vergangenen 55 Jahre die Kakaoernte gedrückt. Den Hauptanbauländern Elfenbeinküste und Ghana drohen erneut Hitze und Trockenstress.
Beim Kaffee ist vor allem die Sorte Robusta in Gefahr, denn in Vietnam und Indonesien bringt El Niño typischerweise Dürre. Tchibo hat nach einem Bericht der Wirtschaftswoche bereits im Februar die Preise um bis zu einen Euro je Pfund erhöht. Und in Indien fiel der Monsunregen zwischen Anfang Juni und dem 9. September laut nationalem Wetterdienst 15 Prozent geringer aus als im Durchschnitt. Das dürfte auch den Reis verteuern.
Die EZB rechnet mit bis zu neun Prozent
Brisant ist eine Kalkulation der Europäischen Zentralbank. Demnach kann ein starker El Niño die globalen Preise für Lebensmittelrohstoffe um bis zu neun Prozent nach oben treiben. Goldman Sachs erwartet die größten Folgen für Ernten und Rohstoffmärkte Berichten zufolge sogar erst 2027.
Für deutsche Familien kommt das zur Unzeit. Energie, Abgaben und Mieten belasten die Haushalte ohnehin schon. Wer sein Erspartes auf dem Girokonto liegen lässt, muss zusehen, wie die Kaufkraft Stück für Stück schwindet.
Stiller Atlantik, unberechenbarer Winter
Wie viel Kraft in dem Phänomen steckt, zeigt ausgerechnet der Atlantik. Bis zum 24. September hatte sich dort kein einziger Hurrikan gebildet. So spät hat die Saison seit Beginn der Satellitenbeobachtung in den 1960er-Jahren noch nie begonnen. Der Grund: El Niño lässt über dem Atlantik Luft absinken und verstärkt die Scherwinde in der Höhe. Im östlichen und zentralen Pazifik entstanden dagegen bereits 16 Stürme, vier davon schwere Hurrikane.
Und Deutschland? Der Deutsche Wetterdienst mahnt zur Vorsicht. Einen Eiswinter könne niemand seriös aus dem Rekord-El-Niño ableiten. Gefährlich wird es nur auf Umwegen: Gerät der Polarwirbel über der Arktis ins Taumeln, kann eisige Luft bis nach Mitteleuropa vordringen. Der Winter 2023/24 zeigte das Hin und Her. Im Dezember versank München im Schneechaos, im Februar war es so mild wie in einem kühlen April. Nach dem Super-El-Niño 2015/16 blieb der Winter dagegen durchweg zu mild.
Fazit: Vorsorge statt Hoffnung
Der britische Klimaforscher Leon Hermanson vom Met Office hält es Berichten zufolge für wahrscheinlicher, dass 2027 ein neues globales Rekordjahr bei den Temperaturen wird. Ob es an Weihnachten schneit, entscheidet El Niño nicht. Was die Tafel Schokolade unterm Baum kostet, womöglich schon.
Steigende Rohstoffpreise sind ein Inflationstreiber, und die Geschichte zeigt, wie schnell Papiergeld dabei an Wert verliert. Umsichtige Sparer sehen in physischem Gold und Silber deshalb seit jeher eine sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen, als Schutz der eigenen Kaufkraft.
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